Oscars 2014 Viel Augenfutter, wenig Show und keine Überraschungen

Wer die lange Oscar-Nacht verschlafen hat, hat vor allem viel Augenfutter verpasst, an Überraschungen, Dankesreden und Show eher wenig, an Aufregern oder gar Skandalen gar nix. 
oscars 2014
© Imago

Strahlende Sieger: Matthew McConaughey, Cate Blanchett, Lupita Nyong’o und Jared Leto.

Von vorne: Es waren alle da, prächtig aufgeschickt, wie sich das für die weltgrösste Party gehört, Zuschauer eingerechnet! Von A wie Angelina (schön und jugendlich wie immer) bis Z wie Zac Efron (echt jung). Erklärtes Ziel der Show war ja eine Verjüngung. Mit Laudatoren wie Harrison Ford, Robert De Niro, John Travolta oder Kim Novak eher mässig gelungen, dafür sah Goldie Hawn aus, als könnte sie die Tochter ihrer Tochter Kate Hudson sein. Absolut gar nichts zu mäkeln gabs an den Outfits der Geladenen im Dolby Theatre. Die Herren (und Allein-Host Ellen DeGeneres) alle tadellos in Smoking, die Damen allesamt eine Augenweide, viel Nude-Töne und Mehrlagiges, allerhand Asymetrien und Gerafftes, Gefunkel und Glitter, reichlich Einsichten dank Spitze, der Darling Jennifer Lawrence stach blutrot ins Auge, und sogar Bette Midler kam salonfähig. 

Die Gastgeberin legte ein solides, wenn auch eher zahmes Stand-up-Comedian-Progamm hin. Der beste Gag war, dass nach all den tagelangen Diäten der Stars die Oscar-Nacht auch The Hunger Games heissen könnte. Sie bestellte dann nach zwei Stunden ein paar Pizzen, verteilte die in den ersten Reihen und ging mit Pharrell Williams Hut rum zum Einkassieren, weil Harvey Weinstein nicht aufzufinden war. Pharrell sang übrings ein Lied, ebenso Pink und U2. Bei Bono verblüffte die Frisur, sie sah wie von Silvio Berlusconi geklaut. Die erste Dankesrede, Jared Leto als bester Nebendarsteller, liess Hoffnung aufkommen, er dankte seiner alleinerziehenden Mutter, einer Schulabbrecherin, und widmete seinen Preis allen Aids-Opfern. Sehr ergreifend, sehr löblich. An Dankesreden war weiter nicht Neues zu hören: Danke an die Academy, an die Familie, die Crew, haufenweise unbekannte Namen, das übliche Blahblah. Cate Blanchett betonte, dass Frauenfilme keine Nischenprodukte sind, sondern Geld einspielen, Matthew McConaughey dankte zudem Gott und dem Helden, der er nie sein werde, Steve McQueen war zu ergriffen zum Danken, zwei Songschreiber trugen ihre Rede in Reimen vor, einzig Afonso Cuaron, der geehrte Regisseur von «Gravity», brachte ein Scherzchen über seine grauen Haare zustande.

Oscars 2014: Steve McQueen freut sich über Oscar für «12 Years a Slave»
© Reuters

«12 Years a Slave»-Regisseur Steve McQueen (r.) freut sich zusammen mit der Schauspielerin Lupita Nyong'o über den Oscar für den besten Film.

Und die Gewinner? Durchaus die richtigen, finden wir. «Gravity» ist mit sieben Oscars der Abräumer des Abends, auch wenn die grossartige Sandra Bullock leider leer ausging. «12 Years A Slave» war keine Überraschung, die Academy liebt Geschichtsaufarbeitung der korrekten Art. Sehr erfreulich der Drehbuch-Oscar für «Her», ein fulminanter Film. Und auch die Kostüm- und Ausstattungs-Oscars für «Great Gatsby» sind verdient, Catherine Martin, die Frau von Regisseur Baz Luhrmann trug als einzige zwei Goldmännchen heim. Und weil heute Montag, also Kinotag ist, ab ins nächste Kino, ein paar der Gewinner-Filme laufen jetzt, ebenso ein paar, die nicht gewonnen haben. Und Sie gewinnen bei beiden mehr als in der vergangenen Oscar-Nacht! 

Auch interessant