«Ich erinnere mich an mein Schlachtfeld!» Warum Keira Knightley sich von Kate Middleton verraten fühlt

Keira Knightley bittet Frauen, Schluss zu machen mit der «Wenn du dein Baby erst mal in den Armen hältst, ist aller Schmerz vergessen»-Lüge. Und kritisiert dabei insbesondere Herzogin Kate.
Keira Knightley
© Getty Images

An die Geburt von Tochter Edie, 3, hat Keira Knightley sehr bildhafte Erinnerungen – und scheut sich nicht, diese zu teilen.

Die Social-Media- und Real-Life-Community The Pink Protest, die Aktivistinnen und Meinungsmacherinnen eine Plattform bietet, erreicht ihre Follower und die, die es noch werden wollen/sollen, neu auch ganz analog in Buchform. «Feminists Don’t Wear Pink  And Other Lies» ist Ende September erschienen, gefüllt mit Essays und Geschichten von starken, engagierten Frauen. Darunter auch Emma Watson, Saoirse Ronan, Kat Dennings – und Keira Knightley.
Die 33-jährige Schauspielerin schreibt über ihre Erfahrungen 
mit männlichen Kollegen am Set, den sexistischen Doppelstandard ihrer Branche, aber auch über den Druck, den sich Frauen gegenseitig machen. Ganz konkret – und sehr explizit – geht sie dabei auf das Schönreden und gleichzeitig Totschweigen von Geburten ein.

Kate Middleton und Prinz William mit Tochter Charlotte
© Getty Images

Sieben Stunden nach der Geburt von Prinzessin Charlotte präsentierte sich Herzogin Kate frisch geföhnt und makellos geschminkt der Welt.

«Versteck es. Versteck unseren Schmerz und unsere zerrissenen Körper»

Am 1. Mai 2015 bringt Keira Knightley ihre Tochter Edie zur Welt. Unter Kampf, Schmerzen, Erbrechen und «einer zerrissenen Vagina». Einen Tag später wird Prinzessin Charlotte von Cambridge geboren. Keira verfolgt am Krankenhaus-Fernseher, wie sich Mama Kate Middleton sieben Stunden nach der Geburt der Öffentlichkeit präsentiert. Im gelb-beblümten Sommerkleid, mit Locken, die aus einer Shampoo-Werbung stammen könnten, perfekt manikürten Nägeln, Mascara, Rouge … Für Neu-Mami Keira ein Schlag ins Gesicht: 

Wir stehen hier und schauen auf den TV-Bildschirm. Sie hat das Krankenhaus bereits verlassen, sieben Stunden nach der Geburt, mit geschminktem Gesicht und High Heels an den Füssen. Das Gesicht, das die Welt sehen will. Versteck es. Versteck unseren Schmerz, unsere zerrissenen Körper, unsere auslaufenden Brüste, unsere verrückt spielenden Hormone. Sei schön. Sei stylisch, zeig nicht dein Schlachtfeld, Kate. Sieben Stunden nach deinem Kampf um Leben und Tod, sieben Stunden nachdem dein Körper aufgebrochen und blutiges, schreiendes Leben herausgekommen ist. Zeig es nicht. Erzähl es nicht. Steh da mit deinem kleinen Mädchen und lass dich von einem Haufen Männer fotografieren.

Obwohl wir glauben, dass auch Kate Middleton möglicherweise gerne länger im Krankenhaus geblieben wäre, in ihrem Bett, mit ihrer neugeborenen Tochter, mit Privatsphäre, dafür ohne Make-up und Heels, verstehen wir Keiras Punkt. In ihrem Essay «The Weaker Sex», das schwache Geschlecht, das sie ihrer Tochter gewidmet hat, geht es der Schauspielerin schliesslich auch ums Prinzip. 

Ich erinnere mich an die Scheisse, die Kotze, das Blut, das Genäht werden. Ich erinnere mich an mein Schlachtfeld. Dein Schlachtfeld und dein pulsierendes Leben. Überleben. Und wir sollen das schwächere Geschlecht sein?!

Über die unfairen, unausgeglichenen Standards, die Gender Pay Gap und die geschlechterspezfischen Vorurteile wird endlich gesprochen, ganz langsam etwas an ihnen geändert. Aber was ist mit dem Druck und den Erwartungen, die sich Frauen gegenseitig auferlegen? Model Adriana Lima lief zwei Monate nach der Geburt ihrer Tochter in Dessous über den Victoria's-Secret-Laufsteg. Kollegin Heidi Klum liess sich sogar nur fünf Wochen Zeit, nachdem Lou, Kind Nummer 4, 2010 auf die Welt gekommen war. Kim Kardashian und Kylie Jenner prahlten schon kurz nach der Geburt via Instagram mit ihren antrainierten Wespentaillen. Was das mit Müttern macht, die Schmerzen haben, sich nicht direkt ins Fitnessstudio schleppen können/wollen und auf Fotos zwar glücklich, aber erschöpft und müde statt nach Lingeriemodel aussehen? Keira Knightley hat das sehr eindrücklich auf den Punkt gebracht.

 
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