«Für einen Moment dachte ich: ‹Ich liebe sie wirklich›» Pat Burgener über Unabhängigkeit, seine Musik und Fashion-Burn-Outs

Single, Solomusiker, Profisportler in einer Einzeldisziplin – wir erkennen bei Pat Burgener ein Muster. So viel vorweg: Es ist das Geheimnis seines Erfolgs. 
Pat Burgener
© Coline Amos

So entspannt sieht Pat Burgener nur aus, wenn der daheim ist. Ist er unterwegs, steht er ständig unter Strom.

Wir sind immun gegen diesen Singer-Songwriter-Charme, denken wir. Ein Sonnyboy, der sich für die vergangene Olympiade hat qualifizieren können, lässt uns kalt, sagen wir uns. Wenn sich Pat Burgener aber ans Klavier setzt, souverän «Isn’t She Lovely» von Stevie Wonder spielt und uns anschliessend mit schräg gelegtem Kopf anlächelt, schmelzen wir doch dahin. An alle hoffnungsvollen Herzen: Der gebürtige Romand will sich nicht festlegen respektive verpflichten. Er will sich auf seine Karriere konzentrieren. Als Profisnowboarder. Und Musiker. Seine erste Platte «The Route» ist im März erschienen. 

Style: Sie haben mal gesagt, Sie liebten viele Frauen und könnten sich bei einigen vorstellen, mit ihnen was aufzubauen. Woran scheiterts? 
Pat Burgener: Es ist kompliziert. Vor ein paar Wochen habe ich am US Open eine Frau aus Argentinien kennengelernt. Wir haben uns in Laax wieder getroffen. Sie reist als Influencerin auch die ganze Zeit, wie ich. Wir haben zwei Wochen miteinander verbracht, hatten jedoch stets im Hinterkopf, dass das Verhältnis ein Ablaufdatum hat. Das ist das Traurige: Du weisst, es geht nicht weiter. Ich will meine Freiheit nicht aufgeben. Wenn du dich zu stark auf eine Beziehung einlässt, beginnst du, Kompromisse zu machen. Und das ist schlecht für mich. Ich will meinen eigenen Plan verfolgen ohne mich ablenken zu lassen. Warum muss denn überhaupt jemand fest mit jemandem zusammen sein? 

Ja, warum denn? 
Alles im Leben hat seine Zeit. Jetzt ist es für mich an der Zeit, herauszufinden, was ich wirklich von einer Beziehung möchte, was eine Frau mitbringen soll. Erst wenn ich das weiss, werde ich mich festlegen. Meine Oma sagt mir auch immer: «Heirate bloss nie, bevor du dreissig bist.» Bei der Argentinierin bin ich fast schwach geworden, für einen Moment dachte ich: «Ich liebe sie wirklich.» Aber dann muss man sich die richtigen Fragen stellen. 

Und was sind die richtigen Fragen? 
Liebt man die Person wirklich, oder ist es einfach Bequemlichkeit?

Und «bequem» ist das schlimmste Wort der Welt. Wenn man bequem ist, macht man nichts aus seinem Leben. 

Typisch Generation Y. Zu viele Möglichkeiten, unfähig, sich festzulegen … 
Na ja, ich weiss jetzt nicht, wie viele Möglichkeiten ich tatsächlich habe (lacht). Ich glaube, das grösste Ziel ist, neue Beziehungen aufzubauen. Mit Freunden, mit Brands, Sponsoren. Klar, Single zu sein, bedeutet, die Möglichkeit zu haben, mit verschiedenen Frauen zusammen zu sein. Das schätze ich natürlich. 

Warum heisst Ihre erste EP «The Route»? 
Es war klar für mich: Der Titel meines Albums muss etwas mit Reisen zu tun haben. Die als Musiker hat jetzt erst begonnen. 

Sehen Sie sich als Profisportler oder eher als Musiker? 
Ich sehe mein Leben vorwiegend als Musiker. Die nächsten fünf, sechs Jahre werde ich auf jeden Fall weiter snowboarden. Ich bin gerade megafit. Aber danach konzentriere ich mich voll auf die Musik. Im Sommer fliege ich nach San Diego. Dort habe ich einen Produzenten gefunden, mit dem ich an meinem nächsten Album arbeiten werde. Der Plan ist, dort ein Haus zu mieten, Songs zu schreiben – und jeden Morgen zu surfen. 

Pat Burgener
© Coline Amos

Der Musiker im Keller aka Proberaum seines Elternhauses in Morrens. Gern trägt er Schwarz oder Weiss – und keine Schuhe.

Wie wichtig ist Mode für Sie? 
Sie beeinflusst so vieles – wie ich mich gebe, wie ich mich fühle. 

Warum tragen Sie meist Schwarz oder Weiss?
Ich habe sehr viel Kleidung geschenkt bekommen, von diversen Brands. Irgendwann hatte ich eine Art Burn-out. Ich mochte einfach nicht mehr so viel Zeit damit verschwenden, mir zu überlegen, was ich anziehen soll. Ich besitze heute drei Hosen, sechs T-Shirts – immer das gleiche Outfit. Es muss so simpel wie möglich sein.  

Ihr Ritual gegen Lampenfieber?
Es gibt nicht das eine Ritual – es ist vielmehr der ganze «way of living», der mir dabei hilft. Dadurch, dass ich mich von allem frei mache, keine Freundin, keine Wohnung habe, bin ich immer ganz bei mir und zu hundert Prozent fokussiert. 

Sie wirken wirklich tiefenentspannt. Bringt Sie nichts aus der Fassung? 
Nein. Jeder Mensch kann selbst entscheiden, ob er die Dinge positiv sieht oder nicht. Diese Denkweise habe ich mir angewöhnt, als ich die Knieverletzung hatte. Im ersten Moment klingt es nicht so, als gäbe es daran positive Aspekte. Schliesslich konnte ich in der Zeit nicht trainieren. Aber ich fand in der Verletzungsphase zu einem neuen Lebensinhalt, begann, mich intensiv mit Musik zu beschäftigen, spielte Gitarre, schrieb Songs. 

Welchen Tipp geben Sie allen negativen Menschen?
Gegen die Stimme im Kopf zu kämpfen, die sagt, dass du etwas nicht kannst. Lass solche Gedanken los! Du bist derjenige, der entscheidet, ob du dich auf einen Streit ein- oder negative Einflüsse zulässt. Du kannst entscheiden, ob du an einem negativen Gedanken festhältst oder etwas locker nimmst. Das Buch «The Untethered Soul» hat mir dabei geholfen. Ich habe es mehrmals gelesen. Auch vor der Olympiade.

Mehr zu Pat Burgeners Karrierewechsel und seiner Glücksstrategie gibt es in der aktuellen Style zu lesen. Jetzt am Kiosk.

 
 
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