Kinotipp: Star Wars – die letzten Jedi Regisseur Rian Johnson bringt uns bei, Abschied zu nehmen

Der siebte Teil von «Star Wars» beweist: Man kann den grössten Mythos der Filmgeschichte zu neuem Leben erwecken. Aber vorsicht beim Lesen: Etwas spoilern, wir werden!
Szene aus «Star Wars: The Last Jedi», Rey mit Lichtschwert
© Disney

«Was siehst du?», fragt Luke Skywalker die junge Jedi-Azubi Rey. Sie antwortet: «Licht. Dunkelheit.» Es ist der ewige Kampf, Gut gegen Böse, das grösstmögliche Extrem. Auf zur dunklen Seite der Macht oder doch auf die der Jedi-Ritter? Team wechseln oder nicht? Die Geschichte ist alt. Aber dennoch solltet ihr das Diazepam nicht zu Hause lassen.

Schockstarre

Wenn nach zweieinhalb Stunden das Licht im Kinosaal wieder angeht, ist man erst mal im Zustand eines leichten Schocks: «Star Wars» kann tatsächlich noch überraschen, und das im achten Teil der Filmreihe! Wie «das Erwachen der Macht» ist er aufregender (wir halten immer wieder den Atem an), selbstironischer (wir müssen immer wieder laut auflachen) und melancholischer als die letzten Teile, die George Lucas vor Jahren realisiert hat.  

Luke Skywalker
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Android BB-8
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Regisseur Rian Johnson hat genau die richtige Balance zwischen einer Verbeugung vor dem Mythos und einer packenden Fortsetzung der Saga gefunden.

Weder Utopie noch Dystopie – einfach da

Er ist fesselnd, keine Frage. Auch durch die gewaltig schönen Weltraumschlachtszenen mit neuem Rüstungsmaterial (danke CGI). Wenn der gute alte Millennium Falcon über Eisplaneten schlittert und durch Wüstenlandschaften jagt, wärmt das die Seele aller heutigen Retrofuturisten. Aber – und nun muss ich mich von meinem Dasein als Star-Wars-Über-Fangirl etwas distanzieren, um objektiv zu bleiben – ganz auf den Kopf gestellt wird die Handlung nicht. Zwar sagt Kylo Ren (Adam Driver) im Film selbst «Lass die Vergangenheit sterben. Töte sie, wenn es sein muss. Nur so kannst du werden, wozu du bestimmt bist.», dennoch: der Regisseur macht in Bezug auf die Handlungsstränge nicht, was seine Figuren ihm raten. 

Filmszene aus Star Wars - Die Letzten Jedi
© Disney

Er verfällt nicht der dunklen Macht der Hollywood-Industrie, sondern bleibt der Star-Wars-Linie mehr als treu. Das resultiert in einer Aneinanderreihung von Zitaten aus den vorherigen Teilen, die neuen Figuren entwickeln sich genau so wie die alten und verhalten sich auch so, gleiche Konflikte, gleiche Waffen, gleiche Lösungen. 

Immer die ganz grosse Geschichte

Die Rebellen sitzen, mit den Bösen im Nacken, im Weltall fest. Die Lage ist ziemlich mies und wird im Laufe des Filmes immer mieser. Deprimierend wird es trotzdem nie, weil jede freie Sekunde mit charmanten Einfällen bestückt wird. Schönstes Detail: Chewbacca wird von einer ganz besonders niedlichen Untergattung von Alien-Hühnchen zum Vegetarismus bekehrt. Oberbösewicht Snokes goldenen Bademantel will man übrigens sofort für sich selbst bestellen. Die unzähligen gleichzeitig ablaufenden Handlungsstränge sind voller Rückverweise, Inside Jokes und alter Bekannter.

Seid euch bei Nichts zu sicher!

Mehr soll zu der Handlung an dieser Stelle nicht verraten werden. Ausser vielleicht die Tatsache, dass Regisseur Johnson vor dem gnadenlosen Auslöschen von Hauptfiguren nicht zurückschreckt.

Star Wars: The Last Jedi ist ab dem 14.12. im Kino. Regie: Rian Johnson. Mit: Daisy Ridley, John Boyega, Adam Driver, Harrison Ford, Carrie Fisher, Mark Hamill. Disney, 152 Minuten.

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