Kinotipps «A Long Way Down» & «Still Life» Liebenswerte Loser

Gewinner bewundern wir, unser Herz aber gehört den Verlierern. Davon gibts diese Woche gleich fünf der sympathischen Art: Vier Selbstmörder in der Verfilmung von Nick Hornbys Bestseller «A Long Way Down» und einen Einsamen der Extraklasse in «Still Life». Trotz der ernsten Themen Selbstmord und Einsamkeit geht man mit einem breiten Lächeln und einem guten Gefühl aus dem Kino.

«A Long Way Down»

Die vier bekehrten Selbstmörder als Talkshow-Stars.
© DCM Film

Die vier bekehrten Selbstmörder als Talkshow-Stars.

Ein verregnete Silvesternacht in London, ein Hochhaus-Flachdach und vier traurige oder wütende Leute, jeder mit einem guten Grund zu springen. So fängt die Geschichte aus der Feder von Nick Hornby an, die Regisseur Pascal Chaumeil mit viel schwarzem Humor und französischem Charme auf die Leinwand gestemmt hat. Statt sich vom Dach zu stürzen wählen die vier Verzweifelten dann doch den langen Weg runter und zurück ins Leben. Und da werden sie als Selbstmord-Quartett sogar berühmt, landen in Talkshows und den Titelblättern der Boulevard-Presse. Mit von der bittersüssen Partie sind Pierce Brosnan, der in komischen Rollen um Welten besser ist als einst als James Bond. Weiter dabei Toni Collette («About A Boy», ebenfalls ein Hornby-Verfilmung), Aaron Paul (der Junike und Meth-Kocher aus der Erfolgsserie «Breaking Bad») und die zauberhafte Imogen Poots («Filth», «The Look of Love»). Gemeinsam mit Aaron Paul ist Imogen zurzeit auch im Action-Spektakel «Need for Speed» im Kino zu sehen.

Unglücklich verliebt, unverstanden und pudelnass: Jess (Imogen Poots).
© DCM Film

Unglücklich verliebt, unverstanden und pudelnass: Jess (Imogen Poots).

Der jungen Engländerin, die mit ebenso viel Talent wie Schönheit und Humor gesegnet ist, propezeihen wir eine steile Karriere. Ein Interview mit Imogen Poots zu «A Long Way Down» lesen Sie in der aktuellen Style.

«Still Life»

An Filmfestivals, etwa in Venedig und in Reykjavik, holte die Tragikomödie jene Preise und viel Lob. Die hat der kleine feine Film auch redlich verdient, denn die Geschichte geht zu Herzen, und der Hauptdarsteller, Eddie Marsan, ist eine Entdeckung. Der Londoner war bisher nur in schrägen Nebenrollen zu sehen, jetzt kann er zeigen, was alles in ihm steckt. Er spielt den kleinen, einsamen Beamten John May, dessen Aufgabe es ist, Angehörige von Verstorbenen zu suchen, die keine Familie mehr haben, oft wochenlang tot in ihren Wohnungen lagen, bis sich Nachbarn über den Gestank beschwerten. Alles andere als ein Traumjob, aber May erledigt den mit Akribie und Hingabe. Er organisiert die Abdankung, wählt die Musik, schreibt den Nachruf und tut alles, damit die einsamen Toten einen würdigen Abschied bekommen.

John May (Eddie Marsan), der brave Beamte mit höherer Mission.
© filmcoopi

John May (Eddie Marsan), der brave Beamte mit höherer Mission.

Aus Spargründen wird dann May eines Tages gekündigt, er lässt es sich nicht nehmen, seinen laufenden Fall zu Ende zu bringen. Dieser Job führt ihn quer durch England und sogar in die Nähe der Liebe, wenn da nicht.... Wie es ausgeht mit Mr May, verraten wir nicht. Wer stille, zart melancholische Filme ganz ohne Action und Bombast, dafür mit umso mehr Herz, Humor und Hintersinn mag, sitzt bei «Still Life» im richtigen Film. 

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