Buchtipps «American Dreamer» und «Ins Gras beissen die anderen» Windeln, Werbung, viele Leichen

Zwei Roman-Erstlinge für den Ferienkoffer: Einer spielt in der Welt der Werbeagenturen und  Baby-Windeln, beim anderen geht's um Leichen im Keller, beziehungsweise im Vorgarten.
«American Dreamer», John Kenney, Manhattan
© Manhattan

«American Dreamer», John Kenney, Manhattan

Schon das Cover des Taschenbuches macht klar: Wir betreten hier die Welt von Don «Mad Men» Drapier aus der TV-Soap. Finbar Dolan, der Held des Romans und ein Träumer, arbeitet  wie Drapier in einer Werbeagentur in New York.  Dolan redet nicht nur virtuos jedes Produkt seiner Kunden schön, sondern auch sein eigenes Leben. Das braucht auch etwas Glamour, denn die Wirklichkeit ist schal bis unschön: Seine Hochzeit ist abgesagt, die Vergangenheit umgedichtet, der Chef ein Ekel, die Kollegen Wichtigtuer, der Vater schwer krank.  Auch Dolans neuer Auftrag ist wenig prestigeträchtig: Er muss einen Spot für Windeln drehen. Wie schon Groucho Marx wusste: Never work with animal or children (arbeite nie mit Tieren oder Kindern!) - geht beim Dreh alles schief. Dabei will Dolan doch ein Kunstwerk für die Ewigkeit schaffen, wie sein Vorbild Ridley Scott mit der legendärer Mac-Werbung 1984, die in der Pause des Superbowl lief, dem begehrtesten Sendeplatz für Werbung weltweit. Irgendwann findet sich Dolan auf einem Containerschiff vor Pearl Harbour wieder, um die Asche seines Vaters ins Meer zu streuen. Bis dahin hat Dolan einen weiten Weg hinter sich. Auf knapp 400 Seiten breitet John Kenney in seinem gelungenen Erstling ein haarsträubendes Szenarien aus, mit geschliffenen Dialogen und schillernden Figuren. Neben soviel Action und Humor verblasst Don Drapier zum steifen Pappkameraden. 

«Ins Gras beissen die anderen», Jamie Mason, Lübbe

«Ins Gras beissen die andern», Jamie Mason, Lübbe

«Ins Gras beissen die andern», Jamie Mason, Lübbe

Schwarz und schrill wie der Einband präsentiert sich auch der Krimi von Jamie Mason, ebenfalls ein Erstlingswerk. Da lernen wir Jason Getty kennen, einem Normalo mit Durchschnittsjob, - haus und -leben. Wäre da nicht die Leiche in seinem Garten. Jason  hatte im Affekt seinen ehemals besten Kumpel Harris, der zum Psychopathen mutiert war, erschlagen und im Garten verbuddelt. Jetzt, 17 Monate später, bei Routine-Gartenarbeiten, kommt die Leiche zum Vorschein. Aber nicht die Leiche von Harris, sondern eine andere. Jason beschliesst, jetzt, wo es in seinem Garten wimmelt vor Polizei, «seine» Leiche an einen sichereren Platz umzubetten.  Im Lauf der Geschichte treiben sich allerlei schräge Figuren um diverse Gräber, jagen einander durch alptraumhafte Nächte,  buddeln Leichen ein und aus. Sehr appetitlich ist das nicht, aber enorm spannend. Als hätten sich die Coen-Brüder, Tarantino und Hitchcock zusammengetan, uns das Gruseln zu lehren. 

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