Kinotipps: «American Sniper» und «Selma» Krieg und kein Frieden in Sicht

Hollywood von der ernsthaften Seite: Gleich zwei Filme arbeiten sich gewissenhaft an der Geschichte der USA ab. «American Sniper» und «Selma» leuchten in zwei dunkle Ecken der Historie, beide sind schwere Kino-Kost. Sehen muss man sie trotzdem - oder eben erst recht!
Scharfschütze Chris Kyle (Bradley Cooper) auf dem Weg zur Arbeit.
© © 2014 Warner Bros. Ent.

Scharfschütze Chris Kyle (Bradley Cooper) auf dem Weg zur Arbeit.

«American Sniper»

Der Film gehörte zu den Verlierern oder korrekt gesagt zu den Nicht-Gewinnern bei den Oscars. Das Kriegsdrama von Altmeister Clint Eastwood war zwar in sechs Kategorien nominiert, auch als bester Film. Geholt hat er «nur» den Preis für den Sound-Schnitt. Allerdings ist der grosse Abräumer an der Kinokasse. Die zehn nominierten  Filmen spielten zusammen 600 Millionen Dollar ein, 300 Millionen, also die Hälfte, generierte «American Sniper». Kein Wunder: Bradley Cooper (er hat zwanzig Kilo Muskelmasse antrainiert und war als bester Hauptdarsteller im Oscar-Rennen) ist schlicht eine Wucht. Der Mann wird eh mit jedem Film noch besser.

Den Feind im Visier: Sniper Chris Kyle (Bradley Cooper).
© © 2014 Warner Bros. Ent.

Den Feind im Visier: Sniper Chris Kyle (Bradley Cooper).

Er spielt den Scharfschützen Chris Kyle, mit rekordmässigen 160 bestätigten Abschüssen ein Kriegsheld. Wir begleiten ihn im Film auf hautnah bei der Ausbildung zum Navy-SEAL, dann auf seinen vier Einsätzen im Irak. Und sehen ihm zu bei seiner täglichen Arbeit, diesem blutig-brutalen Handwerk. Bilder, die man so schnell nicht vergisst. Wie sehr diese Eindrücke den wahren Chris Kyle traumatisiert haben, können wir nur erahnen.

Die Schlacht im Ohr: die hochschwangere Frau (Sienna Miller) ist per Handy dabei.
© © 2014 Warner Bros. Ent.

Die Schlacht im Ohr: die hochschwangere Frau (Sienna Miller) ist per Handy dabei.

In diesem gewaltigen Filmepos feiert übrigens Siena Miller ihr Comeback. Unter der Regie von Eastwood läuft sie als Ehefrau (und zuletzt Witwe) von Kyle zur Hochform auf. Ein Fünf-Sterne-Film für alle, die explizite Gewaltszenen und die nackte Wahrheit nicht scheuen. Filmstart: 26. Febr. 2015..

«Selma»

Blutig und brutal geht es auch in «Selma» zu, einem ebenfalls auf Tatsachen beruhendem Film. Selma lautet der Name der Stadt in den US-Südstaaten, von wo aus der Bürgerrechtler Martin Luther King Jr. (brillant: der Brite  David Oyelowo) und Tausende seiner Anhänger 1965 ihren Protestmarsch nach Montgomery starteten. Sie wollten Aufmerksamkeit auf die Tatsache lenken, dass zwar die Gleichstellung der Rassen im Gesetz verankert war, die Schwarzen in den Südstaaten aber schikaniert und an der Teilnahme von Wahlen gehindert wurden.

Die Ehe der Kings (David Oyelowo und Carmen Ejogo) leidet unter dem Druck, der auf Martin Luther lastet.
© © Atsushi Nishijima/Pathé Films

Die Ehe der Kings (David Oyelowo und Carmen Ejogo) leidet unter dem Druck, der auf Martin Luther lastet.

Auch dieses Drama war um den besten Film des Jahres oscar-nominert, gewonnen hat immerhin der Song «Glory» von John Legend und Rapper Common. Das Lied erntete frenetischen Applaus an der Oscar-Show letzten Sonntag, und Legend hielt mit der Trophäe in der Hand eine flammende Rede und meinte, auch 50 Jahre nach Selma sei die Diskriminierung der Schwarzen noch nicht vorbei. Heute sässen mehr Afroamerikaner in Gefängnissen als vor dem Bürgerkrieg als Sklaven gehalten worden waren. «Selma» startete am 19. Febr. 2015 im Kino.

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