Steffi Buchli «Die Zukunft könnte ich mir gut mit Kind vorstellen»

Eishockey und Eyeliner, Boxen und Backen, Fussball und Frisuren: Die Kompetenzen der Sportmoderatorin Steffi Buchli sind breit gefächert. Schlagfertig pariert die Quotenfrau jede Kritik.
Steffi Buchli
© Lauretta Suter

Steffi Buchli auf der Dachterrasse ihres Hauses am Zürichsee. Der Cowboy-Gürtel wa das erste Geschenk ihres Mannes.

Unseren Besuch bei ihr zu Hause am Zürichsee kündigte die smarte Sport moderatorin via Instagram an. Die 36-Jährige bewegt sich auf den Social-Media-
Kanälen so wendig wie auf der Skipiste – wo sie Pirouette an Pirouette reiht, wie man auf Facebook sehen konnte. Dort mögen sie knapp 14 000, auf Twitter folgen ihr sogar über 50 000. Es mache ihr Spass, so in Kontakt mit den Zuschauern zu kommen, man dürfe es aber nicht scheuen, dass sich dann auch Leute melden, die einen «schaurig doof» finden, sagt sie. Bei ihren Fernsehauftritten überlässt sie indes nichts dem Zufall: Minutiöse Vor- und Nachbereitung gehören dazu. Die Zürcherin schaut sich ihre Beiträge selbstkritisch jeweils nochmals an, um sich stets zu verbessern. Im Studio trägt sie immer High Heels – mindestens neun Zentimeter. Das hat sie sich selber auferlegt: «Das Fernsehen ist fies und macht einen breiter, als man ist.» Privat tun es Turnschuhe, und ihr roter Schopf steckt meist unter einer Mütze.

SI Style: Was ist Ihre natürliche Haarfarbe?
Steffi Buchli: Ein nüteliges Braun. Ich habe es allerdings nun länger nicht mehr gesehen und mich schon gefragt, ob es mittlerweile wohl Grau ist.

Ihre Frisur an den «Sports Awards» 2013 warf hohe Wellen. Trifft Sie Kritik an Ihrem Look?
Früher, um die zwanzig, hätte ich gern allen gefallen. Ich merkte aber ziemlich schnell, dass das nicht möglich ist. Seit ich diesen Anspruch nicht mehr habe, lebe ich viel besser. Natürlich ist im Fernsehen das Aussehen ein Gesprächsthema. Wichtig ist, dass man authentisch bleibt. Ich habe noch nie einen Auftritt hingelegt, wo ich nicht ich selbst war. Fachliche Kritik würde mich viel mehr stressen.

Garderobe Steffi Buchli
© Lauretta Suter

Unter dem Dach haben sich Steffi Buchli und ihr Mann Florian Kohler eine Ankleide eingerichtet.

War es schwierig, sich als Frau in dieser männerdominierten Welt zu behaupten?
Wenn sich ein Mann zu Beginn einen Flüchtigkeitsfehler leistet, wird ihm das nicht übel genommen. Passiert es einer Frau, wird schnell ihre Kompetenz in­frage gestellt. Meine burschikose und schlagfertige Art hilft mir im Umgang mit den Männern. Ich komme in der Sportwelt so sehr gut zurecht.

Was schauen Sie lieber, Frauen- oder Männerfussball?
Weil mehr Männerfussball läuft, schaue ich den häufiger. Aber gerade bei Grossanlässen wird deutlich, auf welch hohem Niveau die Frauen spielen. Die WM im Juni mit Beteiligung des Schweizer Teams werde ich mit Begeisterung verfolgen.

Warum sind Sie ausgerechnet Sportmoderatorin geworden?
Ich war schon immer sportbegeistert, mein Vater nahm uns früher zu seinen Firmen-Fussballmatchs mit. Bis 22 spielte ich intensiv Unihockey. Als ich einen Stage beim Schweizer Fernsehen machte, war für mich sofort klar, dass es bei der Sportredaktion sein sollte: So emotionale Bilder wie der Sport liefert kaum ein Bereich. Ausserdem vertrage ich schlechte Nachrichten nicht gut – und News sind leider meistens schlecht.

Verfolgen Sie einen strikten Ernährungsplan?
Nein. Unser Job bringt die Gefahr von zu vielen Sandwich-Verpflegungen mit sich. In den letzten Jahren habe ich mir angewöhnt, gesundes Essen wie einen Linsensalat vorzubereiten und mitzunehmen. Fleisch und Fisch esse ich gar nicht. Dafür nehme ich ständig Nahrungszusätze wie Eisen und Vitamine zu mir.

Essen Sie Chips beim Fernsehen auf dem Sofa?
Oh ja! Das muss schon mal sein, aber bewusst. Ich beschränke «Trash­food»-Mahlzeiten auf ein Minimum.

Welche Sportlerin bewundern Sie am meisten, und warum?
Steffi Graf hat mich nachhaltig beeindruckt. Ich traf sie vor etwa zwei Jahren zusammen mit ihrem Mann Andre Agassi zu einem Interview. Nebst 
allem, was sie auf dem Tennisplatz geleistet hat, ist sie mit vollem Herzen sozial engagiert. Und diese Frau ist übrigens noch so fit, als würde sie morgen auf die Profitour zurückkehren.

