Zeitgeist Mathieu Jaton, Montreux Jazz Festival

Der Direktor des Montreux Jazz Festival nutzt Spotify, hört aber privat nur Vinyl und würde gern AC/DC engagieren. 
Mathieu Jaton Illustration
© Elisabeth Moch

Mathieu Jaton, Direktor des Montreux Jazz Festival.

SI Style: Ist Ihr Job tatsächlich derselbe, wie ein Hotel zu führen, wie Claude Nobs einmal sagte?
Mathieu Jaton: Ja, in Montreux schon. Claude sah sich immer als Gastgeber, nicht als Veranstalter. Dieser Geist prägt. In einem Hotel arbeiten übrigens 37 Berufsgruppen, an einem Festival sind es 45.

Wann haben Sie Nobs kennengelernt?
1991 im Büro von Warner Music in Mon­treux, da war ich sechzehn: Er nahm sich eine Stunde Zeit, um die Songs meiner damaligen Band Silk Waves anzuhören.

Verspüren Sie nie Lust, selber auf­zutreten?
Nein. Heute spiele ich hin und wieder für meine sechsjährige Tochter Gitarre, aber nur zu Hause.

Erinnern Sie sich an Ihren ersten Plattenkauf ?
Ja. Mit zwölf kaufte ich mir das Debüt von Terence Trent D’Arby. Ich mochte seine Stimme und diesen Rhythmus, das war damals neu.

Welche Platte kauften Sie zuletzt?
Das aktuelle Album der Eels, «The Cautionary Tales of Mark Oliver Everett».

Eels spielen diesen Sommer an Ihrem Festival. Wurde Ihnen diese CD nicht ins Büro geliefert?
Doch, im Büro nutze ich auch Spotify und Youtube. Privat höre ich nur Vinylalben. Ist einfach der bessere Klang.

Welcher Song hat Sie am stärksten geprägt?
«Creep» von Radiohead. Keine Ahnung, warum, aber wenn ich diesen Song höre, vibriert einfach alles.

Mit Ihrem Jahrgang 1975 wäre ein Technotrack naheliegender.
O nein, House mag ich nicht.

Welche Band könnten Sie immer wieder live sehen?
Definitiv Archive, die habe ich sicher schon zehnmal gesehen. Bei ihnen weiss man nie, wohin sich ein Song entwickelt, da ist jedes Konzert etwas total Neues. 

Sie wollen das Festival zurück zum Jazz führen. Was bedeutet das?
Letztes Jahr haben wir den New Mon­treux Jazz Club ins Leben gerufen: ein Klub mit 350 Sitzplätzen und runden Tischen. Das ist sehr intim, wie es zu den Anfangszeiten des Jazz war.

Wie wird das Festival 2024 sein? 
On ne sait jamais. Wir planen maximal drei Jahre voraus. So lange geben wir Ideen Zeit, sich zu etablieren. Aber die Neugier auf neue Musik wird bleiben. 

Was schätzen Sie an unserer Zeit?
Die Freiheit, zu denken, was man will. Und die Möglichkeit, Visionen wie Social Media zu verwirklichen, vor allem in der Schweiz.

Welchen Ratschlag geben Sie Ihrer Tochter mit auf den Weg?
Hör dir jede Art von Musik an. Sei du selbst. Respektiere die anderen. 

Welche Bands würden Sie selbst gern live in Montreux sehen?
AC/DC wären grossartig. Oder Red Hot Chili Peppers. Oder eine All-Star-Band mit Bowie, Daft Punk und Jack White.

Mathieu Jaton, 39, hatte zwölf Jahre mit «Funky Claude» Nobs zusammengearbeitet, bevor der gelernte Hotelier 2013 die Leitung des Montreux Jazz Festival übernahm. Die nächste Ausgabe findet von 3. bis 18. Juli 2015 statt.

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