Interview mit Gitarrenlegende Slash «Es geht wirklich nur um Sex»

Es wird wieder laut um Gittarrengott Slash. Mit «World on Fire» erscheint heute das zweite Studioalbum, das er gemeinsam mit Alter-Bridge-Sänger Myles Kennedy aufgenommen hat. Wir trafen den talentierten Künstler zum Kaffee. Offen redet er über die Unfreiheit der Musikszene, seine Kindheit und seine neuste Leidenschaft: das Horrorfilm-Business. 
Slash
© Lukas Maeder

Slash fotografiert von Lukas Maeder. 

SI Style: Junge Leute, die sich heute für Musik interessieren, beklagen sich oft, dass es nicht mehr das Gleiche sei wie damals, als Sie jung waren. Wie empfinden Sie das?
Slash: Die Musikszene ist einem ständigen Wandel ausgesetzt. Als ich 1965 geboren wurde war das nicht anders. Die 70er waren total verrückt – alles schien möglich. Musik war das grosse Thema. Leider wurde diese Welt immer unfreier und zu diesem Corporate-Ding wie wir es heute kennen. 

Ist der Zauber weg?
Der Spirit von damals, welcher von der Kreativität und der Magie dieser Szene lebte, ist leider fast ganz verschwunden. Wenn du dir die aktuellen Charts anschaust, siehst du so viel ersetzbare, gesichtslose Popmusik. Sie ist von Geld dominiert. 

Aber Musik war ja schon immer ein Business, oder?
Klar, es gab immer Menschen, welche einfach nur viel Geld damit machen wollten und sonst gar nichts. Heute scheint sich die ganze Branche aber noch schlimmer zu kanibalisieren als früher. 

Es gibt also keine Hoffnung mehr?
Doch. Das Coole ist ja, dass es in jeder Generation Leute gibt, die sich dessen bewusst sind und gute Musik schätzen. Und die werden das Ganze drehen. 

Sie leben in Los Angeles. Gibt es dort aktuell eine spannende Bewegung, so wie das in den 80ern der Fall war? 
Nein, nicht wirklich. Aber ich denke, nirgendwo auf der Welt ist das gerade der Fall. Es gibt vielmehr kleine Szenen, in denen eine bestimmte Art Musik gehört wird. Man trifft sich in den Clubs, wo sie diese spielen. Das EDM (Electric-Dance-Music) Movement ist das Grösste. Jedenfalls scheinen das viele zu hören.

Verfolgen Sie die aktuelle Musikszene überhaupt? Interessiert es Sie, was abgeht?
Einerseits ja, andererseits nein. Vorher war ein Radio-Journalist da, der mir seine Playlist gezeigt hat. Ich sollte daraus ein paar Songs wählen und diese kommentieren. Aus 100 Songs war echt keiner dabei, der mir bekannt war (lacht). Ich kannte ein paar Künstler, aber nicht die Songs dazu. 

Vermissen Sie die alten Zeiten?
Hmm, ich weiss nicht. Ich halte mich nicht länger damit auf. Die 20 Jahre von 1970 bis 1990 waren musik-technisch so spannend. Die ganze Musikwelt schien auf einer gemeinsamen Wellenlänge zu liegen.

Sie sind ja auch in einer sehr kreativen Umgebung aufgewachsen. Ihre Mutter war Kostüm-Designerin (u.a. für John Lennon und David Bowie) und ihr Vater Künstler. 
Ja, sie waren eben auch Teil dieser Bewegung. Heute vermisse ich diesen «Buzz» teilweise schon. Gleichzeitig will ich einfach mein eigenes Ding durchziehen und versuchen, diese kreative Energie für mich umzusetzen. Wir leben in einer sehr spannenden Welt. Niemand weiss, wohin sich alles bewegt. 

Ihr Vater hat Covers für Bands designt. Auch für Sie?
Als wir damals nach Amerika kamen, arbeitete mein Vater viel für David Geffens erste Plattenfirma Asylum Records. Er war Grafik Designer, aber auch Fotograf und Künstler. Er und mein Bruder haben das erste Cover für meine Band Slash’s Snakepit entworfen.

slashs snakepit

Slash's Snakepit «It's Five O'Clock Somewhere»

In Ihrer Karriere haben Sie mit vielen Sängern zusammen gearbeitet. Bei Slash’s Snakepit war es Eric Dover von Jellyfish. Später haben Sie mit ganz unterschiedlichen Persönlichkeiten wie Fergie von den Black Eyed Peas, Lemmy Kilmister von Motörhead oder Myles Kennedy von Alter Bridge eine Platte aufgenommen. Wie wussten Sie, dass Myles der Richtige ist?
Eric ist ein super Sänger, aber primär ein Gitarrist und kein Frontmann. Als ich mit dem Album «Slash» schon fast fertig war, fehlte mir für zwei Songs ein Sänger. Ich habe Myles kontaktiert, obwohl ich ihn nicht kannte und nicht wusste, wie er singt. Als er mir eine Woche später den Song «Starlight» zurückschickte, sass ich am Computer und konnte nicht fassen, wie perfekt das klang. 

