Kinotipps «Marguerite» und «Wolf Totem» Von Nachtigallen und Wölfen

Grosse Gefühle gibts diese Woche im Kino: Wir dürfen Tränen lachen und weinen in «Marguerite» und haltlos schwelgen in «Wolf Totem».  
Marguerites Traum: Auf einer Bühne stehen und singen!
© Praesens

Marguerites Traum: Auf einer Bühne stehen und singen!

«Marguerite»

Der Ausdruck White lies ist mit Notlüge oder Schwindelei nur halbwegs treffend übersetzt. Wie sich White lies über Jahre zu dunklen, gefährlichen Gewitterwolken zusammenbrauen können, zeigt der Film «Marguerite» eindrücklich. 

Bei Marguerites (Catherine Frot) mangelndem Talent helfen auch Gesangsstunden nichts.
© Praesens

Bei Marguerites (Catherine Frot) mangelndem Talent helfen auch Gesangsstunden nichts.

Marguerite ist eine reiche Adlige, die nur eine Leidenschaft kennt in ihrem Leben: die klassische Musik. Obwohl komplett untalentiert, singt sie pausenlos. Für sich allein und noch lieber vor Publikum. Dass sie selber keinen Ton und keinen Takt trifft, entgeht ihr. Und weil alle sie anlügen - ihr Mann, ihre Zöglinge, ihr Lehrer - verfolgt sie ihren Traum von einer Bühnenkarriere mit bewundernswerter Ausdauer. Bis zum bitteren Ende. Lange nicht mehr war Lachen und Weinen so nah beieinander, der begriff Tragikomödie passender. Erhebt Marguerite (herzzerreissend gut gespielt von Catherine Frot) ihre Stimme zum Gesang, kringelt man sich im Kinosessel. Ihre Darbietung der «Königin der Nacht» geht auf keine Kuhhaut und kein Trommelfell. Wenn ihr dann ihr Publikum zur eigenwilligen Interpretation gratuliert, möchte man nur heulen. «Marguerite» ist zwar eine Tortur fürs Gehör, das opulente Zwanziger-Jahre-Dekor und Marguerite spektakuläre Kostüme sind dafür eine Augenweide. Auch, wenn man sich nach 127 Minuten in melancholischer Stimmung vom Kinosessel erhebt - «Marguerite» muss man erlebt haben. 

Marguerite meuchelt, verkleidet als Nationalheldin Marianne, die «Marsaillaise».
© Praesens

Marguerite meuchelt, verkleidet als Nationalheldin Marianne, die «Marsaillaise».

Nächstes Jahr kommt die selbe Geschichte übrigens nochmals auf die Leinwand. Stephen Frears erzählt die wahre Vita der US-Amerikanerin Florence Foster Jenkins, Meryl Streep wird da die schlechteste Sängerin aller Zeiten verkörpern. Sind wir mal gespannt. 

Und so tönt Marguerite, die Nachtigall, die Mozart ermordet:

«Wolf Totem»

Zwei der Hauptdarsteller in «Wolf Totem».
© Pathé Films

Zwei der Hauptdarsteller in «Wolf Totem». 

Grossmeister Jean-Jacques Annaud («Der Name der Rose», «Seven Years in Tibet», «L’amant») schenkt uns mit «Wolf Totem» ein neues Meisterwerk und verzaubert uns mit unfassbar schönen Bildern aus der Inneren Mongolei und ihren Bewohnern, zwei- und vierbeinigen. Erzählt wird die Geschichte des Studenten Chen Zhen, der während Maos Kulturrevolution 1967 von der Stadt in die Weiten der Mongolei entsand wird, den Nomaden chinesisch beizubringen. Der junge Mann zieht heimlich einen Wolf auf, obwohl diese als Volksfeinde verfemt sind und gnadenlos abgeschossen werden. Schon mit «L’ours» und «Deux frères» hat Annaud Tierfilme der Extraklasse vorgelegt. «Wolf Totem» toppt beide. Seine Wölfe bekommen Grossaufnahmen ihrer Gesichter, wie sie sonst nur Hollywood-Stars vorbehalten sind. Und erst die Landschaftsaufnahmen! Echt grossartig. 

Traumlandschaft Innere Mongolei.
© Pathé Films

Traumlandschaft Innere Mongolei.

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