Nastaran Safaei «An privaten Veranstaltungen kann man alles zeigen, was man möchte»

Die AB Gallery in Luzern Emmenbrücke vertritt zeitgenössische Positionen aus dem arabischen Raum und lädt Kunstschaffende ein, während zwei Monaten in der Schweiz zu leben und zu arbeiten. Wir sprachen mit der Bildhauerin Nastaran Safaei über ihr Leben als Künstlerin im Iran, über ihren Eindruck der Schweiz und Engel.
Fliegende Brust
© Nastaran Safaei

Nastaran Safaei, «Flying», 2014. Die fliegende Brust symbolisiert Animus und Anima, die Macht der Frau.

Wer am kleinen Bahnhof Emmenbrücke Gersag aussteigt, würde hier nicht eine Galerie für Kunst aus dem arabischen Raum mit bemerkenswertem Konzept erwarten. Genau diese gibt es aber, ein paar Hundert Meter vom Bahnhof entfernt befindet sich die AB («across borders») Gallery. Der Standort Emmenbrücke hat sich als geeignet erwiesen: Er ist zentral gelegen und aus der ganzen Schweiz sowohl mit den öffentlichen Verkehrsmitteln als auch mit dem Auto gut erreichbar. Parkplätze sind genügend vorhanden. Wegen der täglichen Staus zu Stosszeiten gibt es hier aber nicht die klassische Vernissage an einem Abend unter der Woche, sondern «open sundays». 
 

Heidi und Franz Leupi laden regelmässig Kunstschaffende ein, am Programm «Artist in Residence» teilzunehmen. Während zwei Monaten können diese in einer Wohnung gleich neben der Galerie wohnen, Atelier und Materialien stehen ihnen zur Verfügung. In der grossräumigen, zweistöckigen Galerie ist auch das Lager untergebracht, und die Leupis wohnen direkt über den Ausstellungsräumlichkeiten. Und noch etwas ist ungewöhnlich: In der Galerie gibt es einen gemütlichen, offenen Essraum mit orientalischen Leuchten und bunten Kissen. Hier werden Kunden empfangen, man speist und trinkt inmitten von Kunst. 

Wir trafen die Bildhauerin Nastaran Safaei, kurz bevor sie nach ihrem zweimonatigen Aufenthalt nach Teheran zurückkehrte. Die Dreissigjährige zeigt in der Ausstellung «Inner Selfie» Werke, die während ihrer Zeit in der Schweiz entstanden sind sowie einige ältere Arbeiten. Parallel werden die Gemälde der Iranerin Elnaz Farajollahi gezeigt, die ebenfalls am Programm «Artist in Residence» teilnahm. Die Doppelausstellung dauert bis 24. Januar.

SI Style: Nastaran Safaei, was hat Ihnen in der Schweiz am besten gefallen?
Nastaran Safei: Hier ist es so ruhig und friedlich. Das war sehr wichtig für mich und meine Arbeit. Es gibt viel positive Energie, und du fühlst dich sicher. Natürlich ist auch die Natur sehr schön.

Welcher war Ihr schönster Moment?
Ich glaube, beim Arbeiten in den Studios war ich am glücklichsten. Aber ich nahm auch die Gelegenheit war, die Schweiz zu erkunden, ich besuchte Genf, Zürich, Bern und Basel und mochte sie alle.

Wie hat die Schweiz Ihre Arbeit beeinflusst?
In Luzern habe ich überall Engel gesehen. Das Motiv habe ich in einer Arbeit aufgenommen und kombiniert mit einem Glücksstein aus dem Iran, der in unserer Tradition für Schutz steht. Ein anderes Mal habe ich aus einem Stück Leinwand ein Kleid gefertigt und es mit meinen blossen Händen bedruckt. Danach fotografierte ich das Kleid an all den Orten in Luzern, wo ich mich am liebsten oder am häufigsten aufhielt. Es ist eine Dokumentation meiner Zeit hier.

Nastaran Safaei
© Nastaran Safaei

Nastaran Safaei, Kleid aus Leinwand, 2014. Das Muster besteht aus Abdrücken ihrer Hände und Finger. Safaei fotografierte das Kleid an diversen Orten in Luzern, wo sie sich gern aufhielt, wie etwas beim KKL oder auf der Kapellbrücke.

Was denken Sie, wenn Sie junge Frau von hier sehen? Ist das Leben sehr anders als im Iran?
Natürlich ist das Leben anders. Aber als Künstlerin fühle ich mich sehr gut in meinem Land. Es waren wunderbare zwei Monate hier, Heidi und Franz Leupi sind so liebenswürdig. Trotzdem bekam ich nach etwa einem Monat Heimweh.

Fühlen Sie sich im Iran frei als Künstlerin?
Ja, ich fühle mich absolut frei. Ich habe meine eigene Wohnung, meine Arbeit, meine Freunde. Ich kann von meiner Kunst leben, bin nicht reich, aber es reicht. Iran hat seine Probleme, wie jedes andere Land auch.

Können Sie Ihr Werk «Flying», eine nackte Brust mit Flügeln, zeigen?
Nein, öffentlich kann ich diese Arbeit nicht zeigen. Aber an privaten Veranstaltungen geht es. Ich mache alles, was ich möchte.

Begeben Sie sich nicht in Gefahr, wenn Sie solche Kunst machen?
Nein, das ist kein Problem. Teheran ist reich an Kunst, es hat eine hohe Dichte an Galerien, und es leben sehr viele Künstler dort. Jedes Wochenende gibt es irgendeine Kunstveranstaltung.

Nutzen Sie soziale Medien?
Ja, ich bin oft auf Facebook, manchmal auf Instagram. Das ist für mich sehr wichtig, um meine Ausstellungen zu promoten.

Wer kauft Ihre Kunst?
Da ich die meisten Ausstellungen in Iran mache, sind es meistens iranische Sammler. Aber ich habe auch ein paar Käufer in Europa, da ich zum Beispiel auch schon in Berlin ausgestellt hatte.

Wie geht es weiter?
Wenn ich zurück bin, werde ich sofort loslegen mit neuen Projekten. Ich spüre, dass sich in mir etwas verändert hat. Ich konnte andere Materialien testen, einfach drauflosarbeiten. Ich kehre voller Energie zurück.

Nastaran Safaei

Die Künstlerin Nastaran Safaei.

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