Marit Larsen im Interview von A bis Z «Ich wäre gern etwas zwischen Spiderman und Elastica»

Die 31-jährige, norwegische Popsängerin wurde mit «If a Song Could Get Me You» über Nacht zum Star. Vier Jahre nach diesem Erfolg kommt sie mit einer neuen Platte heraus. 
Marit Larsen

Die norwegische Sängerin Marit Larsen hat mit «When The Morning Comes» ihr zweites Album herausgegeben.

Am 2. Mai tritt sie an der Energy Fashion Night im Zürcher Hallenstadion auf. Wir sprachen mit ihr über salziges Caramel-Glacé, über Höhenangst und ihre Befürchtung, dass sie etwas verpasst.

A – Album
SI Style: Vier Jahren nach Ihrem letzten Album ist Ihr neues draussen. Wie fühlen Sie sich?

Marit Larsen: Ich bin begeistert, wie ich es nie zuvor war. Es fühlt sich so eigen an, nicht nur dank der Art, wie es entstanden ist, sondern auch, weil ich als Künstlerin an einem neuen Punkt stehe.
Inwiefern?
Nun, ich habe den gesamten Aufnahmeprozess nach Nashville, Tennessee, verlegt, ich habe das Album zum ersten mal selber produziert und hatte das letzte Wort. Ich spielte mit einer neuen Band. Auch wenn ich stolz bin auf alles, was ich zuvor gemacht habe, fühlt sich das hier an wie ein Neuanfang.

B – Berühmtheit
Durch «If a Song Could Get Me You» wurden Sie ein Superstar. Wie war das?
Es hat Spass gemacht. Man würde nie erwarten, dass ein so kleines Musikstück einen so grossen Erfolg nach sich ziehen kann. Im deutschsprachigen Raum spielte ich in ausverkauften Konzerthallen – es war eine grossartige Erfahrung.
Sind Sie nicht auch deshalb weggezogen, weil Sie vor Ihrer Berühmtheit flüchten wollten?
Nicht wirklich. Den grössten Druck mache immer noch ich mir selbst, ich bin meine härteste Kritikerin. Ich weiss, dass ich bis jetzt noch nicht meine beste Musik geschrieben habe.

C – Charakter
Welche Ihrer Charaktereigenschaften schätzen Ihre Freunde an Ihnen am meisten?

Ich bin sehr ehrlich. Sowohl wenn es mir gut geht als auch dann, wenn es nicht so läuft. Meine Freunde müssen auch unbedingt ehrlich sein mit mir. Einmal war ich unterwegs im Ausland und hatte eine tolle Zeit. Als ich eine Freundin anrief, merkte ich sofort, dass es ihr schlecht ging. Es machte mich fertig, dass sie mich nicht angerufen hatte. Den Song «Lean on me Lisa» habe ich für sie geschrieben.
Wie hat sie auf den Song reagiert?
Das Lied ist so etwas wie ein Vertrag zwischen uns. Jedes Mal, wenn ich es auf der Bühne singe, erinnere ich mich daran, dass ich die Nähe zu meinen Freunden aufrechterhalten möchte. Sie machen mich zu der Person, die ich bin. 

D – Duft
Ihr Lieblingsduft?

Der Duft nach Eiswaffeln. In Nashville gibt es einen Glace-Hersteller namens Jeni’s. Die beste Geschmacksrichtung ist Salty Caramel. Dieses Eis verändert Leben und könnte vermutlich Ehen retten.

E – Ego
Muss man als Musiker egoistisch sein?

Es gibt egoistische Aspekte an mir, etwa, dass ich meine Freunde und Familie verlasse, um vor Publikum aufzutreten. Ich tue das einerseits für die Fans, andererseits, weil ich es brauche. Reisen inspiriert mich.

F – Fitness
Wie halten Sie sich fit?
Es gibt so Phasen, da laufe und laufe ich, bis ich davon genug habe. Danach mache Yoga bis zum Umfallen. Aber zum Joggen finde ich immer wieder zurück, es ist gut für den Kopf.