Ihre Lieblingssportart?
Eishockey.

Ihr Mann Florian Kohler ist CEO von Swiss Ice Hockey. Haben Sie sich am Rande des Eisfelds kennengelernt?
Nein, beim Fernsehen. Damals arbeitete er bei der Unterhaltung und produzierte Shows. Erst später kam er zum Eishockey.

Sie sind oft am Wochenende oder abends engagiert. Belastet das die Beziehung?
Mein Mann kannte es mit mir nie anders. Am Sonntag schauen wir meistens zusammen die Agenda an und versuchen, einen Abend zu blockieren, den wir für uns haben. Alles andere ist Zugabe. Ich freue mich – nach so vielen Jahren – immer noch jedes Mal auf ihn.

Ist das Ihr Erfolgsgeheimnis?
Ja, für mich ist es das Rezept. Ich habe Angst vor Regelmässigkeit. Gleichzeitig können wir aber auch gut drei Wochen am Stück Ferien zusammen verbringen, ohne uns auf die Nerven zu gehen.

Spricht Ihre Angst vor Regelmässigkeit gegen eine eigene Familie?
Das war bislang kein Thema, weil ich die letzten paar Jahre karrieremässig als sehr spannend empfand. Ich habe lange dafür gearbeitet, um an die Position zu gelangen, wo ich seit drei Jahren stehe.

Und jetzt?
Die Zukunft könnte ich mir gut mit Kind vorstellen. Aber wenn es etwas im Leben gibt, das man nicht planen kann, dann wohl Kinder.

Sie spielen Tennis und fahren Ski. Welche Sportart würden Sie ausserdem gern ausüben?
Boxen. Ich habe es einmal probiert, und es hat mir wahnsinnig gut gefallen. Leider finden die Trainings meist abends statt, wenn ich arbeite.

Sie scheinen eher ein Rowdy zu sein.
War ich schon immer. Auf dem Pausenplatz traf man mich öfter in der Fussball- als in der Gummitwistfraktion an.

Ihre sanfte Seite?
Ich stehe recht oft unter Strom und überspanne manchmal den Bogen. Dann muss ich zur Ruhe kommen, was mir zu Hause am besten gelingt. Yoga hilft mir seit Kurzem dabei, diese Ruhe schneller zu finden. Ich kann gut stundenlang mucksmäuschenstill verbringen. Aber das musste ich erst lernen.

Auf Ihrer Website listen Sie das ­traurige Guggisberglied als einen Ihrer Allzeit-Favoriten auf. 
Was ­bedeutet es Ihnen?
Es berührt mich unglaublich. Es hat solch ein Drama in sich, das geht direkt unter die Haut.

Was bringt Sie zum Weinen?
Vieles. Siegerehrungen, Serien mit dramatischem Ende, rührseliges Kino – sogar beim Kinderfilm «Paddington» musste ich weinen! Und natürlich, wenn es in meinem Umkreis jemandem nicht gut geht.

Wohnzimmer Steffi Buchli
© Lauretta Suter

Im Wohnzimmer von Steffi Buchli wurde eine alte Stereoanlage mit einem iPhone-Anschluss versehen.

Wie starten Sie in den Tag?
Ich bin ein Morgenmuffel! Als Erstes trinke ich gern eine Tasse Tee und lasse mir Zeit, eine Weile im Halbschlaf zu wandeln. Wenn mein Körper mal hochgefahren ist, versuche ich, Sport zu machen. Energiemässig bin ich abends auf dem Peak.

Welche Seite von Ihnen würde wohl die Zuschauer am meisten erstaunen?
Viele glauben, mein Leben bestehe aus Toren und Ranglisten. Dabei war ich neulich im Kunsthaus, gehe gern an Konzerte, lese auch mal ein Buch über Feng- Shui. Ich habe viele Leidenschaften.

Auf Facebook posteten Sie einen Apfelkuchen mit dem Spruch: «Housewife, gar nicht mal so desperate». Ist Backen auch eine Leidenschaft?
Das wäre übertrieben. Ich bin gut im ­Improvisieren: Was der Kühlschrank an Resten hergibt, kann ich recht kreativ zu einem Gericht verarbeiten. Hingegen koche ich nicht gern nach Rezept und vermeide aufwendige Gerichte, wenn ich Besuch habe. Ich lasse dann lieber die ­Lasagne im Ofen schmoren, während ich mich selber zu den Gästen geselle.

Und wer steht bei Ihnen daheim mehr in der Küche?
Ich. Aber auf den gesamten Haushalt bezogen, da muss ich fair bleiben, hilft mein Mann mit.

Wann waren Sie zum letzten Mal richtig glücklich?
Zum Glück immer mal wieder. Holz anfassen (klopft dreimal auf den Tisch)! In meinem Leben gab es bisher viel Anlass zum Glücklichsein. Das hat auch damit zu tun, dass ich das Glück im Kleinen finde, diesbezüglich habe ich ein gutes Gemüt auf den Weg mitbekommen.

Ihre Zukunftspläne?
Gut, wird im Sport nie zweimal die genau gleiche Geschichte geschrieben, es macht mir noch immer Spass. Mich interessieren Menschen, meine Passion liegt in den Talks. Und die würden mich durchaus auch ausserhalb des Sports reizen.

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