Kinotipp «Mr. Morgans Last Love» & «Gloria» Das mit der Liebe hört nie auf

Wann ist man zu alt für die Liebe? Nie! Zu diesem tröstlichen Schluss kommen zwei Filme, die einen Hauch Frühling in diese trübe Herbstzeit bringen.
Still aus «Mr. Morgans Last Love». Michael Caine und Clémence Poésy.
© Praesens Films

Zwei einsame Seelen haben sich gefunden: Michael Caine und Clémence Poésy in «Mr. Morgans Last Love».

Mr. Morgan (Michael Caine) ist ein 80-jähriger Amerikaner, der seit 30 Jahren in Paris lebt. Er ist seit kurzem Witwer und sehr unglücklich und sehr allein. Er entschliesst sich, ohne die Liebe seines Lebens nicht mehr weitermachen zu wollen. Sein Vorhaben, eine Handvoll starker Schlaftabletten zu schlucken, wird durch das Auftauchen der Putzfrau vereitelt. Mr. Morgan nimmt seine Alltagsroutine auf, holt wie immer seine Brötchen, macht seinen Spaziergang.

Filmstill aus «Mr. Morgan's Last Love».
© Praesens Films

Für Liebe und Romantik ist es nie zu spät: Clémence Poésy und Michael Caine in «Mr. Morgan's Last Love».

Da lernt er die blutjunge Studentin Pauline (Clémence Poésy) kennen, zwischen den beiden einsamen Seelen wächst so was wie Liebe  heran. Zum Entsetzen der Morgan-Sprösslinge, die in der jungen Frau eine Erbschleicherin vermuten und die Liaison für unanständig halten. Basierend auf Françoise Dorners fedeleichtem Roman «Die letzte Liebe des Monsieur Armand» (Verlag Diogenes) hat die deutsche Filmerin Sandra Nettelbeck  einen so berührenden wie kitschfreien Film über die Liebe im Alter gemacht. Die beiden Hauptdarsteller spielen sich direkt in unser Herz. Und dem grossen Michael Caine schauen wir sogar beim Brotschneider lieber zu als manch halb so altem Schauspieler beim Liebesspiel. 

Filmstill aus «Mr. Morgan's Last Love».
© Praesens Films

Let's dance: die schöne Pauline (Clémence Poésy) bringt Mr. Morgan (Michael Caine) dazu, die kleinen Freuden im Leben wieder zu geniessen.

Um die Suche nach reifer Liebe geht es auch in «Gloria», diesem zauberhaften «kleinen» Film aus Chile, der an den Filmfestivals rund um die Welt viel Beifall erntet.

Eine Frau voller Hoffnungen: «Gloria» (Pauline Garcia).
© filmcoopi

Eine Frau voller Hoffnungen: «Gloria» (Pauline Garcia).

Gloria (Pauline Garcia) ist 58, geschieden, berufstätig und eine begeisterte Tänzerin. Sie geht hübsch hergerichtet und ohne falsche Scheu in  Dancings, wo sich Gleichgesinnte und Gleichaltrige regelmässig treffen. Die Auswahl an (Tanz-)Partnern ist nicht sehr gross, notfalls schwebt Gloria auch selbstvergessen allein über die Tanzfläche. Eines Abends begegnet sie dem pensionierten Marine-Offizier Rodolfo (Sergio Hernandez). Die beiden harmonieren beim Tanz und beim Flirt, und Gloria lädt Rodolfo zu sich nach Hause und in ihr Bett ein. Die Schmetterlinge in Glorias Bauch regen die Flügel, am Fliegen allerdings werden sie durch Rodolfos seltsames Verhalten gehindert. Als seine Lügen auffliegen, wird Gloria nicht grad zur Furie (dafür ist sie viel zu abgeklärt und zu sehr Dame), aber doch zur Farbbeutel-Werferin - eine herrlich heitere Szene in einem Film, der so normal und unaufgeregt und doch hoffnungsvoll daherkommt, dass einem das Herz aufgeht!

Das Filmplakat zu «Gloria».
© filmcoopi

Zum Mitsingen und -tanzen schön: «Gloria».

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