A Personal Note From Zach Braff «Ich musste flattern wie ein Huhn»

Die meisten kennen den Schauspieler und Regisseur Zach Braff in blauer Berufskleidung: Jahrelang tagträumte er sich als Arzt J.D. durch die TV-Serie «Scrubs». Diesen Herbst ist sein zweiter Spielfilm erschienen. Wir haben mit ihm über Ritterrüstungen, Generationenkonflikte und den unglamourösesten Moment seiner Karriere gesprochen.
A Personal Note From Zach Braff
© Lukas Maeder

Zach Braff aufgenommen von Lukas Maeder während des 10. Zurich Film Festival.

SI Style: Zach, Du hast uns lange warten lassen!

Zach Braff: Echt? Tut mir leid. Ich war gestern noch was trinken und habe jetzt mit den Folgen zu kämpfen. 



Das meine ich gar nicht: Zehn lange Jahre sind seit «Garden State» vergangen. Erst dieses Jahr hast Du endlich einen neuen Spielfilm herausgebracht.
 
Ach das meinst Du! Nun, Spielfilme zu produzieren, ist ganz einfach verdammt harte Arbeit. Wenn man ein persönliches Projekt umsetzen will, das sich von der Norm abhebt, dann muss man viel, viel Geduld aufbringen.



Geduld wofür?

Für die verschiedensten Dinge. Erstens bin ich nicht der produktivste Drehbuchautor. Ich bin kein Woody Allen. Und zweitens ist der ganze Prozess immer eine unglaublich zähe Geschichte. Ich habe in der Zwischenzeit versucht mehrere Drehbücher umzusetzen, aber die Projekte haben sich alle zerschlagen. Mal springt der Hauptdarsteller wieder ab, mal ein Financier. Es ist wie beim Leiterspiel: Schwubs! Und schon steht man wieder am Anfang.

Dein diesjähriger Film «Wish I Was Here» ist ein komplettes Eigenprojekt: Das Drehbuch entstand gemeinsam mit deinem Bruder, Du führst Regie und spielst die Hauptrolle.
Richtig. Und irgendwie handelt der Film ja auch von mir und meiner Familie. Deswegen hätte ich es nicht ertragen, wenn irgendwelche Banker am Schluss daran herumgeschnipselt hätten. Auch ein Grund, warum das Ganze länger gedauert hat.

Du hast dafür eine überraschende Alternative gefunden: Auf deinen Spendenaufruf auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter reagierten über 46'000 Personen. Es kamen rund 3,1 Millionen US-Dollar zusammen. Eine gigantische Summe.
Ja, das war auch für mich kaum zu fassen. Ich habe eine sehr treue Fangemeinde im Internet.

Beim Crowdfunding erhält der Spender ja eine Gegenleistung. Was hast Du da alles angeboten?
Alles Mögliche! Signierte T-Shirts, signierte Poster, Tickets für Vorpremieren bis hin zu von mir gesprochenen Voicemail-Nachrichten. Wir werden noch eine ganze Weile damit beschäftigt sein, unsere «Schulden» abzuarbeiten.

Der Film dreht sich um einen erfolglosen Schauspieler und Familienvater und die Frage, wann das Leben wirklich anfängt. Der letzte Film beschäftigte sich mit ähnlichen Fragen. Machst Du immer wieder den gleichen Film?
Meine Lieblingsregisseure waren immer diejenigen, die einen unverkennbaren Stil haben. Leute wie Wes Anderson oder David Fincher. Ihre Filme haben eine eigene Bildsprache, eine eigene Stimme.

A Personal Note From Zach Braff
© Lukas Maeder

«Ich bin nicht der produktivste Drehbuchautor.»

Weshalb ist es so schwer mit Vätern zu sprechen?
Ich glaube es ist ein weit verbreitetes Phänomen, dass Söhne ihren Vätern nacheifern und Töchter ihren Müttern. Für mich ist das nachvollziehbar. Mein Vater ist zwar nicht genau so wie die Figur im Film, aber mein Bruder und ich möchten seinen Erwartungen auch gerecht werden – und gleichzeitig unseren eigenen Weg gehen. 

Weshalb wissen Väter oftmals nicht, wie man mit seinen Söhnen kommuniziert? 
Weil da verschiedene Rollenbilder aufeinandertreffen. Verschiedene Interpretationen von Männlichkeit. Früher hat der Mann für das Haupteinkommen der Familie gesorgt. In der Familie von Aidan Bloom, den ich in «Wish I Was Here» verkörpere, verdient hauptsächlich seine Frau das Geld. Er versucht in Hollywood Fuss zu fassen. Das stösst bei der älteren Generation für Unverständnis. 

