Buchtipp «Deutscher Meister» Ring frei für die Sieger

Der Roman über den Aufstieg des Boxers Johann Trollmann brachte der Autorin Stephanie Bart letzte Woche den Rheingau Literatur-Preis ein, sie gewann 11'111 Euro und 111 Flaschen Rheingauer Wein. Und ihr grossartiges Buch gewinnt hoffentlich dadurch die Aufmerksamkeit, die es verdient!
Stephanie Bart: «Deutscher Meister», Hoffmann und Campe
© Hoffmann und Campe

Stephanie Bart: Deutscher Meister

Der Wahl-Berliner Boxer Johann Trollmann ist ein Bilderbuch-Athlet: Er verfügt über enormes Talent und viel Humor, er hat Entertainer-Qualitäten, Charisma und Sex appeal. All das macht ihn zum Publikumsliebling und zum haushohen Favorit im Kampf um den deutschen Meistertitel. Zweierlei steht Trollmanns Karriere allerdings im Weg: der Zeitgeist des Jahres 1933 und seine Herkunft: Trollmann ist Sinto. Der Führer, der den Faustkampf liebt und fördert, wäre ausser sich vor Zorn, wenn ein Zigeuner den Titel gewinnen würde. Die Sport-Funktionäre, allesamt stramme Nazis, versuchen nun mit allen Mitteln Trollmanns Sieg zu verhindern. 

Stephanie Bart, 49, beschreibt die Kämpfe im Ring und die hinter den Kulissen mit einer Präzision und Empathie, die einen in den Bann schlägt. Am Beispiel des Ausnahme-Boxers zeigt die Autorin die Machenschaftes und Mauscheleien einer aufstrebenden Diktatur auf und schildert in fast schmerzhafter Unmittelbarkeit das Geschehen im Ring. Seit Joyce Carol Oates hat niemand, schon gar keine Frau,  mehr so packend und kenntnissreich übers Boxen erzählt. K. o. geht man als Leser übrigens erst im Vier-Zeilen-Epilog, wo man erfährt, dass Trollmann 1944 im KZ Wittenberge ermordet wurde.

Auch interessant