Zeitgeist Tom Dixon

Der britische industriedesigner, der ­entwirft und produziert, tut alles dafür, dass ihn seine Objekte überdauern.
tom dixon
© Elisabeth Moch

Der britische Industriedesigner Tom Dixon, illustriert von Elisabeth Moch. 

SI Style: Kommt zuerst die Form oder die Funktion?
Tom Dixon: Für mich ist es unmöglich, diese zwei Komponenten zu trennen – beide sind im Design ganz wesentlich.

Was macht ein Designstück zeitlos? 
Zeitlosigkeit findet man üblicherweise in einem Objekt, welches das erste seiner Art ist. Wenn es nicht das Ergebnis einer Modeströmung ist oder wenn es wirklich gut funktioniert.

Wie lange brauchen Sie, um ein neues Design zu entwickeln? 
Jedes Objekt hat seine eigene Geschichte, und ich habe immer noch sehr viele Ideen, die auch nach zehn Jahren noch nicht ausgereift sind. Aber in der Regel benötigen wir etwa ein Jahr.

Wann haben Sie die besten Einfälle?
Wenn ich über etwas anderes nachdenke. Rennradfahren eignet sich oder Kochen. Aber die meisten Ideen kommen mir, wenn ich bei Fabrikbesuchen sehe, wo das Potenzial eines Herstellungsverfahrens oder einer Maschine liegt. 

Welche Rolle spielt Langlebigkeit in Ihrem Schaffen?
Ich arbeite immer härter daran, einen Weg zu finden, wie meine Produkte so lange wie möglich überdauern. Mir graut vor der Vorstellung, dass meine Entwürfe nach einer gewissen Zeit recycelt werden. Ich möchte, dass sie mit dem Alter besser werden und noch in hundert Jahren wertvoll aussehen.

Was ist am längsten in Ihrem Besitz?
Mein Motorrad California von Moto Guzzi habe ich seit 22 Jahren.

Welches Möbelstück kauften Sie sich zuletzt?
Einen Schaukelstuhl auf Ebay.

Welche Epoche ist für Sie in Bezug auf das Design die spannendste?
Die Sechzigerjahre: Da wurden erstaunliche Fortschritte bezüglich Materialien erreicht, es herrschte ein Optimismus, allem Neuen wurde zugestimmt.

Was schätzen Sie an unserer Zeit? 
Ich mag den Fakt, dass wir uns in einer Epoche von bemerkenswerten Veränderungen befinden, unterstützt durch die  digitale Ära, die einer Revolution gleichkommt. Wir sehen gerade dabei zu, wie eine völlig neue Welt entsteht.

Woran leidet unsere Zeit? 
Wir verlieren auf unserer Schnellstrasse Richtung Globalisierung wertvolle Errungenschaften – sei es in der Natur, in den Sprachen, Traditionen oder auch im Wissen –, die uns auf eine andere Art bereichern als Geld.

Wenn Sie Ihre Karriere betrachten, gibt es etwas, das Sie anders machen würden? 
Im Nachhinein ist man immer schlauer; mit dem heutigen Wissen würde ich alles anders machen – ich könnte reich und berühmt sein! Aber bislang ist es trotzdem nicht so schlecht herausgekommen.

Was möchten Sie gerne noch erreichen oder lernen? 
Ich möchte gerne lernen zu fliegen, und was das Designen betrifft, muss ich sagen, habe ich eben erst begonnen.

Tom Dixon, 54, begann seine Karriere als Punkmusiker, bevor er beim Reparieren ­kaputter Motorräder seine künstlerische Ader entdeckte. Das Interview fand anlässlich seines Besuchs in Zürich an der Messe Neue Räume statt. tomdixon.net 

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