Mighty Oaks «Drei kleine Niemands, die zusammen Grosses erreichen wollen»

Wenn ein Amerikaner, ein Italiener und ein Brite sich in Hamburg kennenlernen und beschliessen, eine Band zu gründen, hart zu arbeiten und nie aufzuhören sich die Hände schmutzig zu machen, dann entsteht Grosses. Sehr Grosses. The Mighty Oaks, halt. Am Samstag spielen sie am Gurtenfestival in Bern. Uns haben die drei Jungs im Vorfeld erzählt, wer sie sind, was ihnen wichtig ist - und wann sie in Frieden sterben können.
Mighty Oaks
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Ian Hooper (USA), Claudio Donzelli (ITA) und Craig Saunders (GBR) sind Mighty Oaks

Als Ian, Claudio und Craig für das Studium nach Deutschland zogen war Musik nur ein Hobby und die drei füreinander Unbekannte. Was dann erstmals als Abendbeschäftigung anfing, entwickelte sich bald zum Erfolgsprojekt. Ende Februar 2014 veröffentlichten sie ihr Debütalbum «Howl», schossen auf Anhieb in die Top Ten der Deutschen Albumcharts und touren seither non-stop durch Europa und die USA. Für SI Style hat sich das sympathische Trio eine kurze Auszeit genommen. Da sitzen sie nun, im Schneidersitz in riesigen Lounge-Stühlen und trinken - Kräutertee.

SI Style: Hier sind wir nun also mit den Mighty Oaks. Darf man fragen, wie es zu dem Bandnamen kam?
Ian: Das war ganz zu Anfang, als wir Musik in unserem Wohnzimmer aufnahmen und danach auf Soundcloud stellten. Auf der Suche nach einem Namen stiess Claudio auf das englische Sprichwort «Mighty Oaks from little Acorns grow» und wir fanden das irgendwie passend: Drei kleine Niemands, die sich zusammentun und gemeinsam hoffentlich Grosses erreichen.

In euren Liedern und Videos spürt man eine starke Liebe zur Natur, ihr drei lebt zurzeit aber in der Grossstadt Berlin. Gefällt es euch da überhaupt?
Craig: Oh ja! Wir sind alle drei auf dem Land aufgewachsen und lieben es, jetzt in einer Stadt zu wohnen. Berlin ist voller Energie und Kreativität und besonders zum jetzigen Zeitpunkt in unserer Karriere ist es gut, da zu sein, wo das Leben spielt.
Ian: Zurück in den Wald können wir ja immer noch, wenn wir alte Männer am Gehstock sind! Für den Moment geniessen wir unsere Zeit in Berlin, die verschiedenen Sprachen, Kulturen und das Essen.

MIGHTY OAKS
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Wo wir schon beim Thema sind: Ian ist Amerikaner, Claudio Italiener und Craig Brite. Machen eure verschiedenen Kulturen die Zusammenarbeit mitunter schwierig?
Ian: Also ich bin sicher manchmal etwas zu direkt, denke ich ... Amerikaner eben! Unsere verschiedenen Nationalitäten sind aber auch ein Eisbrecher. Die Leute wollen wissen, wer wir sind, wie und wo wir uns kennengelernt haben. Das öffnet schon Türen, denke ich.
Claudio: Überhaupt hat unser Publikum immer extrem positiv auf uns reagiert, vor allem in Deutschland. Die Deutschen lieben Musik, sind sehr respektvoll und geben dir als Band immer eine Chance.
Ian: Es hilft sicher auch, dass ich auf der Bühne oft Deutsch spreche. Das räumt die Sprachbarriere gleich mal aus dem Weg.

