Eine Therapeutin klärt auf Darum leiden so viele junge Frauen unter Social Media

Sie sind jung, sie sind schön und trotzdem zerbrechen sie am Druck der sozialen Medien – Depressionen machen auch vor berühmten Models, wie Hailey Baldwin, keinen Halt. Eine Expertin erklärt warum. 
Hailey Baldwin Versace Runway
© getty images

Hailey Baldwin, 22, schwebt über die bedeutesten Laufstege dieser Welt und dennoch fühlt sie sich nicht schön genug.

Von aussen scheint es, als hätten sie alles: Schönheit, Jugend und jede Menge Spass im Leben. In den sozialen Medien wird eben meist nur das präsentiert, was für die Follower als attraktiv gilt. Doch wie geht es eigentlich den Influencern dabei? Denn immer häufiger stehen junge (manchmal berühmte) Frauen auch öffentlich zu den Depressionen und Angstzuständen, die sie plagen. So wie aktuell die 22-jährige Hailey Baldwin. Via Instagram offenbarte das gefragte Model zur Jahreswende, wie sehr sie unter dem Druck von Social Media leide. In einem bewegenden Post schreibt sie: «Ich bin 22 Jahre alt und die Wahrheit ist, egal wie grossartig mein Leben von aussen vielleicht aussehen mag, ich habe zu kämpfen...»

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

stepping into 2019 I want to be more open, I want to be more open about the things I struggle with, and be able to be more vulnerable. I’m a 22 years old, and the truth is no matter how amazing life may look from the outside I struggle... I’m insecure, I’m fragile, I’m hurting, I have fears, I have doubts, I have anxiety, I get sad, I get angry. I have had more days than I can count where I’ve found myself scrolling through Instagram comparing myself, comparing my looks, feeling like I’m not good enough feeling like I lack so many things and really struggling to be confident in who I am because I constantly feel like I’m just not good enough. Every single day is a confidence battle for me. I’m not writing this for a pity party or for sympathy but just to simply say, I’m a human.. I’m a young woman, I’m learning who I am and, it’s REALLY FREAKING HARD. It’s hard finding who you are, but what’s even harder is being picked apart and compared to other women while trying to do that. There are days that I’m simply broken because of it. It would be incredible if other young girls and women could find it in themselves to lift each other up, to stop making other women who are struggling JUST LIKE THEM, feel incompetent and less than. We ALL have flaws, and that will never change. What I do know is, God made us individuals for a reason, with our own beauty, our own personalities, and our own story because there’s a specific plan and purpose for each and every human created and he makes no mistakes!! So this year I’m gonna do my very best to just be ME and be confident with who I am. Cause I am enough, and I’m loved, and you are enough and you’re loved.

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Es ist die Rede von Selbstzweifeln, Angstzuständen und Traurigkeit. Baldwin beschreibt, wie sie durch Instagram scrollt, andere junge Frauen dort sieht, sich mit ihnen vergleicht und sich plötzlich nicht mehr gut genug fühlt. Aber woher rühren diese Selbstzweifel? Liegt das, wie gerne behauptet wird, wirklich nur an Social Media?

Style hat bei Dipl.- Psychologin Elke Klibor von Coachfrog.ch nachgefragt.

Style: Können Social Media Depressionen und Angstzustände bei jungen Frauen auslösen?
Elke Klibor: Psychischen Erkrankungen, wie Depressionen oder Angstzustände, gehen immer mit einem geringen Selbstwertgefühl einher. Wenn eine junge Frau durch die Erziehung der Eltern wenig Selbstvertrauen erhalten hat, ist ein geringes Selbstwertgefühl meist die Folge. Retuschierte Fotos und vermeintlich perfekte Models auf Social Media können dann, gerade in der Selbstfindungsphase, ein Auslöser für eine psychische Erkrankung sein. Falls eine junge Frau allerdings ein gutes Selbstvertrauen aufweist, sind Depressionen und Angstzustände durch Instagram und Co. eher nicht zu erwarten. 

Wann erkenne ich, dass eine psychische Erkrankung durch Social Media vorliegt?
Die Schwierigkeit liegt darin, dass die meisten jungen Frauen nicht erkennen, dass sie ein Problem haben. Grund dafür ist, dass es den anderen Mädchen in ihrer Peer Group ja genauso geht. Sie sehen die Fotos auf Instagram, vergleichen sich und verlieren. Klar, die Fotos dort sind ja auch alle retuschiert. Sobald einem aber wichtiger ist, was andere (z.B. die Follower) über einen denken, als man selbst, kann sich durchaus eine psychische Störung entwickeln. Die Schwierigkeit liegt nur darin, sich das selbst einzugestehen und sich Hilfe bei einem Therapeuten zu suchen.

In den vergangenen Jahren haben immer mehr Menschen öffentlich über ihre Depression gesprochen. Gibt es mehr Betroffene als noch vor ein paar Jahren?
In meinen 20 Jahren Berufserfahrung gab es schon immer Depressionen, auch unter jungen Frauen. Vermehrt hat sich die Krankheit meines Erachtens nicht. Es wird heute einfach mehr darüber gesprochen. Und das ist doch etwas Positives an den Sozialen Medien, oder? 

Soziale Medien können Betroffenen also auch helfen?
Auf jeden Fall. Die Erkrankten finden durch andere Betroffene, wie zum Beispiel dem Model Hailey Baldwin, einen Selbsterkennungswert. Sie begreifen, dass Symptome wie Antrieblosigkeit, Traurigkeit oder Appetitlosigkeit auch auf Menschen zutrifft, bei denen sie dachten, dass sie das perfekte Leben führen. Das kann sehr positive Auswirkungen auf die jungen Frauen haben.

Welchen Ratschlag geben Sie Betroffenen mit auf den Weg?
Für die erkrankten Mädchen ist es wichtig, wieder eine ausgeglichene Balance zwischen Social Media und dem wahren Leben zu finden. Das reine Löschen des eigenen Accounts halte ich nicht für sinnvoll, da das eigentliche Problem so nur verdrängt wird. Jedoch sollten Apps wie Instagram weniger Stellenwert im Leben erhalten und der Fokus wieder auf Freunde, Familie und das wahre Leben gelegt werden. Fragen Sie ab und zu Ihre Freunde, wie sie sie sehen und was ihre Stärken und Schwächen sind 
– das bewirkt wahre Wunder. 

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