Schönstaub-Designerin Nadja Stäubli im Interview Diese Frau ist auf dem Teppich geblieben

Gleich mit ihrer Bachelorarbeit hat Nadja Stäubli den Sprung zur Interior-Designerin geschafft, entwirft seitdem erfolgreich kunstvolle Teppiche, Decken und Kissen. Wir haben mit ihr über Kinder, Kunst und Karriere gesprochen …
Nadja Stäubli in ihrer Wohnung vor einem ihrer Teppiche
© Yves Suter

Die Teppiche von Schönstaub (abgebildetes Modell: CHF 1'422.00) sind mindestens so fotogen wie ihre Designerin.

Die quitschorangen Haare passen zu ihr, wie die Faust aufs Auge: Nadja Stäubli ist quirlig, laut und ständig am Machen. In ihrer Wohnung mit Blick auf den Uetliberg erzählt uns die Zürcherin von ihren Reisen, Andenken an ferne Länder, von der Musik, ihrer Liebe zu Farben und von ihren Freunden. Zwischendurch bietet die 34-Jährige immer wieder Getränke an und verzweifelt gar ein bisschen, wenn niemand etwas möchte. Und sie lacht so ansteckend, dass man sich bei ihr gleich wohlfühlt. Was bei solch einer sympathischen Erscheinung fast in den Hintergrund tritt: Nadja ist ein echtes Multitalent, arbeitet als Fotografin, DJ und hat sich mit Schönstaub eine Marke aufgebaut, die auch über die Grenzen der Schweiz hinaus bekannt ist. Ihr Repertoire umfasst Strandtücher, Decken, Kissen, Seifen – und natürlich Teppiche, denn mit ihnen fing alles an.

Style: Warum gerade Teppiche? 
Nadja Stäubli: Die Idee dazu entwickelte ich 2012 für meine Bachelorarbeit im Modul «Kunst und Technik». Ich wollte ein traditionelles Handwerk mit moderner Technik verbinden. Durch Recherche wusste ich von einer Webmaschine, die so dicht arbeiten kann, dass selbst Fotografien zu einem Teppich gewebt statt nur gedruckt werden können. Ich wandelte eine Aufnahme des Hubble-Teleskops um und machte daraus mein erstes Stück.

Kannst du von dem Business leben?
Nein. Ich kann mittlerweile meine Angestellten und Praktikanten zahlen, mich selbst aber nicht. Daher habe ich mir ein Ultimatum gesetzt: Wenn für mich in drei Jahren noch kein Lohn herausspringt, dann ist es nicht mehr als ein Hobby, und ich muss das Business aufgeben.

Was ist dein liebstes Möbelstück oder Wohnaccessoire?
Die Wahl fällt mir schwer. Vielleicht meine Plattensammlung, die habe ich von meinem Vater. Und von meinen ehemaligen WG-Kollegen habe ich ein Buch bekommen mit Momenten unserer gemeinsamen Zeit. Das würde ich retten, wenn es brennt.

Plattensammlung Wohnung Nadja Stäubli
© Yves Suter

Nadja Stäublis Liebe zur Musik zeigt sich an der Plattensammlung unterm Mischpult.

Wohin würdest du auswandern?
Müsste ich nicht arbeiten, nach Italien. Ich würde in einem Haus am Meer leben mit einem Gemüsegarten. Aber meine Lieben würden mir fehlen.

Ich hätte gern mehr Zeit für die Familienplanung. Ich will irgendwann mal Kinder und muss darüber nachdenken!

Die und dich selbst porträtierst du auf deinem Blog Kidz Like Us mit Hunderten Fotos in allen möglichen Situationen. Wann entstand die Idee dazu?
Ich arbeite seit zehn Jahren daran, aber der Fotoblog entwickelte sich zufällig. Im Ausgang habe ich immer alles und jeden fotografiert. Irgendwann hatte ich ein riesiges Archiv und wurde ständig gefragt, wo man die Bilder sehen könne. Also habe ich sie auf meine Website hochgeladen.

Das macht ja niemand, der ein graues Mäuschen ist. Spielt da vielleicht auch eine Portion Narzissmus mit?
Ich glaube, jeder, der sagt, er sei nicht narzisstisch, lügt. Ich wäre am liebsten für mein Produkt und mein Talent bekannt. Aber ich weiss, dass die Leute die Person hinter dem Label kennen wollen. Dafür zeige ich mich gern.

Nadja Stäubli in ihrer Wohnung auf dem Sofa
© Yves Suter

Happy Place: Ihr Zuhause ist der Zürcherin wichtig – nach der Arbeit im Atelier schaltet sie hier ab.

Du bist zu einem Viertel Amerika­nerin. Wie äussert sich das?
Darin, dass ich sehr extrovertiert bin. Ich spreche alle an. Sehe ich eine schöne Frau auf der Strasse, gehe ich zu ihr und sage: «Hey, du bist superhübsch», auch wenn das hier manchmal nicht so gut ankommt. Man merkt meine US-Wurzeln auch daran, dass ich an meine Träume glaube und keine Angst vorm Scheitern habe. Aber ich definiere andere und mich selbst nicht so sehr über Landesgrenzen. 

Trotzdem: Was ist schweizerisch an dir?
Mein Essverhalten! Ich liebe Kartoffeln und Käse. Gourmetküche mit Seafood, Fleisch, exotischen Gewürzen oder Koriander mag ich hingegen nicht. Was der Bauer nicht kennt, das isst er nicht ... 

Wofür hättest du gerne mehr Zeit?
Für die Familienplanung. Ich will irgendwann mal Kinder, aber am liebsten erst in zehn Jahren, weil ich das Gefühl habe, noch nicht bereit zu sein. Leider wird es mit dem Kinderkriegen schwieriger, je älter man wird.

Welcher Wunsch soll für dich in Erfüllung gehen?
Klar wünsche ich mir, die ganze Welt zu bereisen, eine perfekte Haut, dass ich singen kann, an jeder Fashion-Show in der Front Row sitze und viele Sprachen beherrsche – aber das sind alles Oberflächlichkeiten. Wirklich toll wäre ewige Gesundheit für mich, meine Freunde und meine Familie. Wüsste ich, dass ich nie Krebs bekomme, wäre ich entspannt. Eine Garantie für ein erfülltes Leben gibt es aber leider nicht.

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