Auf eurer letztjährigen Tour habt ihr ein tolles kleines Doku-Video aufgenommen, das zeigt, wir ihr drei in eurem kleinen Van durch Deutschland zieht.
Claudio: Also das war eigentlich ein riiiiiesiger Van! (Alle lachen)

Also gut: Wie ihr in eurem gigantisch grossen Van durch Deutschland zieht. Dabei sieht man immer wieder, wie ihr Bühnenmaterial herumschleppt, alles aufbaut, abräumt. Jetzt wo ihr immer bekannter werdet, hat sich das geändert?
Ian: Es fällt uns ehrlich gesagt schwer, Verantwortung aus der Hand zu geben. Mitanzupacken, uns die Hände schmutzig zu machen, das ist einfach wer wir sind. Gut, ein Nightliner mit Chauffeur wär schon toll. Dann
bekämen wir wenigstens mal etwas Schlaf.

Craig: Uns ist es extrem wichtig, bescheiden zu bleiben und nicht plötzlich in Grössenwahn zu verfallen. So wissen wir es auch mehr zu schätzen, wenn uns dann mal jemand was abnimmt.
Claudio: Wenn du aus eigener Erfahrung weisst, wie viel Arbeit hinter so einer Tour steckt, dann hilft dir das auch, auf dem Boden zu bleiben.

Dann ist es euch auch wichtig, weiterhin in kleinen Lokalen spielen zu dürfen – ab und zu zumindest?
Craig: Absolut! Wir mögen die Mischung von kleinen Bars, grossen Arenas und Festivals. 
Ian: Wir haben einen tollen Booker, der zwar genau weiss, in welche Richtung er unsere Band entwickeln möchte, dabei aber unsere persönlichen Vorlieben nie ausser Acht lässt. Er kennt unseren Geschmack und weiss, was uns zum Beispiel in Sachen Lokalität wichtig ist.

Wie läuft das eigentlich mit dem Songwriting bei euch?
Ian: Normalerweise schreibe ich eine Grundmelodie, ein paar Gitarrenakkorde, spiele die den Jungs vor und dann entwickeln wir das Lied zusammen weiter. Das ist also alles Teamwork.

Mighty Oaks Lukas Mäder
© LUKAS MÄDER

Könntet ihr euch vorstellen, eure Songs irgendwann nicht mehr selber zu schreiben?
Ian: Nicht wirklich. Wir alle haben den Kopf voller Ideen und müssen keine Angst haben, dass uns plötzlich der Stoff ausgeht. Wobei, wenn eines Tages Pharrell an meiner Türe steht und mich fragt, ob ich einen seiner Songs singen möchte, dann würde ich mich vielleicht erweichen lassen ... (Alle lachen)

Und bei euren Texten, was ist euch da wichtig?
Ian: Alle unsere Lieder handeln von menschlichen Grundemotionen: Freundschaft, Familie, Liebe, Wanderlust, der Tod meiner Mutter. Worüber ich sicherlich nie singen werde ist, wie ich in einen Club marschiere, mir die Lampe fülle und irgendeine Frau nach Hause schleppe.

Nun ja, wenn du mit Pharrell singst, dann vielleicht schon!
Ian: (Lacht) Da würde ich eine Ausnahme machen! Aber im Ernst, wir drei sind seit Urzeiten befreundet, sind so präsent im Leben der anderen, ganz egal mit welcher Geschichte ich antanze, die anderen können sich immer irgendwie damit identifizieren.
Craig: Wir denken dann so «Ja klar Mann, das war DIESE Geschichte»!

MIGHTY OAKS
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Dann verbringt ihr auch eure Freizeit gemeinsam?
Ian: Also die einzigen Ferien, die wir letztes Jahr hatten, haben wir zusammen verbracht, ja.
Claudio: Ian und ich sind sogar die Patenonkel von Craigs Kindern.
Ian: Wir leben ja alle weit weg von unseren Familien und alten Freunden und sind inzwischen selber eine Art Familie geworden. Mit unserem derzeitigen Lebensstil ist es schwierig, lose Freundschaften aufrechtzuerhalten. Dann kommst du irgendwann mal wieder zurück nach Berlin, rufst einen alten Kumpel an und sagst so «Hey Alter, lass uns was trinken gehen! Wir haben uns zwar 2 Jahre nicht gesehen... Aber hey, ich steh immer noch auf Whiskey!»
Craig: Es ist ausserdem schön mal Zeit zusammen zu verbringen und nicht über Musik reden zu müssen.
Ian: Das ist das Gute an Craigs Kids. Wenn dir so ein kleiner Bengel am Hosenbein zerrt, dann diskutierst du nicht über dein letztes Konzert, was gut lieft und was nicht. Nein, du schnappst dir den Knirps und wirbelst ihn durch die Luft.

