Kinotipps: «Unbroken» und «St. Vincent» Von Helden und Heiligen

Mit «Unbroken» zeigt Angelina Jolie zum zweiten Mal, dass sie das Regie-Handwerk im Griff hat. Das Drama forderte ihr, ihren Darstellern und jetzt uns im Kino so einiges ab an Leidensfähigkeit. Bei der Komödie «St. Vincent» hingegen besteht höchstens die Gefahr, dass man Seitenstechen bekommt - vor Lachen.
Angelina Jolie erzählt in «Unbroken» die Lebensgeschichte von Louis Zamperini.
© Universal Pictures

Angelina Jolie erzählt in «Unbroken» die Lebensgeschichte von Louis Zamperini.

«Unbroken»

Hart, aber herzlich, das bringt «Unbroken», den neuen Film von Angelina Jolie auf den kürzesten Nenner. Prädikat wertvoll, so lautet unser Kurzurteil. Jolie hat die Verfilmung von Louis Zamperinis (1917-2014) Leben zu ihrer Herzensangelegenheit gemacht.  Die Story dieses Einwanderersprosses, Olympioniken, Soldaten, Schiffbrüchigen und Kriegsgefangenen mit unbeugsamem Willen bietet alles, was grosses Gefühlskino braucht: Kämpfe, und Siege, Niederlagen und Demütigungen, Schmerz und Schmalz.

Allein auf hoher See: Louis Zamperini (Jack ='Connell) und Phil (Domhnall Gleeson).
© Universal Pictures

Allein auf hoher See: Louis Zamperini (Jack O'Connell) und Phil (Domhnall Gleeson).

So ein Schicksal auf die Leinwand zu stemmen, ist sicherlich kein Zuckerschlecken, hätte sie Spass haben wollen beim Dreh, hätte sie nicht diese hochdramatische Geschichte ausgewählt. Hat sie aber. Und so hoffen und leiden wir zweieinhalb Stunden im Kinosessel mit Louis und seinen Kameraden und staunen, was ein Mensch alles aufhalten kann. 

Louis (Jack O'Connell) trotzt seinem Peiniger (Takamara Ishihara) ohne Worte.)

Louis (Jack O'Connell) trotzt seinem Peiniger (Takamara Ishihara) ohne Worte.

Den Vorwurf des Hurra-Patriotismus mag die zeitliche Distanz entkräften, den der Weichzeichnung und Schönfärberei von Folter und Schmerz die Tatsache, dass eine wahrheitsgetreuere Darstellung von sechs Wochen auf einem Rettungsboot und monatelange Kriegsgefangenschaft kein Kinogänger sehen und aushalten würde. UNBROKEN ist eine richtig gute Regiearbeit und ein sehenswerter Film. Jolie hat auch die besten Hollywoods zur Mitarbeit überreden können: die Coen-Brüder fürs Drehbuch, Roger Deakins für die Kameraarbeit,  Alexandre Desplat für die Musik.  Und mit dem blutjungen Jack O'Connell hat sie einen Hauptdarsteller gewählt, der die Glaubwürdigkeit und Präsenz hat, so einen monumentalen Film zu tragen, ist er doch in fast jeder Szene der Mittelpunkt. 

«St. Vincent»

Wers lieber lustiger und leichtfüssig hat, dem empfehlen wir die Komödie «St. Vincent». Bill Murray zeigt sich als alter Knülleri und Misanthrop von seiner Schokoladenseite, wenn er zum Kindermädchen wider Willen wird. Ein köstlicher Spass. Wir hätten grumpy old Bill den Golden Globe so gegönnt. Für einen Oscar wird's wohl nicht reichen, dazu ist der Film einfach zu albern. Aber richtig gut albern ist eben auch eine Kunst!

Beide Filme laufen ab heute im Kino.

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