Zeitgeist Pedro Lenz, Autor

Der Autor Pedro Lenz über Schweizerdeutsch im Wandel, die Welt in Grün und Fussball, der ihn von Büchern weglocken mag. 
Pedro Lenz
© Elisabeth Moch

Autor Pedro Lenz.

SI Style: Sie tragen den Frühling im Namen. Welche ist Ihre Lieblingsjahreszeit?
Pedro Lenz: Da ich von meinem Naturell her ein Gfrörli bin, ist mir der Sommer am liebsten.

Wie hoch war Ihr erster Stundenlohn?
Mit etwa elf Jahren durfte ich für einen Freund als Blumenausläufer einspringen. Dafür gab es 50 Rappen pro Stunde, was mich schon damals sehr wenig dünkte.

Seit wann können Sie vom Schreiben leben?
2001 fällte ich ganz bewusst den Entscheid, voll auf die Schreiberei zu setzen, und gab alle meine Nebenjobs in der Jugendherberge und der Disco auf.

Wann schnappen Sie die besten Geschichten auf ?
Meistens, wenn ich es nicht erwarte. Es ist tatsächlich ein Aufschnappen und funk­tioniert kaum mit konkretem Suchen.

Sie schreiben in Mundart. Wann wird das Schweizerdeutsch untergehen?
Das erleben wir beide nicht mehr. Das Schweizerdeutsch verändert sich wie jede Sprache, aber als Umgangssprache ist es nicht gefährdet. Gerade weil es die ­Fähigkeit hat, englische und deutsche Begriffe zu adaptieren, wird es überleben.

Was ist Ihre früheste Erinnerung?
Da habe ich ein Bild im Kopf: Ich hatte ein Dächlikäppli mit einem grünen, transparenten Visier. Zog ich es mir tief ins Gesicht, war die Welt in Grün getaucht.

Mit wem würden Sie gern einen Tag verbringen?
Mit dem spanischen Rocksänger Joaquín Sabina. Das wäre sicher hochinteressant.

Und eine Nacht?
Auch mit ihm. Nach einem seriösen Tag würde ich nachts mit ihm um die Häuser ziehen.

Was macht alt?
An nicht verwirklichten Träumen herum­studieren.

Was ist am längsten in Ihrem Besitz?
Eine 100-Peseta-Münze, ein Geschenk meiner Grossmutter und schon damals antik. Ich liess mal abklären, wie hoch ihr Wert ist – weniger als ein Goldvreneli.

Wer ist Ihr immerwährender Held?
Als Junge war es mein Vater, heute habe ich keine Helden mehr, weil ich weiss, dass alle ihre Schattenseiten haben.

Welches Buch wurde Ihnen als Kind vorgelesen?
«Max und Moritz», von unserem Vater.

In welchem Moment werden Sie zum Nichtleser?
Läuft ein Fussballspiel, zieht mich das von fast jedem Buch weg.

Woran krankt unsere Zeit?
Zu viele Informationen und zu wenig Zeit, diese zu verarbeiten. 

Was schätzen Sie an unserer Zeit?
Dass wir Menschen so viele Möglich­keiten haben, miteinander in Kontakt zu treten, sei es technisch oder physisch.

Heute soll das Glück Sie finden. Was ziehen Sie dafür an?
Einen schön leichten, eng sitzenden, modischen Anzug, ein Paar rahmen­genähte Lederschuhe und ein Hemd. That’s it.

Pedro Lenz, 49, lebt als freier Schrift­steller und Kolumnist in Olten. Das neue Buch «Radio» ist eine Sammlung seiner «Morgengeschichten» auf Radio SRF 1, Verlag Der Gesunde Menschenversand. pedrolenz.ch

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