Sounds der Woche Die coolste Katze hat wieder scharfe Krallen

Wir leben nicht im Gestern, wir sind keine Vollzeit-Nostalgiker. Aber wenn man, wie Ihre geneigte Musikspürnase, seit Wochen durch Brasilien reist, dann kommt man nicht umhin sich zumindest teilweise vom hiesigen kollektiven Musikbewusstsein beeinflussen zu lassen. Und dessen Fundament liegt in den Fünfzigern, Sechzigern und Siebzigern. 

Will einem der Strassenverkäufer im ehemals hochrepräsentativen Stadtteil Santa Teresa in Rio de Janeiro seine Second Hand Vinylscheiben andrehen, dann singt er, trotz nicht vorhandenem Talent, jeden einzelnen Song seiner Bossa-Nova-Compilations mit voller Inbrunst an. Genau wie die Strandverkäufer in Bahia, die sich, zwischen dem Feilbieten ihrer Ware, immer mal wieder, nur um sich die Seele zu erwärmen, selbst ein Ständchen bringen. 

Album der Woche:
Marcos Valle «Previsão Do Tempo»
Für den Softie in jedem von uns: 1973 fabrizierte Marcos Valle eine Mixtur aus Bossa Nova, Samba und zuckersüssem, zutraulichem Pop (ja, auf Brasilianisch ist das sehr gut erträglich), die an Melodienreichtum kaum zu überbieten ist. Manchmal funky, manchmal extrem mellow, manchal weit und breit und flauschig wie ein Himmelbett.

Kelis «Jerk Ribs»
Es gibt hier in Brasilien eine Schweizerin, die es sich zum Ziel gesetzt hat, den völlig aus der Mode gekommenen Ausdruck «Geilomat!» wieder zu etablieren. Vielleicht wäre jetzt der Augenblick, um ihn zu gebrauchen. Einst war Kelis die coolste Katze unter der Sonne und sang von Milkshakes, Rollschuhbahnen und momentanem Hass. Dann kam die Ehe mit Rapper Nas, die Trennung und die Vermählung mit schlechtem Techno. Plötzlich war sie geschmacklich auf dem völlig falschen Dampfer. Jetzt scheint sie endlich wieder auf dem R&B-Pfad. Verantwortlich dafür ist Produzent Sitek, Mitglied der New Yorker Indiepop-Götter von TV On The Radio. Ihr Album «Food» erscheint am 22. April auf dem englischen Spezialitätenlabel Ninja Tune. Noch besser: Die noch videolose Single «Rumble»

Major Lazer feat. Pharrell «Aerosol Can»
Auch zur neuen Single des Produzentengespanns Major Lazer, das sich für «Aerosol Can» mit Pharrell Williams den Mann der Stunde gekrallt hat, gibt es noch keine Bewegtbilder. Aber da die Nummer wohlige Stromstösse durch den Körper schickt und sowohl Major Lazer als auch der Musiker aus Virgina mit neuem Langspiel-Material in den Startlöchern stehen, wollen wir nicht länger warten. Ab dafür.

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