In beiden deiner Spielfilme schlüpfen die Figuren immer wieder in Kostüme. Sie treten als Ritter und Astronauten auf. Ist das eine Metapher für den Wunsch nach einem besseren, erfolgreicheren Leben? 
Ja, das scheint mir eine gute Analyse zu sein. Es sind alles Personen, die den Wunsch haben, stärker oder erfolgreicher zu sein, als sie es je sein werden. Sie können sich nicht abfinden mit der Realität. So wie Willy Loaman in «Tod eines Handlungsreisenden».

Wovon träumst Du?
Davon, dass meine Filme so erfolgreich werden, dass ich sie problemlos finanzieren kann.


Zach Braff, der neue Spielberg?
Nein. Ich glaube nicht, dass ich jemals Filme auf diesem Niveau machen werde. Spielberg ist ein Meister darin, ein Riesenpublikum anzusprechen. Die Projekte, die mir im Kopf herumspuken, sind dafür eher weniger geeignet. Ich hoffe trotzdem, dass ich damit genug Leute erreichen kann. 

Gab es einen Moment, in dem Du gemerkt hast: Ich habe ein Talent?
Ja. Als ich in der fünften Klasse war, mussten wir eine Geschichte schreiben und vor der Klasse vorlesen. In meiner kamen alle meine Mitschüler vor. Als ich fertig war, haben sich alle vor Lachen gekringelt. Auch die Lehrerin. Das war ein tolles Gefühl.

Welches ist der wichtigste Rat, den Dir deine Eltern mitgegeben haben?
Mein Vater hat immer gesagt: Hab keine Angst davor einen Besen in die Hand zu nehmen. Und für mich bedeutet das: Sei nicht zu arrogant, um harte Arbeit zu erledigen und dir auch mal die Hände schmutzig zu machen. Daran habe ich mich immer gehalten.


A Personal Note From Zach Braff
© Lukas Maeder

Welche «Personal Note» Zach Braff für uns schreibt zeigen wir am Ende dieses Interviews.

Der glamouröseste Moment deiner bisherigen Karriere?
Das war erst vor kurzem: Ich habe meinen Vater mit an die Tony Awards genommen. Das Ganze fand in der Radio City Music Hall statt, wir trugen beide einen Smoking und er hat sich vor der Show mit Clint Eastwood und Bryan Cranston über Lyndon B. Johnson unterhalten. Da war ich schon ziemlich stolz. Mein Vater redet über nichts lieber als über amerikanische Präsidenten. 

Hoffentlich ist er da anderer Meinung als Clint Eastwood.
Ja, er ist Demokrat. Aber darum ging’s in dem Moment gar nicht. Es war einfach toll zu sehen, wie er sich da im Smoking unter die ganz Grossen gemischt hat.  

Der unglamouröseste Moment?
Das Vorsprechen für einen Fernsehwerbespot, in dem ich mit den Armen flattern musste wie ein Huhn. 

Deine neuste Entdeckung im Bereich Musik?
Tired Pony. 


Hast Du eigentlich noch Kontakt zu Method Man vom Wu-tang Clan?
(lacht) Du meinst, weil er in „Garden State“ diesen Hotelpagen gespielt hat? Ganz ehrlich: Nein. Hatte ich auch nie wirklich. Mein damaliger Produzent hatte vorher seinen Kifferfilm «How High» produziert und fragte ihn an. Unsere Begegnung war sehr kurz. Aber danke, dass Du mich mit ihm in Verbindung bringst! Da fühle ich mich gleich viel cooler. 

A Personal Note From Zach Braff
© Lukas Maeder

Die «Personal Note» von Zach Braff: «I'm on a boat that's bobbing slowly on a canal. I have a hangover. I need more coffee.»

Die Interviewserie «A Personal Note From ...» ist ein Gemeinschaftswerk von Journalist Adrian Schräder und Fotograf Lukas Mäder. Im 2-Wochen-Rhythmus treffen sie dafür kreative Menschen aus den verschiedensten Bereichen. Den Abschluss jedes Gespräches bildet die «Personal Note»: Auf einem weissen Papier halten die Interviewten einen Gedanken handschriftlich fest.

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