Oscars 2015 «And the Oscar goes to...»

Endlich nach vielen öden Jahren mal wieder eine Oscar-Show, die die Freinacht vor dem Fernseher und die tiefen Augenringe morgens um sechs Uhr wert war. 
Oscars 2015
© Getty Images

Die strahlenden Sieger: J.K Simmons, Patricia Arquette, Julianne Moore und Eddie Redmayne

Der Gastgeber, der hierzulande wenig bekannte Comedian Neil Patrick Harris, hat souverän durch die langen Stunden geführt, die frechen Sprüche kamen wie spontan, tanzend und singend und selbst nur in Birdmans Unterhose machte er gute Figur. Dass die Dankesreden weitgehend wieder ein endloses namedropping waren, darf man nicht ihm anlasten. Ein paar der Reden der Gewinner waren dann sehr ernsthaft, plädierten für künstlerische und Meinungs-Freiheit sowie Bürgerrechte und entlocktem der Festgemeinde im Dolby Theatre einige Tränen.

Oscars 2015

Comedian Neil Patrick Harris wagte sich nur mit einer weissen Unterhose auf die Bühne.

Ernst und Tränen waren ja auch angebracht bei Filmen wie «Citizenfour», «Selma», «Crisis Hotline» und «Imitation Game». Die einzige verbale Grenzüberschreitung erlaubte sich – ja wer wohl? – Querkopf Sean Penn, der Laudator der Königskategorie Bester Film, der verdientermassen an dem Mexikaner Alejandro González Iñárritu mit «Birdman» ging: Penn öffnete das Couvert und liess sich zwischen «and the Oscar goes to» und der Namensnennung gaaanz lange Zeit und schob noch sein «Wer hat dem Kerl die Green Card gegeben?» ein. Kerl hat er nicht gesagt, der genaue Wortlaut war härter, wenig druckfähig... «Birdman», diese famose Showbuzz-Satire, holte ausserdem das Goldmännchen fürs beste Drehbuch und die beste Kamera. Ebenfalls überaus gerechtfertigt. Eigentlich darf man als Kino-Fan mit allen Gewinnern hoch zufrieden sein. Auch wenn fast alle Nominierten der wichtigen Kategorien (Haupt- und Nebenrollen, männlichen wie weiblichen, Regie und Drehbuch) das höchste Lob der Branche gegönnt hätte, so war doch Eddie Redmayne ein so verdienter wie erfrischend entzückter Hauptrollen-Gewinner, und Julianne Moore hat sich nach fünf Nominationen den Oscar (weibliche Hauptrolle) als alzheimerkranke Alice schwer erarbeitet. Und J. K. Simmons als sadistischer Lehrer ist eine Wucht und schon längst für eine Anerkennung fällig. Auch mit Patricia Arquette (weibliche Nebenrolle) ging der Preis an die richtige Schauspielerin; allein schon für ihre Ausdauer (die Filmarbeiten an «Boyhood» dauerten zwölf Jahre) und für ihren Mut, vor aller Augen zwölf Jahre zu altern.

Altern ist ja DAS no go in Hollywood, dass es auch ohne geht, bewiesen einmal mehr eine mimikfreie Nicole Kidman und eine straffgezogene Shirley MacLaine oder die Herren John Travolta und Eddie Murphy, die seit Jahren keinen Tag älter geworden zu sein schienen. Kein Problem mit der Reife bewiesen Altmeister Robert Duvall, mit 84 der älteste je nominierte Schauspieler, und der grosse gleichaltrige Clint Eastwood. Seinem «American Sniper» hätten wir noch den einen oder anderen Oscar gegeben, der fürs Sound mixing scheint für das Meisterwerk eher ein Trostpreis. Auch seinen Hauptdarsteller Bradley Cooper (er war dreimal in Folge nominiert!) hätten gern mit der Trophäe in der Hand gesehen. Aber Cooper wird eh mit jedem Film besser – vielleicht klappts ja nächstes Jahr.

Trotz positivem Fazit der Oscars 2015 –als Nostalgikerin, die seit 25 Jahren dabei ist (wenn auch nur per TV), fand man die Shows früher fetziger, die Hosts kultiger und die Reden bissiger oder lustiger, unbestritten gleich gut sind – und das ist ja das Wichtigste – die oscar-gekürten Filme. Einige sind jetzt oder bald im Kino zu sehen. Viel Vergnügen!

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