Sounds der Woche Dagobert, Patrice und Franz Ferdinand

Dieses nuschelige Säuseln! Dieser orchestral trabende Schlager-Pop im Hintergrund! Dieses extra schlechte Hochdeutsch! – Da verschluckt man sich ja fast an seinem Aperol Spritz! Wer bitte ist dieser Kerl, der irgendwann auch noch zu melodischen Jauchzern ansetzt und der hübschen Dame neben ihm verkündet: «Ich bin zu jung»? Wer verbirgt sich hinter dem Künstlernamen Dagobert?

Album der Woche: Dagobert «Dagobert»
Die Indizien sind spärlich: Angeblich handle es sich um irgendwas zwischen Dandy und Astronaut, behauptet der Pressetext. Und dann plötzlich heisst es, er sei Schweizer. Irgendwo aus einem kleinen Kaff zwischen Zürich und Basel. Dabei hört sich das vom kühl-kühnen Duktus und Akzent her eher nach einem Holländer oder Belgier an, der fälschlicherweise vermutet aus irgendeiner Adelslinie zu stammen. Aber er singt – manchmal weit über seinen gesanglichen Möglichkeiten – nicht von Luftschlössern und Tagträumereien, sondern fadengerade und ungeschönt: «Ich mag all deine Freunde nicht. Was labern die da vor sich hin? Das Geblubber macht doch keinen Sinn.» Seine Schnulzen können Ohrfeigen sein. Und kleine, kitschige Kabinettstücke mit dem Casio-Keyboard.

Patrice «Cry, Cry, Cry»
Patrice, der andere der beiden Reggaesänger aus Deutschland, ist wieder da. Und sommert uns gut gelaunt ein Liedchen. Schöne Grundstimmung, schöne Bassline, nicht zu überladen mit Text. So weit so gut. Der Videoclip zum Song «Cry, Cry, Cry» gibt uns allerdings einige Rätsel auf: 1. Fährt Patrice wirklich auf dem Kickboard hinter seiner Tochter her? 2. Darf man das? 3. Ist das überhaupt seine Tochter? 4. Durch welche Stadt rollen die da? 5. Lässt es sich wirklich vermeiden, dass Töchter in dem Alter ab und zu mal weinen?

Franz Ferdinand «Love Illumination»
Schön, wenn man mal nichts erklären muss: Bei der neuen Single der schottischen Band Franz Ferdinand ist nach den ersten paar Sekunden schon alles klar. Es wird abgehottet, gediscorockt. Eine griffiges Riff, ein zügiger Rhythmus, ein paar Tiermasken, eine Theatertanzgruppe und ab dafür. Nach «Right Action» bildet «Love Illumination» schon den zweiten Vorboten des kommenden Albums «Right Thoughts, Right Words, Right Action». Und irgendwie scheinen die Jungs aus Glasgow da genau auf dem richtigen Weg.

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