A Personal Note From The Districts «Im Moment ist alles noch viel zu aufregend»

Mit ihrem Zweitling «A Flourish And A Spoil» hat die energiegeladene junge US-Rockband The Districts im Frühjahr zwei, drei Ausrufezeichen in die Musikwelt gesetzt – und sich einen Platz im Line Up der grössten europäischen Festivals erspielt. Vor ihrem Auftritt am Openair St. Gallen sprachen wir mit Bassist Connor Jacobus und Schlagzeuger Braden Lawrence – beide 21 – über Kleinstadtödnis, Grossstadtgestank und Erfolgsdruck.
The Districts
© Lukas Maeder

Drei von vier «The Districts» beim Open Air in St. Gallen, aufgenommen von Lukas Maeder.

SI Style: Ihr habt einen Song namens «Suburban Smell». Wie riecht euer Heimatort Lititz im Bundesstaat Pennsylvania?
Connor Jacobus: Nach Amischen.
Braden Lawrence: Ja, in der Gegend wohnen ziemlich viele Amische und die duften sehr natürlich. Ausserdem riecht’s nach Schokolade und Bretzeln. Beides wird in Lititz hergestellt. Und nach Pferdescheisse.
Connor: Ehrlich gesagt roch es auf dem Weg hier nach St. Gallen ein bisschen wie in unserer Heimatstadt. Ich glaube, da war jemand am Düngen.

Kann man – wie es im Song heisst – von diesem Geruch betrunken werden?
Braden: Ja. Das bedeutet ganz einfach, dass man die Schnauze davon gestrichen voll hat.

Ist das denn keine schöne Gegend?
Connor: Doch, sehr schön. Viele Bauernhöfe, viele Tabakfelder, viele Weiden, viele Pferde. Schön und öde. Auch Lancaster City, die nächste grössere Stadt, hat nur knapp 100'000 Einwohner. Völlig tote Hose.

Seit einer Weile wohnt ihr in Philadelphia. Wie riecht es dort?
Braden: Nach Abfall.
Connor: Nach zerbrochenen Bierflaschen.
Braden: Und nach chinesischem Essen und Schweissfüssen.

Philadelphia ist eine Musikstadt. Früher der Soul von Gamble & Huff, heute Bands wie The Roots, Dr. Dog, Kurt Vile, War On Drugs, Mad Men oder Hop Along. Seid ihr Teil der dortigen Szene?
Connor: Nein, dafür sind wir noch zu kurz in der Stadt. Ausserdem ist unser Sound da nicht genau zuzuordnen. Aber wir haben Kontakt zu Vertretern verschiedener Szenen. 

Ihr habt einen Song namens «Hounds», der davon handelt, Hunde im Kopf zu haben. Wie ist das so?
Connor: Sehr problematisch.

Heisst?
Connor: Na ja, in dem Song geht es um Leute mit Angstzuständen. In deren Kopf ist der Teufel los. 

Euer Sound hat eine rebellische Note. Seid ihr Rebellen?
Braden: Nicht wirklich. Wir hatten einfach keinen Bock aufs College zu gehen und danach ein normales Leben zu führen. Wir sind Nonkonformisten.
Connor: Ja, aber nicht in dem Sinn, dass wir Scheisse bauen und Sachen zerstören.
Braden: Nur manchmal. Ich glaube, mittlerweile sind wir soweit, dass wir einen guten Grund brauchen, um zu rebellieren.

The Districts
© Lukas Maeder

«Ich glaube, mittlerweile sind wir soweit, dass wir einen guten Grund brauchen, um zu rebellieren.»

Seid ihr politisch engagiert?
Connor: Mehr und mehr, würde ich sagen. Das ländliche Pennsylvania ist sehr konservativ. Wir haben uns vorgenommen, politisch aktiver zu werden. Gerade läuft ja der US-Wahlkampf richtig an.

Werdet ihr Hillary wählen?
Braden: Nein, wir hoffen auf Bernie Sanders.
Connor: Ja, mal sehen, ob er’s schafft.

Gestern wart ihr in Glastonbury, heute in St. Gallen – und das mit gerade mal 21 Jahren. Wie fühlt sich das an?
Connor: Ziemlich schräg.
Braden: Wie pures Glück.

Fühlt ihr schon den Druck bezüglich des zweiten Albums?
Braden: «A Flourish And A Spoil», unser letztes Album, ist erst im Februar erschienen. Zum Glück erwartet niemand gleich einen Nachfolger.
Connor: Im Moment ist alles noch viel zu aufregend, um Druck zu verspüren.
Braden: 
Ja, aber wir müssen uns langsam Gedanken dazu machen.

Welches ist der beste Ratschlag, den ihr von euren Eltern mit auf den Weg bekommen habt?
Braden: Scheisse, das ist mir zu heikel. Ich will nicht, dass meine Mutter das hier liest und ich dann was zu hören kriege. Ich kann mir genau vorstellen, wie sie sagt: «Wirklich Braden? DAS hast du von Zuhause mitgenommen?» (lacht)
Connor: Meine Eltern haben mich gelehrt, respektvoll mit meinen Mitmenschen umzugehen und Verantwortung zu übernehmen. Das finde ich schon recht wichtig.

A Personal Note From The Districts
© Lukas Maeder

Die Garderobe von The Districts am diesjährigen Open Air St.Gallen.

Welches war der glamouröseste Moment in der Karriere von The Districts?
Braden: Ein Abendessen in einem sauteuren Laden in Denver. Unser Gitarrist ist befreundet mit dem Koch dort. Der tischte uns ein galaktisches 12-Gänge-Menü auf, gratis und franko.

Und der unglamouröseste Moment?
Connor: Puh, da gibt’s Tausende. Wahrscheinlich eine Nacht in einem dieser beschissenen Motels in den Staaten, in denen wir regelmässig übernachten.
Braden: 
Oder der letzte Tag am Bonnaroo Festival. Nach drei Tagen im Van – viel Alkohol, keine Dusche, keine frischen Kleider, keine neuen Kontaktlinsen – waren wir ziemlich am Ende.

Der modische Höhepunkt eurer bisherigen Karriere?
Braden: Ein Fotoshooting für Farah Vintage in London. Unsere erste Berührung mit der Modewelt. Komische Erfahrung. Sorry Farah, aber das Shirt hat mir überhaupt nicht gefallen.

Welches ist euer Lieblingsmoment an einem Districts-Konzert?
Braden: Kurz vor Schluss, wenn wir den Song «Young Blood» spielen.
Connor: Ja, entweder das Publikum ist dann voll dabei oder wir haben völlig versagt.

Und zum Schluss: Was ist eure letzte musikalische Entdeckung?
Connor: Wir haben vor kurzem eine Band namens Weaves gesehen, die uns beeindruckt hat. Richtig guter Sound, richtig gute Musiker. Ich glaube, sie kommen aus Kanada. 

A Personal Note From The Districts

«A Personal Note From The Districts»: Always keep your Butter cold. Ok, machen wir!

Im Dossier: Alle «A Personal Note From» Interviews. 

Die Interviewserie «A Personal Note From ...» ist ein Gemeinschaftswerk von Journalist Adrian Schräder und Fotograf Lukas Mäder. Im 2-Wochen-Rhythmus treffen sie dafür kreative Menschen aus den verschiedensten Bereichen. Den Abschluss jedes Gespräches bildet die «Personal Note»: Auf einem weissen Papier halten die Interviewten einen Gedanken handschriftlich fest.

Auch interessant