Zeitgeist Till Brönner, Musiker

Seine Jazz-Trompete lässt uns träumen. Seine Stimme hat den Schmelz eines echten Frauenverstehers. 
Till Brönner
© Elisabeth Moch

Till Brönner

SI Style: Wie viele Stunden 
am Tag spielen Sie auf Ihrer Trompete?
Till Brönner: Mindestens zwei. An Konzerttagen werden locker fünf daraus. Mit 
Musik beschäftige ich mich fast 24 Stunden. Ich träume sogar von ihr.

Bleibt Platz für anderes?
Ich bin ein leidenschaftlicher Fotograf.

Welchen Rhythmus haben Ihre Tage?
Ich brauche gleich nach dem Aufstehen ein reichhaltiges Frühstück. Dann beginnt der Pflichtteil: Yoga und Atemübungen, danach das Üben mit meiner Trompete.

Wo leben Sie?
In Los Angeles und Berlin, meiner Heimat.

Ihr erster Konzertauftritt?
1982 mit der Schul-Big-Band in Bonn.

Wie hoch war Ihr erster Stundenlohn?
20 Mark für einen Sankt-Martins-Umzug.

Was ist Ihre früheste Erinnerung?
Ein Krankenhaus mit nicht sehr freund­lichen Kinderschwestern.

Was ist am längsten in Ihrem Besitz?
Meine erste Trompete. Die habe ich in der Tat immer noch.

Ihr persönlicher Evergreen?
«Just Friends», gespielt von Charlie Parker.

Ihre längste Liebe?
Dauerte acht Jahre und war wichtig.

Ihre schnellste Eroberung?
Ein Hundemädchen. Wir haben sofort 
zu schmusen angefangen. 

In welcher Epoche hätten Sie gern 
gelebt, wenn nicht heute?
Ein, zwei Tage im alten Rom.

Mit wem würden Sie gern einen Tag 
verbringen?
Mit Sepp Blatter. Ich bin neugierig.

Und eine Nacht?
Mit meinen Freunden. Bis zum Morgengrauen erzählen und trinken.

Verwenden Sie Anti-Aging-Produkte? 
Zählt Feuchtigkeitscreme fürs Gesicht?

Was schätzen Sie an unserer Zeit?
Wir haben schneller Zugriff auf Informationen und Waren, sparen dadurch Zeit.

Woran krankt unsere Zeit?
Wir missverstehen, wie wichtig Kultur, Gespräche und Mussestunden für unser gesellschaftliches Gleichgewicht sind. Solche Werte helfen seit Jahrtausenden gegen Krieg, Intoleranz, Inhumanität. Doch wir kürzen zusehends die Budgets.

Wann vergessen Sie Ihre Manieren?
Viel zu selten, wenn ich ehrlich bin.

Sind Sie ein pünktlicher Mensch?
Ja.

Was schieben Sie auf die lange Bank?
Administration – eine Künstlerkrankheit.

Woran arbeiten Sie gerade?
Am neuen Album und an der Gründung eines Zentrums für Jazz in Berlin.

Was kann ein Musiker mit dem Alter immer besser, was verlernt er? 
Situationen und ihre mögliche Brisanz besser einschätzen. Mit schwindender Naivität tritt aber auch grössere Verwundbarkeit zutage.

Was möchten Sie noch erreichen? 
Ich führe keine Strichliste. Ich weiss meist erst, wenn ich schon mittendrin bin, 
dass ich das immer mal machen wollte.

Kann Musik Leben retten?
Meines hat sie schon mehrmals gerettet, das können Sie mir glauben.

Till Brönner, 44, war schon als kind ein Talent an der Trompete. Sein erstes Soloalbum 
erschien 1993. Er erhielt drei Mal den Echo-Preis und war für den Grammy nominiert. 
Am 31. Juli 2015 zeigt er sein können Am Festival da Jazz in St. moritz. tillbroenner.de, festivaldajazz.ch

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