Homestory Nicolas Le Moigne Schwereloses Schloss

Der Schweizer Designer Nicolas Le Moigne lebt mit seiner Frau und der gemeinsamen Tochter in der Nähe von Lausanne in einem Schloss aus dem 17. Jahrhundert. Im Innern regieren zeitgenössische Möbel.
Wohnzimmer von Nicolas Le Moigne
© Daniela & Tonatiuh

«Drei Zimmer in einem», sagt Virginie Le Moigne über ihr Wohnzimmer im alten Schloss bei Lausanne. Auch die Dalmatinerdame Coconut fühlt sich hier wohl.

In Zürich würde das nicht passieren: Virginie und Nicolas Le Moigne stiessen während ihrer Wohnungssuche über eine simple Anzeige im Internet auf ein altes, charmantes Schloss. Ein Märchen, wie es offenbar in der Nähe von Lausanne noch geschieht. Einen Monat zuvor hatte der erfolgreiche Schweizer Designer seine Frau im Scherz noch gefragt, ob sie sich vorstellen könnte, in einem Schloss zu leben. Sie lachte nur und sagte: «Du bist verrückt.» Drei Monate später zogen sie um, ins Dachgeschoss eines altes Schlosses aus dem 17. Jahrhundert. 2010 wurde es in die Liste der historischen Monumente aufgenommen. 

Wer das Paar jetzt in schweren barocken Möbeln wähnt, liegt völlig falsch. Als «neo-urbane Oase mit exotischen Einflüssen» bezeichnet der ECAL-Dozent ihre Wohnung. Mit der Einrichtung setzten sie ganz bewusst einen Kontrast zur Architektur. Viele Stücke stammen aus seiner eigenen Feder, so etwa das aufklappbare Büchergestell «Meyrin» und der Kerzenständer «Elendes» für Atelier Pfister oder ein Prototyp einer Leuchte, die er für die Pariser Galerie Kreo entwickelt hatte. Ausserdem gibt es auch eine verspielte Note: Überall in der Wohnung finden sich kleine Figürchen. Meistens handelt es sich dabei um Reisesouvenirs, die das Paar aus der ganzen Welt mitbrachte. Nicolas ist ein grosser Comic-Fan, weshalb ihm der Tintin (aus Tim und Struppi) besonders viel bedeutet. Er war ein Geschenk seines Vaters.
In der Garage hat Nicolas sein Atelier eingerichtet. Zwischen Modellen aus Karton und Styropor zeichnet und fräst er neue Modelle aus. Bei schönem Wetter verlegt er seine Arbeitsstätte kurzerhand in den Garten.

Zum Haus gehört ein alter Tennisplatz. Besonders im Sommer laden sie häufig zum mittlerweile legendären «Tennisapéro»: Zuerst ein wenig Sport, dann Drinks auf der grossen Wiese vor dem Haus. Virginie malt sich auch schon aus, wie sie die nächsten Jahre magische Geburtstagsfeiern für ihr Töchterchen ausrichten wird.
Drinnen halten sie sich am liebsten im grossräumigen Wohnzimmer auf, «das sind drei Zimmer in einem», wie das Ehepaar sagt. Und dort lässt sich Nicolas mit Vorliebe auf dem Slow Chair von Vitra nieder, einem Geschenk seiner Familie zum 30. Geburtstag.
Zur Familie gehört auch die alte Dalmatinerhündin Coconut. Sie begleitet ihr Frauchen täglich in die PR-Agentur, wo die zehnjährige Hundedame am liebsten den ganzen Tag durchschläft. Und seit neun Monaten ist die kleine India auf der Welt. Für das Kinderzimmer wurde die ehemalige Ankleide von Virginie umfunktioniert. «Eh oui, die Zeiten ändern sich», sagt sie mit einem Lächeln. 

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