Kinotipp «12 Years a Slave» Sklaverei, Schandfleck der Geschichte

Der Künstler und Regisseur Steve McQueen schuf mit «12 Years A Slave» ein erschütterndes Meisterwerk gegen das Vergessen eines dunklen Kapitels in der Geschichte der Menschheit.
Master Epps (Michael Fassbender) Solomon (Chiwetel Ejiofor)
© Ascot Elite

Master Epps (Michael Fassbender) lässt keine Gelegenheit aus, seinen Sklaven (Chiwetel Ejiofor) einzuschüchtern.

In der Kunstszene ist Steve McQueen schon lange ein Star. 1999 erhielt er den angesehen Turner-Preis und letztes Jahr zeigte das Schaulager in Basel die erste umfassende Ausstellung des britischen Videokünstlers. Mit seinen Spielfilmen «Hunger» und «Shame» sorgte er auch im Filmgeschäft für Aufsehen. Mit seinem neuen Streifen «12 Years a Slave» wird er definitiv in den Olymp der Filmwelt aufgenommen. Einen Golden Globe für den besten Film hat er schon, ins Oscar-Rennen geht er mit elf Nominierungen. 

Chiwetel Ejiofor
© Ascot Elite

Solomon (Chiwetel Ejiofor) beim verzweifelten Versuch, einen Brief zu schreiben.

Der Film erzählt die wahre Geschichte des freien Afroamerikaners Solomon Northup (Chiwetel Ejiofor), der um 1840 in New York lebt und virtuos Geige spielt. Nach einem Auftritt in einem Wanderzirkus wird er entführt und als Sklave nach Louisiana gebracht. Noch auf dem Schiff werden ihm sein alter Name und seine Würde ausgepeitscht. Als Platt lernt er den Unterschied zwischen Leben und Überleben kennen und landet beim despotischen Plantagenbesitzer Edwin Epps (Michael Fassbender). Dort befreundet er sich mit der jungen Sklavin Patsey (Lupita Nyongo'o mit beeindruckendem Filmdebüt), an der Epps seine Sex- und Gewaltgelüste auslebt. Kaum auszuhalten ist die Szene, in der sie blutig geschlagen wird – in einer einzigen, langen Einstellung. Doch trotz Brutalität und Tragik strotzt der Film vor Ästhetik – in gewisse Bilder möchte man versinken. Unvergesslich ist Solomons Gesichtsausdruck, als er am Grab eines verstorbenen Sklaven mit Inbrunst singt, der Schmerz, Verzweiflung und den Willen zum Überleben gleichzeitig zeigt. Überhaupt ist der britisch-nigerianische Schauspieler eine Wucht! 12 Jahre dauert die Tortur, ehe sich das Schicksal von Solomon wieder zum Guten wendet. So richtig nach Happy End fühlt es sich allerdings nicht an, umso mehr, weil er den Prozess gegen seine Entführer verlor, wie man im Abspann erfährt.

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