London Fashion Week Winter 2014 Unterwegs mit Manuela Frey

Sie ist das erfolgreichste Laufstegmodel der Schweiz, läuft seit mehreren Saisons rund um den Globus für die namhaftesten Designer, und sie hat noch immer einen Riesenspass dabei. Wir begleiteten die 17-Jährige einen Tag lang bei der Fashion Week in London. 

«Ich han denkt, Modle isch easy, do laufsch chli über de Laufsteg und das isch es!» Manuela Frey sitzt auf dem Rücksitz eines schwarzen Autos ihrer Londoner Agentur Elite. Wir sind in North East London, auf dem Weg zum Casting von Burberry Prorsum. Die lange Fahrt bis zum Hauptsitz von Englands bekanntester Modemarke lässt genug Zeit zum Plaudern. Manuela sagt, sie geniesse es, wieder einmal Schweizerdeutsch zu sprechen. Und zu erzählen hat die Aargauerin einiges.

Manuela Frey London Fashion Week
© Xandra Linsin

Manuela Frey posiert vor den Set-Karten in ihrer Londoner Agentur Elite. Sie ist gerade erst aus New York gekommen.

SI Style traf Manuela am Vormittag in ihrer Agentur, sie kam direkt vom Flughafen. Zuvor war sie in New York, wo sie bei grossen Designern wie Michael Kors oder Donna Karan über die Catwalks schwebte. Eine Stunde hatte sie Zeit, ihr Hotelzimmer zu beziehen und zu duschen, dann ging es zum ersten Termin bei Designer Todd Lynn. Ein Fitting. Der Look, den Manuela bei seiner Schau vorführen soll, wird ausgesucht und ihren Massen angepasst. Der Casting Director, welcher zusammen mit dem Designer die Models für den Catwalk auswählt, kannte Manuela bereits vom letzten Mal. Er wusste, dass sie in Todd Lynns Show passen wird. Deshalb musste sie hier kein Casting absolvieren, sondern wurde direkt gebucht. Das sei bei kleineren Labels oft der Fall, sagt sie. 

Während der Fahrt zum Casting von Londons wichtigster Show, Burberry Prorsum, ist Manuela nicht aufgeregt: «Es geht vor allem darum, ob du ins Konzept passt, ob du helle oder dunkle Haare hast, was für ein Typ du bist. Du darfst Absagen nicht persönlich nehmen.» Beim Haupsitz eingetroffen, müssen wir in der luftigen Eingangshalle, die mit wandhohen Kampagnenbildern ausgestattet ist, warten – Fotos sind hier nicht erlaubt. Nach zehn Minuten kommt Manuela zurück. Wie ihr Gefühl sei? «Ich kann’s wirklich nicht sagen, man weiss es nie».

Manuela Frey London Fashion Week
© Xandra Linsin

«Etwas, das ich beim Modeln gelernt habe, ist, in jeder möglichen Situation zu schlafen», sagt Manuela auf dem Weg von einem Termin zum nächsten.

Wir steigen zurück ins Auto. Der Fahrer ist der Einzige, der weiss, wo es langgeht. Er wird jeweils kurzfristig von der Agentur informiert, was als Nächstes ansteht. Jetzt ist es ein Fitting bei Jasper Conran, einem Label, das für klassische, elegante Mode bekannt ist. Beim Empfang warten bereits andere Mädchen auf ihren Einsatz, darunter Manuelas Freundin Dauphine aus Toronto. Sie fallen sich freudig in die Arme. 

Manuela Frey London Fashion Week
© Xandra Linsin

Beim Fitting von Jasper Conran wird der Look an Manuelas Körper angepasst.

Gegenüber sitzen Models, die ihre Konkurrentin weniger herzlich und mit kühlem Blick begrüssen. «Solche gibt es halt auch», sagt Manuela lachend. Stören tue sie das nicht. Eines der anderen Models beklagt sich lauthals, dass sie schon um sechs Uhr morgens an ein Fitting musste. Man sieht ihr die miese Laune an. Unserer Laufstegschönheit aus dem Aargau machen Einsätze zu aussergewöhnlichen Arbeitszeiten nichts aus: «Klar ist es streng, aber es gehört eben dazu. Ich liebe meinen Job und bin glücklich, dass ich das machen kann.» Ihre Augen glänzen, während sie davon erzählt. «Am liebsten mache ich Laufsteg-Jobs. Ich geniesse es, wenn mich alle anschauen», gibt sie ohne falsche Bescheidenheit zu. Der grazilen Schweizerin fällt es leicht, jemanden für sich zu gewinnen. Wahrscheinlich sind es ihr fröhliches Wesen und die aufgestellte Art, die ihr so viele Jobs einbringen.

Manuela Frey London Fashion Week
© Xandra Linsin

Manuela in der Maske backstage bei Todd Lynn.

Todd Lynn's Show steht an. Die Location: The Box, ein berühmter Club in Soho. Backstage ist es eng, die Zeit ist knapp. Probelauf, Haare, Make-Up, Styling, Showtime. Nach wenigen Minuten ist vorbei, worauf man sich ein halbes Jahr vorbereitet hat. 

Manuela Frey London Fashion Week
© Xandra Linsin

Nach der Show von Todd Lynn verabschieden wir uns von Manuela. Der Tag des Schweizer Models ist erst um vier Uhr morgens vorbei.

Es ist spät geworden, und wir verabschieden uns. Manuela arbeitet noch weiter. Auf sie warten Fittings bis vier Uhr morgens, am nächsten Morgen muss sie wieder früh starten. Nein, Modeln ist nicht «eifach chli über de Laufsteg laufe.»

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