Oscars 2018 Verdiente Sieger und bunte Kleider

In der Nacht von Sonntag auf Montag wurden zum 90. Mal in der Geschichte die Besten der Besten in der Film-Branche ausgezeichnet – und ihr habt während der Übertragung geschlafen? Kein Problem! Unsere Kultur- und Filmredaktorin Anita Lehmeier klärt auf, was gelaufen ist.
Jimmy Kimmel und Guillermo del Toro
© Getty Images

Eine schöne Feier wars. Mit vielen, hochverdienten Siegern und Siegerinnen. Skandalfrei und mit viel Farbe statt mit aktivistischem Schwarz. Es ging bei den 90. Oscars genau um das, was sich Host Jimmy Kimmel und wir Ausharrer bis zum Morgengrauen gewünscht haben: Es ging um den Film als Kunstform, nicht um Politik. Ein bisschen mehr Biss und Witz hätte uns beim Wachbleiben allerdings schon geholfen.

Die Oscars im Schweizer Fernsehen

Die erste gute Nachricht für Oscar-Fans war, dass die SRG, die es gestern nach dem Schweizer Abstimmungs-Sonntag immer noch gibt, erstmals die lange Nacht übertragen hat. Ein Platz am roten Teppich lag zwar nicht drin für das Format Glanz & Gloria, das die Übertragung bestritt, den Vergleich mit den anderen deutschsprachigen Sendern muss das Leutschenbach-Team trotzdem nicht scheuen. Die beiden Fachleute-Gruppen im Studio um Gastgeberin Nicole Berchtold wussten mehr zu erzählen, als der ewige Pro7-Teppich-Plauderer Steven Gätjen. Die erste Gruppe mit Sabina Hanselmann-Diethelm, Chefredaktorin Style und Bolero, G&G-Filmexperte Philippe Klemenz, Schauspielerin Isabella Schmid und Komiker Dominic Deville hatte sich wohl wie wir Zuschauer mehr Bilder, sprich Kleider vom roten Teppich versprochen. Die A-Promi-Klasse in Sachen Styling war entweder nicht da oder wurde nicht übertragen. Schade. Das Wichtigste von der Kleiderfront in Kürze: Bei den Frauen war Schwarz die Ausnahme, viele strahlten in Rosa, Feuerrot, Lila, Hochweiss. Es gab Rüschen, Kordeln und Klunker der Megaklasse zu bewundern. Und diverse Dekolletés. In Zeiten der verhärteten Diskussionsfronten wirken die gewährten Einblick wie Tauwetter.
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Hollywood, we love you

Gastgeber Jimmy Kimmel machte schon zu Beginn seiner Ansprache klar, worum es in den nächsten vier Stunden gehen soll: den Film. Nicht Politik. Ein Versprechen, das eingehalten wurde. Ein paar spitze Bemerkungen oder Selbstironie vom Host oder den Gewinnern hätten wir uns allerdings schon gewünscht in der langen Nacht. Als einzige halbwegs wachrüttelnde Dankesrede wird wohl die von Frances McDormand in Erinnerung bleiben. Die Beste Darstellerin in einer Hauptrolle («Three Billboards Outside Ebbing, Missouri») kam ungeschminkt und bezeichnete sich als Anarchistin. Ihr Casual-Strickschlauch unterstrich ihr Statement. Andere Sieger wie Gary Oldman (beste männliche Hauprolle als Winston Churchill in «The Darkest Hour»), Sam Rockwell (beste Nebenrolle in «Three Billboards …»), Allison Janney (beste weibliche Nebenrolle in «I, Tonya») sowie Kostümmacher, Drehbuchschreiber, Kameramann (Roger Deakon für «Blade Runner 2049»), Cutter, Make-up- und Haar-Künstler ratterten vor allem Namen herunter und dankten brav allen, die ihnen noch einfielen vor lauter Aufregung über das Goldmännchen in ihren Händen. Anklagen ans System Hollywood wurden von den Gekürten keine laut.

Gerechter Gewinn

Der hochverdiente Gewinner des Abends ist der Sci-Fi-Märchen-Liebes-Film «Shape of Water». Dass mit Guillermo del Toro ein Mexikaner den Königs-Oscar holte, den für den besten Film des Jahres, sehen wir als höhere Gerechtigkeit. Erstens weil der Film einfach wunderschön, warmherzig, grossartig besetzt und optisch ein Augenschmaus ist. Die schrägste und schönste Liebesgeschichte der Saison, wenn nicht des Jahres. Und zweitens, weil dieser Sieg den Polterer im Weissen Haus ärgern wird. Mit Guillermo del Toro ist nicht reinrassiges America first, sondern ein Gastarbeiter aus Mexiko, der die höchste Auszeichnung im Filmbusiness geholt hat.

Oscars 2018 Guillermo del Toro
© Getty Images

Für den besten Film des Jahres verantwortlich: Guillermo del Toro.

Geht wieder ins Kino!

Ein Dankeschön hat mich, die ich das Spektakel seit über 20 Jahren am TV tapfer mitverfolge, besonders gefreut: Jenes von Host Jimmy Kimmel an all die Menschen, die ins Kino gehen, um sich Filme anzusehen. Apropos: Viele der frisch gekürten Filme und Schauspieler und Schauspielerinnen sind ganz aktuell in mindestens einem Kino ganz in der Nähe zu sehen. Und Montag ist ja bekanntlich Kinotag! Also nichts wie hin, die Oscar-Zusammenfassung kann man sich auch am Dienstag noch ansehen. Viel Vergnügen im Film auf Grossleinwand!

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