Beleidigungen gegen Emily Ratajkowski und Amy Schumer Was hat sich nach dem Start der #metoo-Debatte effektiv verändert?

Ein Jahr ist es her, dass das Hashtag um die Welt ging. Die Kommentare gegen Emily Ratajkowski und Amy Schumer nach ihrem Kavanaugh-Protest lassen uns fragen: Was hat sich seitdem getan?
Emily Ratajkowski, Amy Schuber, Kirsten Gillibrand
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Model Emily Ratajkowski, Schauspielerin Amy Schumer und US-Senatorin Kirsten Gillibrand während der Proteste gegen die Wahl von Brett Kavanaugh zum obersten Richter der Vereinigten Staaten. 

Vor einem Jahr brachen die Frauen ihr Schweigen. Der US-amerikanische Filmproduzent Harvey Weinstein wurde vermehrt der sexuellen Belästigung beschuldigt. Um eine Gemeinschaft zu schaffen und es Frauen zu erleichtern, mit ihren eigenen Erlebnissen an die Öffentlichkeit zu gehen, rief Schauspielerin Alyssa Milano das Hashtag #meetoo ins Leben. 

Das Hashtag ging um die Welt. Frauen sowie Männer standen auf und trauten sich ihre traumatisierenden Erfahrungen mit sexuellem Missbrauch zu teilen. Das ewige Tabuthema war gebrochen – sogar in Hollywood. Die #timesup-Bewegung ging Mitte Mai diesen Jahres noch weiter. Während der Filmfestspiele in Cannes fanden sich 82 Schauspielerinnen – darunter Cate Blanchett, Kristen Stewart und Léa Seydoux – auf dem roten Teppich zusammen und protestierten für mehr Gleichberechtigung der Geschlechter. Sprich: gleiche Gehälter und faire Rollenverteilungen. 

Wie viel änderte sich im letzten Jahr für Frauen wirklich?

Erst kürzlich protestieren Emily Ratajkowski und Amy Schumer zusammen mit tausenden Frauen gegen die Wahl von Brett Kavanaugh zum Richter im Obersten Gericht der USA. Die US-amerikanische Professorin Christine Blasey Ford hatte ihn zuvor der sexuellen Nötigung beschuldigt, im Laufe ihrer Anhörungen meldeten sich zwei weitere Opfer. Dass Kavanaugh trotz dieser Beschuldigungen zur Wahl aufgestellt wurde, gilt wohl als erster Rückschlag der #metoo-Debatte. Um den Senat davon zu überzeugen, den 53-Jährigen nicht ins Amt zu wählen, zogen vergangene Woche viele Aktivistinnen auf die Strassen Washingtons. Darunter auch Emily Ratajkowski und Amy Schumer. Zusammen mit 302 anderen Protestierenden wurden die beiden auf Grund «illegaler Demonstrationen in einem Senatsgebäude» festgenommen – Rückschlag Nummer 2. In den Medien und sozialen Netzwerken wurde allerdings nicht nur der mutige Einsatz der berühmten Demonstrantinnen thematisiert. Emily Ratajkowski wurde hauptsächlich auf die Tatsache reduziert, dass sie während des Protests keinen BH trug.

Kommentare wie «Niemand nimmt dich ernst. Aber süsses Outfit», «Ist mir egal was sie sagt, solang ich weiter auf ihre Brüste starren kann» oder «Wieso keinen BH?» kursierten anschliessend im Netz. Auch Kollegin Amy Schumer geriet in die Kritik. Via Instagram teilte sie nun mit ihren Fans, was für heftige Beleidigungen sie über sich ergehen lassen muss.

Beleidigungen Amy Schumer
© instagram/amyschumer

Diese unglaublichen Sprüche, die teilweise sogar von Frauen stammen, lassen sich wohl als dritten Rückschlag verzeichnen. Doch die wohl traurigste und schwerwiegendste Niederlage für die #metoo-Bewegung ist eine andere. Der Jurist Brett Kavanaugh wurde am 6. Oktober, trotz der Aussagen von Blasey Ford, mit rund 50 von 98 Stimmen zum Richter des Supreme Court ernannt. 

Fakt ist: #meetoo und #timesup brachen ein Tabuthema. Frauen werden gehört und schämen sich nicht länger, öffentlich zu einem Missbrauch zu stehen. Auch Männer wurden auf die Debatten aufmerksam und liessen im vergangen Jahr Taten sprechen. Schauspieler Benedict Cumberbatch beispielsweise nimmt nur noch Rollen an, wenn seine weiblichen Kolleginnen gleichviel verdienen wie er. Trotzdem sind Diskriminierungen, die Gender Pay Gap und die Akzeptanz von  Politikern, die Frauen missbrauchen, auch ein Jahr nach dem grossen Knall noch immer ein allgegenwertiges Thema. Bis eine vollkommende Gleichberechtigung von Frauen und Männern im Alltag wirklich gelebt wird, müssen wir uns wohl noch etwas gedulden – auch hierzulande.

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