MIGHTY OAKS
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Das hilft sicher auch, nicht die Bodenhaftung zu verlieren.
Claudio: Eindeutig, ja. Das Alter hilft aber sicher auch.
Ian: Wir sind keine Kinder mehr, sind reif genug, mit dem Erfolg umzugehen. Ich meine, schau dir den armen Justin Biber an. Der Ruhm kam bevor er wusste, wer er überhaupt ist. Da haben wir es besser. Wir arbeiten hart und wissen alles extrem zu schätzen. 
Claudio: Als Vorgruppe von Bands wie den Shout Out Louds oder The Lumineers touren zu dürfen hat sicherlich sehr geholfen. Die waren so herzlich und bescheiden, richtig tolle Vorbilder. Und überhaupt, wer sich wie eine Diva aufführt hat doch keinen Spass im Leben! Da macht man sich nur unglücklich.

Grund zum unglücklich sein habt ihr drei momentan ja wirklich keinen. Im Februar wurde euer Debüt-Album «Howl» veröffentlicht. Habt ihr ein geheimes Lieblingslied?
Ian: Also ich liebe «7 Days»...
Craig: Mein Favorit ist «Howl». Ich weiss nicht, was es ist, aber da stimmt irgendwie einfach alles.
Claudio: Ich liebe «Shells». Und «Brother», unsere erste Single.

«Brother» sing ich ja ehrlich gesagt seit gut vier Tagen dauernd vor mich hin...
Craig: Oh, wirklich? Ich hoffe, das ist ein gutes Zeichen?! (Alle lachen)

Klar doch! Wobei, ich sollte wohl langsam aufhören, bevor ich noch allen auf die Nerven gehe. Aber sagt mal, bevor ich euch ziehen lassen muss: Habt ihr einen Traum, den ihr euch als Musiker unbedingt noch erfüllen möchtet?
Ian: Also meine Träume ändern sich da ständig. Ich erinnere mich noch, ganz am Anfang in Hamburg, da dachte ich «Oh Mann, wenn ich bloss mal im Knust spielen könnte...». Das ist ziemlich schnell passiert. Dann zogen wir nach Berlin und ich hab gedacht «Stell dir mal vor, wir könnten im Lido auftreten...» und dann spielten wir im Lido. Aber es gibt da einen Ort genannt «Gorge Amphitheatre» in der Nähe meines Heimatdorfs, ein riesiges Outdoor-Areal mit Blick über den Colombio River, wo die Sonne direkt hinter der Bühne untergeht. Wenn wir da spielten könnten...
Craig: ...dann könntest du in Frieden sterben!
Ian: ...dann könnte ich in Frieden sterben!

MIGHTY OAKS LUKAS MÄDER
© LUKAS MÄDER

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Mighty Oaks spielen diesen Samstag, 19. Juli, gleich 2 Shows: Am Nachmittag am Gurten Festival in Bern und danach am Jazz Festival Montreux
Weitere Konzertdaten finden Sie direkt auf mightyoaksmusic.com

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Der Zürcher Fotograf Lukas Maeder, 27, fotografiert für Kunden wie DIE ZEIT, GQ, The Fifa Weekly oder The Red Bulletin. Inhaltlich hat er sich der Welt der Portraits und der Musik verschrieben. Seit 2014 ist Lukas Tour-Fotograf von Mighty Oaks.
lukasmaeder.ch

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