Kinotipp «Jeune & Jolie» & «Prisoners»

Töchter - ein ewiger Quell von Sorgen. Davon handeln gleich zwei Filme: bei «Jeune & Jolie» sorgt ein schöner Teenager für Schocks und schwere Not, in «Prisoners» sind es zwei entführte Mädchen, die dem Vater (Hugh Jackman) den Verstand rauben.
Entdeckung aus Frankreich: Marine Vacth in «Jeune & Jolie»
© filmcoopi

Jung und schön und sehr talentiert: Marine Vacth als Teenager mit einem Geheimnis.

Der Franzose François Ozon geniesst den Ruf eines Frauen-Filmemachers. Er beobachtet vorzugsweise Frauen in Krisen, und er tut das mit kritisch-neugierig-verständnisvollem Blick. So geschehen in «Potiche», «8 femmes», «Swimming pool» oder «Sous le sable». Diesmal nimmt der Meister der bissigen Komödie eine 17-Jährige ins Visier: Isabelle (Marine Vacth, welche Entdeckung!). Isabelle ist ein ganz normaler Teenager: sie studiert, wohnt noch bei den Eltern, fährt mit der Familie in die Ferien, flirtet mit Gleichaltrigen.

Isabelle (Marine Vacth) bei der Arbeit.
© filmcoopi

Isabelle (Marine Vacth) bei der Arbeit.

Aber Isabelle führt ein Doppelleben: Sie schläft mit reichen, alten Männern - gegen Cash. Weder hat sie das Geld nötig noch ist sie gierig auf Luxus oder Labels. Die blutjunge Beauty sonnt sich einfach in der Anerkennung ihrer Kunden, scheint ihr Geheimnis zu geniessen. Als Isabelles Mutter (Géraldine Pailhas) durch Zufall vom Tun ihrer Tochter erfährt, bricht ein Donnerwetter los - verständlich, welche Mutter würde nicht ausflippen ob der Entdeckung, dass sich ihr Kind prostituiert?! Doch dies ist nicht das zentrale Thema von «Jeune & Jolie», das wäre einem Seelnerforscher vom Rang eines Ozon wohl zu mager. Lassen Sie sich von der Tragikomödie überraschen. Nur eines sei noch verraten: die famose Charlotte Rampling (eine von Ozons Musen) hat einen Auftritt, zwar kurz, aber unvergesslich. Und so gern man der jungen, hübschen Hauptdarstellerin zuschaut bei ihrem Treiben - die zeitlose Attitude der Rampling, ihr alterslos schönes Gesicht ist es, die sich in unser Gedächtnis einbrennt. Unauslöschlich! 

Auch in «Prisoners» gehts um Töchter, die Sorgen bereiten, allerdings nicht willentlich. Zwei kleine Mädchen werden am Thanksgiving-Abend aus einem Wohnquartier entführt. Dass es sich um Kidnapping handelt, ist Keller, dem Vater des einen Mädchen (Hugh Jackman mit Bart, Holzfäller-Outfit und Leidensmiene) klar, war doch im Quartier ein verdächtiger Van gesichtet worden. Und nach Kellers Ansicht tut der mit dem Fall beauftragte Polizist (Jake Gyllenhaal) nicht genug, die Mädchen wiederzufinden. Also nimmt Keller die Sache selber an die Hand.

Auf der Suche nach den vermissten Mädchen: Detective Loki (Jake Gyllenhaal) und Keller, der Vater (Hugh Jackman).
© Ascot-Elite

Auf der Suche nach den vermissten Mädchen: Detective Loki (Jake Gyllenhaal) und Keller, der Vater (Hugh Jackman).  

Die Spur führt zu einem seltsamen Kerl (Paul Dano), der sich nicht zuletzt durch sein Schweigen und eine verbale Provokation verdächtig macht. Die Polizei muss ihn aber laufen lassen, man kann ihm nichts nachweisen. Keller nimmt sich den komischen Kauz selber vor, überzeugt, dass er die Mädchen irgendwo gefangen hält. Er entführt den Rand-Debilen und will ihn mit allen Mitteln (hier wirds richtig blutig und brutal) den Aufenthaltsort der Kinder entlocken.

Detective Loki (Jake Gyllenhal, rechts) setzt dem Verdächtigen Alex (Paul Dano) heftig zu.
© Ascot-Elite

Detective Loki (Jake Gyllenhaal, rechts) setzt dem Verdächtigen Alex (Paul Dano) heftig zu.

«Prisoners» ist ein dunkler, schwer verdaulicher Film über Selbstjustiz, Schuld und Sühne, der mit glänzenden Darstellern und unerwarteten Twists in der Handlung fesselt. Die Darstellung eines verzweifelten Vaters könnte Strahlemann Jackman eine Oscar-Nomination eintragen. 

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