Buchtipps «In der Nacht» & «Nichts als der Mensch» Eines auf die Schnelle, eines für eine Weile

Seien Sie gewarnt: Dieser Tausendsassa Dennis Lehane wird Sie um den Schlaf bringen, sein neuer Wurf «In der Nacht» (neu bei Diogenes) kostet Sie drei Nächte. Aber wenn Sie beinharte Gangsterstorys mögen, werden Sie's nicht bereuen. Das ganze kommende Jahr beanspruchen wird «Nichts als der Mensch». Autor Georg Brunold hat sich vorgenommen, nichts weniger als die Frage zu klären, was wir sind, wo wir in der Schöpfung stehen, ob wir von Natur aus gut oder böse, für das Universum nützlich, schädlich, belanglos oder überflüssig sind.
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© Diogenes

«In der Nacht»

Wenn Sie die Wälzer von Don Winslow mögen und in ihrer Härte ertragen, werden Sie auch mit Dennis Lehane glücklich. Seine Romane sind nur halb so dick wie die von Winslow, aber ebenso spannend und nicht minder gewaltsam. Vom Bostoner Autor stammen Hard boiled stories wie «Mystic River», «Shutter Island» oder «Gone Baby», die allesamt Steilpässe für Kino-Adaptionen lieferten. In «In der Nacht» lernen wir das Schlitzohr Joe kennen, einen jungen irischstämmigen Bostoner mit grossen Ambitionen. Schon auf der ersten Seite steckt Joe in ernsthaften Schwierigkeiten, sprich in einem Betonfuss an Deck eines Schiffes, das sein Erzfeind losgeschickt hat, um Joe endgültig auszuschalten. Wie der dahin gelangt ist und ob er seine angebetete Emma bekommt und behalten kann, schildert Lehane in atemlosem Tempo und in Metaphern, die im Krimi-Genre ihresgleichen suchen. Ihm glückt
der Spagat von Unterhaltung zu ernsthafter Literatur, dass man laut jubeln möchte.

«Nichts als der Mensch»

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© Galiana

«Nichts als der Mensch», Galiani.

Mit diesem Buch halsen sich Gernleser eine Aufgabe auf, vergleichbar der des Atlas auf dem Cover, der die Welt stemmt. Das Buch zwingt Leser an einen Tisch, so schwer und gross ist das Prachtsteil. Entsprechend gehaltvoll ist der Inhalt, es sind, so der Untertitel «Beobachtungen und Spekulationen aus 2500 Jahren» rund um unsere Gattung, den Menschen. Brunold hat bei 300 Autoren Kluges und Krudes, Erhellendes und Unerhörtes zusammengetragen und in verständlicher Form wiedergegeben. Wer knochentrockenen Geschichtsunterricht erwartet, irrt. So unterhaltsam aufbereitet waren Tiefsinn und Erkenntnis selten.

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