Kinotipps: «Still Alice» und «Focus» Schluchzen oder schmunzeln

Bitterer Ernst: In «Still Alice» brilliert Julianne Moore als Alzheimer-Patientin. Ihre oscar-gekürte Leistung muss man gesehen haben! Wer mehr Lust hat auf heiteren Nonsense und Action, halte sich an die Gaunerkomödie «Focus». 
Alice (Julianne Moore) erfährt, dass sie Alzheimer hat.
© frenetic films

«Still Alice»

Dem Ehepaar Alice (Julianne Moore) und John (Alec Baldwin) läuft die Zeit davon.
© frenetic films

Dem Ehepaar Alice (Julianne Moore) und John (Alec Baldwin) läuft die Zeit davon.

«Warum ich?» - die grosse Frage aller, die mit der Diagnose einer schweren Krankheit konfrontiert sind. An dieser Frage verzweifelt auch die schöne, kluge Alice, als sie von ihrer Alzheimer-Krankheit erfährt. Sie ist doch erst 50, also eigentlich viel zu jung für Demenz. Mit dem allmählichen Verlust von Sprache wird ihr ausgerechnet das genommen, was ihr ganzes Berufsleben ausmachte. Als Linguistik-Profressorin beschäftigte sie sich zeitlebens mit der Frage, wie der Mensch Sprache erwirbt. Und mit der Sprache verschwinden die Erinnerungen, also alles das, was uns als Individuen ausmacht. Eine Horrorvorstellung! Warum sollten wir uns das im Kino antun? Tja, weil es uns alle selber oder im Umfeld treffen kann. Früher oder später. Und weil Julianne Moore als Alzheimer-Patientin die Vorstellung ihres Leben ablieferte. Der Oscar als beste Hauptdarstellerin ging letzte Woche hochverdient an sie, trotz ernstzunehmender Konkurrenz. Julianne Moore gibt die souveräne Intellektuelle ebenso glaubhaft wie das Häufchen Elend ohne Erinnerung und alle Stadien dazwischen. Mit subtiler Mimik lässt sie uns an der Kampfbereitschaft, der Angst, der Wut und der Hoffnung teilnehmen, die Alzheimer-Patienten auf ihrem Weg ins Vergessen begleiten. Mehr über den Film und die grossartige Julianne Moore lesen Sie in der nächsten Ausgabe von SI Style, die am 19. März erscheint. «Still Alice»: ab 5. März im Kino.

«Focus»

Gauner unter sich: Altmeister Nicky (Will Smith) mit Lehrling Jess (Margot Robbie).
© © 2015 Warner Bros.

Gauner unter sich: Altmeister Nicky (Will Smith) mit Lehrling Jess (Margot Robbie).

Unbeschwertes, problemfreies Filmvergnügen bietet die Gaunerkomödie «Focus», mit der sich Will Smith zurückmeldet.  Der «Men in Black»-Star hat sich gut gehalten. Dass die schöne Margot Robbie («Wolf of Wall Street») voll auf den coolen Kerl abfährt ist verständlich. Smith gibt den routinierten Trickbetrüger Nicky, Mastermind eines grossen Rings von Gaunern, die hübsche Blondine Margot Robbie Jess, Volontärin im kriminellen Fach. Mit Taschenspielerei gibt sich die Gang nicht ab, sie planen nur grosse, lukrative Coups. Dabei versuchen alle, die andern zu bescheissen - zu unser aller Vergnügen. Die Komödie schrieben und dirigierten Glenn Ficarra und John Requa. Ganz so bissig-böse und schräg wie deren «Bad Santa», «Crazy, Stupid, Love.» oder «I Love You, Phillip Morris» ist «Focus» nicht, aber wer auf Popcorn-Kino mit viel Action und einer Prise Erotik steht, ist hier im richtigen Film. «Focus»: ab 5. März im Kino.

Lange Beine, lange Mähne, lange Finger: Margot Robbie als Trickdiebin Jess.
© © 2015 Warner Bros.

Lange Beine, lange Mähne, lange Finger: Margot Robbie als Trickdiebin Jess.

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