G – Geld
Wofür geben Sie zu viel Geld aus? 

Ich bin ein Apple-Junky und kaufe mir die neusten Geräte, bevor das alte kaputt ist. Danach habe ich ein schlechtes Gewissen gegenüber der Umwelt. Ausserdem gebe ich viel Geld aus für Essen, dafür kann man jedoch nicht zu viel ausgeben. Ich liebe es, die lokale Küche auszuprobieren, wenn ich unterwegs bin. Das komplettiert die Erfahrung an einem fremden Ort. 
Essen Sie vegetarisch?
Während fünf Jahren ernährte ich mich tatsächlich vegetarisch. Jetzt achte ich darauf, dass das Fleisch aus artgerechter Haltung kommt.

H – Humor
Was ist Ihnen bei einem Mann wichtiger: Humor oder gutes Aussehen?

Wenn jemand lustig ist, macht ihn das automatisch attraktiv. Humor ist eine Gabe. Ich habe zum Glück ein paar Leute, die ich nur anzurufen brauche und die mich zuverlässig zum Lachen bringen.

I – Inspiration
Wo holen Sie sich Ihre Inspiration her?

Aus meinem Leben, Beziehungen, Büchern und möglichst nicht von anderen Liedern.

J – Jacht oder Jagdhütte? 
Was würden Sie wählen?

Jagdhütte. Ich bin auf dem Land aufgewachsen. Ich weiss zwar nicht, ob ich wirklich jagen gehen würde. Aber das wäre eigentlich der richtige Weg, Fleisch zu konsumieren.

K – Konzert
Ihr schönstes Konzert?

Das ist unmöglich zu beantworten, ich hatte so viele unvergessliche. Als ich aber kürzlich meine Lieblingskonzerthalle in Norwegen ausverkaufen konnte, ging ein Traum von mir in Erfüllung.

L – Liebe
Glauben Sie an Liebe auf den ersten Blick? 

Nein, aber ich glaube an Hormone auf den ersten Blick – und weiss, dass das eine sehr mächtige Sache ist.
Sind Sie verliebt?
Ja.

Marit Larsen

Sie glaubt nicht an die Liebe, sondern an Hormone auf den ersten Blick.

M – Mut
Was war das Mutigste, was Sie je getan haben?
Dass ich mein Hobby in meinen Beruf verwandelt habe. Heute fühlt es sich zwar schon natürlicher an, aber es braucht schon Mut, in einem Raum voller Leute die einzige zu sein, die in die andere Richtung schaut. Mut braucht es ausserdem, sich selbst treu zu bleiben. Es ist ein Klischee, aber es ist einfach, der Menge zu folgen. Nein zu sagen, wenn man nicht einverstanden ist, ist schwierig. Mit dem Alter geht es besser.

N – Norwegen versus Nashville
Norwegen ist Ihr Heimatland. Sie leben aber derzeit in Nashville. Was ist der grösste Unterschied?
Nach Nashville kam ich als Erwachsene. In Oslo verbrachte ich die meiste Zeit meines Lebens, jede Ecke hat eine Geschichte. Ich werden vermutlich nicht ewig in Nashville bleiben.

O – Optimismus
Sind Sie eine Optimistin oder Pessimistin?
Ich bin eine Optimistin und arbeite daran, mehr Realistin zu werden. Denn ich bin etwas zu optimistisch, wenn es um Zeitmanagement oder um Packen geht. 

P – Plan B
Wären Sie nicht Musikerin geworden, was wären Sie vermutlich dann?
Ich würde irgendetwas mit Sprachen oder Literatur machen. Vielleicht wäre ich Lehrerin geworden.

Q – Qual
Worunter leiden Sie? 

Unehrlichkeit. Am falschen Ort zur falschen Zeit zu sein. Ich verpasse gerade so einiges: Meine Freunde heiraten, sie kriegen Kinder. Ich möchte diese Dinge auch, einfach noch nicht jetzt.

