Kinotipps Zwei Altmeister und ein Wald voll Affen

Woody Allen und Clint Eastwood,  die zwei Masterminds der Altherrenriege Hollywoods, sind immer wieder gut für heitere Kino-Momente. Wer lieber in die Zukunft blickt, die soziale und die technische, darf «Down of the Planet of the Apes» nicht verpassen.
Buchhändler Murray (Woody Allen) steigt ins Lustgewerbe ein.
© Ascot Elite

«Fading Gigolo»

Woody Allen, 79, wurde schon mit vier Oscars und jedem wichtigen Filmpreis der Welt geehrt.  Nun hat er eine weitere Ehrung erfahren, mit «Fading Gigolo». Sein Bewunderer John Turturro (Stammschauspieler bei den Coen-Brüdern, etwa in «Barton Fink», «O Brother…», «The Big Lebowski») hat seinem Idol einen Film auf den Leib geschrieben. Und obwohl Woody Allen schon vor Jahren erklärt hat, er sei nun zu alt für die Leinwand, hat ihn «Fading Gigolo» offenbar überzeugt, die Entscheidung rückgängig zu machen. Allen spielt den Zuhälter Murray, ein gescheiterter Antiquar,  mit so viel Lust, dass es eine reine Freude ist, dem alten Knacker zuzusehen! In die Rolle des Bezahl-Boys namens Fioravante - eigentlich ist er Florist -  schlüpft Turturro gleich selber. Mit von der heiteren Partie sind ausserdem Sharon Stone und Sofia Vergara als liebeshungrige Ladies, Vanessa Paradis als jüdische Witwe und Liev Schreiber als verklemmter Gesetzeshüter.

Kundin (ja, es ist Sharon Stone!) und Callboy (John Turturro).
© Ascot Elite

Kundin (ja, es ist Sharon Stone!) und Callboy (John Turturro).

Job oder Liebe? Fioravante (John Turturro) und die verkrampfte Witwe Avigal (Vanessa Paradis).
© Ascot Elite

Job oder Liebe? Fioravante (John Turturro) und die verkrampfte Witwe Avigal (Vanessa Paradis).

Turturro hält sich auch in der Bildsprache ganz an sein Vorbild, die Szenen in New York hätte nur Woody Allen selber stimmiger zeichnen können. Turturro unterlegt auch allen-esk die Story mit altem Jazz, gleich zu Beginn ertönt sinnigerweise Cole Porters «Love For Sale». Obwohl sich alles um Sex und Liebesdienste geht, schlüpfrig oder peinlich wird's nie, dafür aber sehr lustig und eine Spur philosophisch. Ganz so wie wir das bei Allen so mögen. 

«Jersey Boys»

«Shee-he-ry, Sherry Baby», vorgetragen von den Four Seasons.
© 2014 Warner Bros. Ent.

«Shee-he-rry, Sherry Baby», vorgetragen von den Four Seasons.

Auch Clint Eastwood, weise 84, versteht es immer wieder, seine Fans zu verblüffen . Die lieben den «bekehrten Haudegen Dirty Harry» für seine stimmungsvollen Werke mit bitterernste Themen  wie Kindsentführung («Changeling»), Einwandererproblematik («Gran Torino»), Nahtoderfahrungen («Hereafter»),  Machtmissbrauch («Absolute Power»), Drogenkonsum («Bird») oder Sozialdramen («Million Dollar Baby» und «Mystik River»). Und nun serviert uns Eastwood ein Musical! Eine bonbonbunte Reminiszenz an die Fünfziger und Sechziger Jahre voller swingender Musik, Petitcoats und Brillantine. Köstlich! 

«Dawn of the Planet of the Apes»

Schimpanse Caesar (Andy Serkis) und seine Affenband auf Kriegsfuss.
© 2014 Warner Bros. Ent.

Schimpanse Caesar (Andy Serkis) und seine Affenband auf Kriegsfuss.

Wenn schon Fortsetzungen, dann bitte sehr grösser, lauter, bombastischer als die Vorgänger. Diesen Anspruch erfüllt die neue Folge der «Affen»-Story zweifelsfrei. Statt den einen Schimpansen Caesar gibts massenhaft Affen, statt Familenszenen mit süssem Primaten (anno 2011 in «Rise of the Planet of the Apes» mit James Franco und Freida Pinto) bekommen wir nun epische Schlachten auf der Leinwand angerichtet. Mehr an Story ist da eigentlich nicht, dafür aber atemberaubende Technik. Die Macher (u. a. «Cloverfield»-Regisseur Matt Reeves) lassen die Illusion dank ausgeklügelter  Motion-capture-Technik beängstigend lebensecht erscheinen und werfen uns mit 3-D mitten ins Schlachtgetümmel. Wie wollen sie das im Teil 3 der Affensaga, die auf 2016 angekündigt ist, noch topen? Wir werden es erleben.

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