Aber er hat ja auch noch seine eigene Band. Wie koordinieren Sie das?
Ja eben! Ich fragte ihn, ohne zu glauben, dass er zusagt, ob er mit auf Tour kommen würde. Und er meinte: klar! Und ich dachte, Shit! Das wird ja richtig ernst. Wir haben mit Brent Fitz an den Drumms und Todd Kerns am Bass den Rest der Band zusammengestellt und dann ging es los. Wir haben die beste Zeit zusammen. Auf Tour haben wir unser erstes gemeinsames Album «Apocalyptic Love» geschrieben. 

Weshalb funktionieren Sie so gut?
Weil wir sehr fokussiert sind und das, was wir machen, zu 100% machen möchten. Wir sind alle Workaholics. 

Ihr neues Album «World on Fire» haben Sie anfangs Sommer im House of Parliament in London gespielt. Ist es auch ein politisches Statement?
«World on Fire» ist nicht wortwörtlich zu verstehen. Es steht als Metapher für eine Menge Sachen. Es soll das beschrieben, was gerade auf der Welt passiert. 

Im gleichnamigen Song singt Myles «It will never be this good again». 
Also im Song geht es - anders als im Albumtitel - wirklich nur um Sex (lacht). Der Song beschreibt diesen wilden, sexuellen Moment wo du denkst, dass es kein morgen gibt. 

«Shadow Life» soll von der TV-Serie Mad Man inspiriert sein, stimmt das?
Ja das hat mir Myles auch erzählt! Ich habe leider absolut keine Ahnung, worum es dabei geht. Anscheinend um ein Person mit gespaltener Persönlichkeit. 

Und damit können Sie gar nichts assozieren?
Nicht wirklich. Ich bin immer der Gleiche. Ob zu Hause oder hier mit dir. Ok, wenn ich auf dem Sofa rumlümmle vielleicht schon nicht ganz. Aber bei mir ist es ziemlich einfach: Dort, wo meine Gitarre ist, da bin ich und da bin ich 100% mich selbst. 

Kommt es vielleicht daher, weil Sie - was ihr Ässeres angeht - nie zu glamourös aber auch nie zu kaputt waren?
Ja das kann durchaus sein. Ich hätte dafür, ehrlich gesagt, auch gar keine Nerven. Ich könnte kein Image aufrechterhalten nur des Images wegen. 

Aber Sie sind ja schon einfach wiederzuerkennen. Jeder könnte anhand einer Silhouette sagen: Das ist Slash!
Ja, aber das ist vor allem wegen dem Top-Hat. 

Wann haben Sie diesen zum ersten Mal getragen?
Ich glaube es war 1985. Aber ich war schon immer ein Hutträger. Für mich vervollständigt ein Hut das Outfit. Aber der Top-Hat hat alles verändert. 

Verstecken Sie sich darunter?
Auf jeden Fall. Früher war mir das nicht bewusst. Heute ist mir klar, dass ich dadurch immer eine Art Schutz gesucht habe. Auch mit der Brille. Und ich bin zu faul, um solche Gewohnheiten jetzt plötzlich zu ändern. 

Als faul würde ich Sie nicht bezeichnen. Sie produzieren ja neben der ganzen Musik auch noch eigene Filme. 
Ja, mit Slasher Films habe ich mir einen kleinen Bubentraum verwirklicht.  

Das klingt nach einem speziellen Genre.
Es sind Horror-Filme, aber keine Slasher-Knaller. Das sollte ironisch gemeint sein (lacht). 

Aktuell ist «Nothing left to fear» draussen. Aber Sie haben schon den nächsten Coup geplant, richtig?
Ja genau. Ende des Jahres beginnen wir mit der Produktion von «Cut Throats 9» mit Mads Mikkelsen. Darauf freue ich mich besonders. 

Dann wünsche ich Ihnen ganz viel Erfolg damit.
Vielen Dank, auch für das Gespräch.

Slash feat. Myles Kennedy & The Conspirators spielen am 15. November ihr einziges CH-Konzert in Basel. Tickets gibt es hier.

Auch interessant