Kinotipps «Midnight Sun» und «Et au pire, on se mariera»

Gleich in beiden neuen Filmen geht es um die erste Liebe: In «Midnight Sun» werden sie glücklich … bis dass der Tod sie viel zu früh scheidet. In «Et au pire, on se mariera» von Léa Pool gehts dagegen richtig schief mit der Teenager-Liebe.

«Midnight Sun»

Katie, 17, hat ein Problem: Sie darf keinesfalls an die Sonne, sonst fängt sie sich innert Minuten Hautkrebs ein. Also lebt sie nachts, am Tag schläft sie hinter UV-sicheren Fenstern. Von hier aus beobachtet sie Charlie, schwärmt ihn aus der Ferne an, seit sie ein kleines Mädchen war. Als sie sich erstmals nachts am Bahnhof begegnen, verlieben sich die beiden Hals über Kopf. Katie besteht auf abendlichen Dates, den Grund verrät sie Charlie aber nicht – sie möchte sich einfach für eine kurze Weile als normaler Teenager fühlen. 

Szene aus «Midnight Sun»
© Impuls

Katie (Bella Thorne) gibt ein mitternächtliches Konzert am Bahnhof.

Das ernste Thema wird im Film mit gaaanz viel Zuckerguss überdeckt, der Kitschfaktor liegt auf der Höhe einer Nicholas-Sparks-Verfilmung. Überzeugend sind aber die beiden Hauptdarsteller: Bella Thorne als Katie balanciert gekonnt auf der dünnen Linie zwischen Normalität und Todesgefahr, auch ihre Singstimme ist überaus eingängig. Und Patrick Schwarzenegger als Charlie ist mit seinem Sixpack und den melancholisch umflorten Augen ein echter Hingucker. Ja: Die Ähnlichkeit zu seinem Vater Arnold Schwarzenegger ist unübersehbar. Der sagte als Terminator zu der Frau, die er retten soll: «Wenn du leben willst, komm mit mir.» Bei Charlie/Patrick müsste der Satz, wenn er seine Katie auf ihren ausdrücklichen Wunsch zu einer Segelpartie im Sonnenschein mitnimmt, dagegen heissen: «Wenn du sterben willst, komm mit mir.» 

Szene aus «Midnight Sun»
© Impuls

Katie (Bella Thorne) und Charlie (Patrick Schwarzenegger) auf ihrer finalen Segelpartie.

«Et au pire, on se mariera»

Komplett kitschfrei behandelt die Kanada-Schweizerin Léa Pool das Thema erste Liebe. Sie erforscht wie immer in ihren Filmen die weibliche Identität, zeigt die schönen und die hässlichen Seiten, wertet oder urteilt dabei aber nie. Genau das macht ihre Sicht so spannend. 

Der Film mit dem verfänglich komödiantischen Titel erzählt von Aïcha, die sich – wie alle Teenager – total unverstanden fühlt und ständig mit ihrer Mutter zofft, weil diese Aïchas geliebten Stiefvater rausgeworfen hat. Als Vaterersatz/Kumpel/Liebesobjekt hat sich die 15-Jährige den freundlichen Baz ausgesucht, der doppelt so alt ist wie sie. Was wie eine harmlose Schwärmerei beginnt, steigert sich zur Obsession, die in einem Blutbad endet. 

Szene aus «Et au piren on se mariera»
© filmcoopi

Sophie Nélisse als Aïcha ist eine Wucht!

Schlicht eine Wucht ist Sophie Nélisse, 16,  als Aïcha. Sie verleiht dem unglücklichen Mädchen enorme Tiefe und zahlreiche schillernde Facetten. Hinter ihren blauen Augen tun sich Abgründe auf, die uns im Kinosessel schauern und mit zartem Schrecken an die eigene Pubertät zurückdenken lassen, als es zwischen Himmel und Hölle nichts gab.

Von Sophie Nélisse, so viel steht nach diesem Film fest, wollen wir noch viel mehr sehen. Hoffentlich demnächst!

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