Kinotipps «Three Billboards Outside Ebbing, Missouri» und «Wonder Wheel»

Mit Frances McDormand und Kate Winslet kommen diese Woche zwei formidable Frauen auf die Leinwand, die zeigen, was wahre Schauspielkunst ist. Und dass Schönheit viele Gesichter hat.

«Three Billboards Outside Ebbing, Missouri»

Frances McDormand
© Twentieth Century Fox Film Corporation

Unsere Oscar-Favoritin: Frances McDormand als Mutter Courage.

Vier Golden Globes hat der Film schon bekommen, für sieben Oscars in wichtigen Kategorien ist er nominiert. Wir würden ihm jeden gönnen. Allen voran den für die beste Hauptdarstellerin: Wie Frances McDormand als eine Mischung aus Dirty Harry, John Wayne und Mutter Courage durch den Film rabatzt, muss man gesehen haben.

Szene aus «Three Billboards Outside Ebbing, Missouri»
© Twentieth Century Fox Film Corporation

Mildred (Frances McDormand) legt sich mit dem rassistischen Polizisten Dixon (Sam Rockwell, ebenfalls Oscar-nominiert) an.

Die Story ist eigentlich tiefschwarz: Mildred, eine angejahrte Verkäuferin im (fiktiven) Provinzkaff Ebbing, hat die Schnauze voll: Nach fast einem Jahr gibt es weder eine Verhaftung noch eine Spur im Fall ihrer Tochter, die vergewaltigt und ermordet wurde. Mildred mietet drei Plakatwände entlang einer Landstrasse und klagt darauf den zuständigen Sheriff Willoughby (Woody Harrelson) an. Damit löst sie eine Welle der Gewalt aus. Düster? Ja, aber die Dialoge sind so spritzig und verblüffend unkorrekt, was dem Drama einen (schwarz-)humorigen Twist gibt.

Szene aus «Three Billboards Outside Ebbing, Missouri»
© Twentieth Century Fox Film Corporation

Sheriff Willoughby (Woody Harrelson) besucht seine Anklägerin und will sie zur Vernunft bringen.

Der Film zeigt ein Sittenbild aus den Flyover-Countries der USA; wo Rassismus und Ignoranz regieren: der richtige Film zur richtigen Zeit also. Für Drehbuch und Regie zeichnet sich allerdings ein Engländer verantwortlich, Martin McDonagh, der schon mit «In Bruges» und «Seven Psychopaths» eine neue Kategorie Bösewichte für die Leinwand erfunden hat.

«Wonder Wheel»

In Amerika hat «Wonder Wheel» einen schweren Stand. Weniger des Films als Woody Allens wegen. Dem 82-jährigen Filmemacher wird sexuelle Belästigung vorgeworfen – und das nicht zum ersten Mal. Wer sich trotzdem seine eigene Meinung bilden möchte, sollte den Gang ins Kino wagen. «Wonder Wheel» ist – zumindest des Films wegen – wärmstens zu empfehlen.

Es ist nicht Allens Bester, aber auch nicht sein Schlechtester. Und vor allem bietet er wiederum der Hauptdarstellerin die Möglichkeit, all ihr Können zu zeigen. Kate Winslet brilliert als Kellnerin Ginny, die ihre Bühnenambitionen begraben hat und sich mit einer Affäre mit einem Schwimmlehrer (Justin Timberlake) über ihre triste Ehe mit einem raubeinigen Karussell-Betreiber (Jim Belushi) hinwegtröstet.

Szene aus «Wonder Wheel»
© frenetic films

Die Kellnerin Ginny (Kate Winslet) träumt von vergangenen Tagen, als sie noch Ambitionen hatte.

Die Geschichte ist malerisch-nostalgieseelig im Vergnügungspark Coney Island der 50er-Jahre angesiedelt.

Und das Beste kommt zum Schluss: Der Monolog von Ginny, die ihr verpfuschtes Leben beklagt und sich in einem alten Bühnengewand wegträumt. Winslets Leistung erinnert an die grosse Gloria Swanson in «Sunset Boulevard» und hat das zeug zum Klassiker.

Szene aus «Wonder Wheel»
© frenetic films

Traurig inmitten der Strand- und Rummelplatzbesucher von Coney Island: die frustrierte Ginny (Kate Winslet).

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