Swiss Design Award 2014 Frische Produkte auf dem Schweizer Designmarkt

Morgen werden 20 Arbeiten mit dem begehrten Swiss Design Award ausgezeichnet. Wir zeigen unsere Favoriten.
Carlo Clopath
© Carlo Clopath

Palutta 2012-2014, Serie von Küchenaccessoires, Carlo Clopath.

Einmal im Jahr vergibt das Bundesamt für Kultur den Swiss Design Award für die diversen kreativen Bereiche wie Mode- und Produktdesign, Grafik, Fotografie, Szenografie und Designvermittlung. Von 49 nominierten Arbeiten, die zurzeit im Kongresszentrum Basel ausgestellt sind, wurden 20 ausgezeichnet. Patrick Raymond, Mitglied des Westschweizer Designertrios Atelier Oï und Jurypräsident, vergleicht die Ausstellung mit einem Markt, auf dem frische Produkte zu sehen sind. In der Tat ist sie wie ein Panorama des Schweizer Designschaffens. Dotiert sind die Preise mit 25'000 Franken, zur Auswahl stehen aber auch ein sechsmonatiger Aufenthalt in einem renommierten Büro oder ein freier Atelieraufenthalt im Ausland. Die meisten wählen eine der letzten beiden Optionen und packen die Chance beim Schopf, ausserhalb der Schweizer Grenzen den eigenen Horizont zu erweitern.

Natürlich soll man Äpfel und Birnen nicht vergleichen. Deshalb ist es schwierig, aus so unterschiedlichen Disziplinen die Höhepunkte auszumachen. Trotzdem sind uns einige Arbeiten besonders im Gedächtnis geblieben, beispielsweise «Palutta» des Bündners Carlo Clopath. Er gewann in der Sparte «Produkte und Objekte» einen Preis. Inspiriert von der Bündner Esskultur entwarf er eine wunderschön schlichte Serie von Tellern, Schalen und Besteck aus Holz, zum Teil nach japanischer Art lackiert mit Urushi (siehe Bild oben).

Auf den ersten Blick weniger auffällig ist die Sigg-Flasche, die es nach hundert Jahren endlich auch als Thermosflasche gibt. Für das Design mit hohem Wiedererkennungswert erhielten Thilo Alex Brunner und Jörg Mettler ebenfalls einen Preis. Das Original von 1910 haben die Gestalter «mit Samthandschuhen angefasst». Patrick Raymond betont, wie wichtig es sei, mit dieser Auszeichnung den Fokus auch einmal auf das Industriedesign zu lenken. Meist sind das Produkte, die es nicht in die Lifestyle-Magazine schaffen, dabei stecke gerade hier besonders viel Arbeit drin. Aus komplizierten technischen Vorgaben und Schwierigkeiten muss am Ende ein Produkt entstehen, das funktioniert und einfach aussieht. 

Sigg Thermoflasche
© Brunner Mettler

Sigg Thermo, Thilo Alex Brunner von Brunner Mettler.

Für ihre innovative Textilstudie wurde Flaka Jahaj im Bereich Mode- und Textildesign ausgezeichnet. Sie entwarf ein System aus Pompons und einem Netz, das sich mittels einfacher Verbindungsstücke immer neu anordnen lässt. Das Netz dazu stammt aus der Schweiz, das Garn aus dem Kosovo, ihrer ersten Heimat.

Flaka Jahaj
© Flaka Jahaj

C'est le pompon, Flaka Jahaj.

Besonders ins Auge gestochen ist uns ausserdem die Bachelor-Arbeit «Sprachlos» im Bereich Grafik von Manuel Trautmann. Fasziniert vom Verschwinden einer Sprache suchte er im Sprachforschungsinstitut Ethnologie sowie im Internet nach Sprachen, die auszusterben drohen. Dort sammelte er Wörter, die sich im Deutschen nur mit mehreren Wörtern oder einem ganzen Satz umschreiben lassen. Er stiess auf so wunderbare Begriffe wie «Uluka» (Eine Person, die geht, wie vom Wind getragen) oder «Jimbi» (Ein Vogel, der noch nicht singt). Illustriert hat er das Buch mit Bildern aus verschiedenen Magazinen, Büchern oder Trouvaillen aus dem Internet sowie farbigen Landschaftsaufnahmen der entsprechenden Sprachregionen. Er hätte unserer Meinung nach ebenfalls einen Preis verdient. 

Manuel Trautmann
© Manuel Trautmann

Sprachlos, Bachelor-Arbeit, Manuel Trautmann.

Die Ausstellung wird heute Abend um 18 Uhr eröffnet und bleibt bis Sonntag, 22. Juni, in der Messehalle 4 (Kongresszentrum) in Basel zugänglich.

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