Buchtipp «Rechnung über meine Dukaten» Thomas Meyers zweiter Streich

Der Spass, Thomas Meyer zu lesen, wird noch übertroffen vom Riesenspass, Thomas Meyer live zu hören. Unser «Anstands»-Kolumnist ist auf Lesetour mit seinem neuen Roman «Rechnung über meine Dukaten». Nix wie hin und Ohren auf!
Thomas Meyer: «Rechnung über meine Dukaten», Salis
© Salis Verlag

Thomas Meyers «Rechnung über meine Dukaten»

«Eine Geschichte über einen Geizhals ist langweilig. Eine Geschichte über einen Geizhals, der Riesen sammelt, ist viel ergiebiger und lustiger», meint der Zürcher Texter, Reporter und Kolumnist Thomas Meyer, 40, über das Thema seines neuen Romans. Viele seiner Fans hatten eine Fortsetzung des Erfolgs-Erstlings «Wolkenbruchs abenteuerliche Reise in die Arme einer Schickse» erwartet, aber Meyer ist nicht der Typ, der Erwartungen erfüllt. Viel lieber übertrifft er sie. Dies ist ihm mit seinem Zweitling «Rechnung über meine Dukaten» (wiederum beim Salis Verlag erschienen) aufs Trefflichste gelungen. 

Meyer nimmt uns mit auf eine Zeitreise zurück ins Jahr 1716 an den Hof des preussischen Königs Friedrich Wilhelm I.  Dieser ist - anders als sein Vater, der zwanzig Millionen Reichstaler Schulden hinterlassen hatte - ein Sparstrumpf und Knauserer. Er trägt zum Arbeiten Ärmelschoner und Schürzen, um seine Kleidung zu schützen. Von den zwei Dutzend Schlössern, die er geerbt hat, verkauft er die meisten, er vermünzt das Tafelsilber und streicht repräsentative Spässe wie Opern, Maskeraden, Ballette und Konzerte. Nur für seine Armee, seine Garde, reut ihn keine Dukaten. Mit viel Geld und List lässt er in ganz Europa grosse Männer aufspüren, einfangen und an seinen Hof bringen, wo die langen Kerls gedrillt werden. Wer nicht freiwillig in den Dienst von Friedrich Wilhelm I. eintritt, wird kurzerhand zwangsrekrutiert. So auch der grossgewachsene Sache Gerlach, den des Königs Häscher vom Melkschemel weg verschleppen. Wie es dem langen Gerlach und seine Spiessgesellen, Betje Jacobs, einer Wuchtbrumme von Bäckerstochter und einzelnen Höflingen unter der Fuchtel des pummeligen, bleichen Regenten mit Hygiene-Tick und Hang zur Hypochondrie ergeht, schildert Meyer mit Verve und Humor, historisch korrekt und sprachlich herrlich gespreizt im Stile des höfischen Duktus. Wahrlich ein Riesen-Vergnügen! 

Wann und wo Herr Meyer jetzt live liest, erfahren Sie hier. Was Meyer zum Thema Manieren zu sagen hat, lesen Sie jeden Monat in der SI Style.

Auch interessant