R – Reisen
Wohin führte Ihre schönste Reise?
Vor einem halben Jahr ging ich in Norwegens Bergen wandern. Auf den steilen Pfaden muss man sich ganz auf seine Tritte konzentrieren und alles andere aus dem Kopf streichen.

S – Shopping
Auf welche Kleidermarken stehen Sie? 
Ich tendiere dazu, immer dieselben Labels zu kaufen: APC, Acne, Wood Wood, Maison Kistuné. Ich bin klein, ich brauche Dinge, die schmal geschnitten sind, aber nicht zu feminin. Ich mag es, einen maskulinen Touch reinzubringen.

Kaufen Sie auch online ein?
Nicht mehr so viel, denn da ich oft nicht zuhause bin, herrscht in meinem Briefkasten ein Chaos.

T – Traum
Haben Sie einen wiederkehrenden Traum?
Neuerdings habe ich diese Albträume beim Reisen. Im Flugzeug schlafe ich meistens gleich ein, aber die letzten paar Mal erwachte ich, weil ich träumte, wir stürzen ab. Schrecklich.

U – Ungeduld
Wann werden Sie ungeduldig?
Wenn ich Songs schreibe, denn es ist ein sehr langsamer Prozess. Und wenn ich merke, dass ich wieder zu spät komme. Ich bin chronisch um drei Minuten verspätet, weil wieder etwas länger gedauert hat, als erwartet. Andere warten zu lassen ist respektlos.

V – Vorbild
Ihr grösstes musikalisches Vorbild?
Joni Mitchell ist meine immerwährende, grösste Inspiration. Gerade erst war ich an einem Konzert von Blake Mills. Er ist bekannt, weil er die Sängerin Danielle Haim dated. Dieses Konzert hat mein Leben ein wenig verändert. Er hat mich umgehauen!
Haben Sie es ihm nach dem Konzert gesagt?
Nein! Ich konnte nicht, er ist ein Superstar für mich.

W – When The Morning Comes
Was bedeutet Ihnen der Song, der Ihrem neuen Album den Titel gab?
Auch wenn ich ihn vor 200 Leuten performe, kommt es mir vor, als würde ich ihn nur für mich singen. Es geht um die Essenz des Lebens, darum, was wirklich wichtig sein sollte.

X – X-Beine
Haben Sie einen Schönheitsmakel, der Sie stört?
Als Jugendliche war ich wütend auf meine Mutter, weil sie mir keine Zahnspange bezahlte. Sie meinte, das sei meine Persönlichkeit. Sie hatte recht, mein Lachen ist charakteristisch. Ich bin froh, habe ich an meiner Zahnstellung nichts verändert.

Y – Youtube
Was möchten Sie nie in einem Youtube-Film von Ihnen sehen?
Da gibt es schon so viel zu sehen! Die letzten zwanzig Jahren meines Lebens sind im Netz dokumentiert. Als Teenager versucht man verschiedene Stile aus, bis man sich findet. Damit muss man sich aussöhnen. Ich bin zum Glück ziemlich gut darin, mein Privatleben privat zu halten.

Z – Ziele
Was möchten Sie unbedingt erreichen?
Ich dachte schon, Sie fragen nach Z wie Zoro: Welche Superkräfte hätten Sie gern?
Bitte sehr. Welche denn?
Ich wäre gern etwas zwischen Spiderman und Elastica. Weil es lustig aussehen würde, weil ich dann keine Höhenangst hätte. Und sehr schnell von einem Ort zum andern gelangen könnte.
Und Ihre Ziele?
Ich würde gerne andere Bands produzieren und meine eigene häufiger mitnehmen, denn oft bin ich allein unterwegs. Mehr Gutes für die Gesellschaft leisten. Als Norwegerin bin ich privilegiert, aber unserem Land geht es nur so gut, weil irgendwann Erdöl gefunden wurde. Andere hatten weniger Glück.

Marit Larsen

Marit Larsen haderte als Kind damit, dass ihre Mutter ihr keine Zahnspange erlaubte. Heute ist sie froh um ihr charakteristisches Lachen.

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