Buchtipp «Ein gutes Herz» Hat das Gute seinen Sitz im Herzen?

In seinem neuen Roman «Ein gutes Herz» spannt der Niederländer Leon de Winter gaanz grosse Bögen: zwischen Amsterdam, der Wüste Arizonas über die Karibik bis in den Himmel. Grossartig!
Leon de Winter: «Ein gutes Herz», Diogenes
© Diogenes

Sie waren sowas wie Lieblings-Feinde: der jüdische Regisseur und Schriftsteller Leon de Winter (*1954) und der Filmemacher und Polemiker Theo van Gogh (1957-2004).  Letzterer warf Ersterem «die Vermarktung seines Judentums» vor und teilt oft und öffentlich mit dem Doppelhänder Richtung de Winter aus. Van Gogh wurde von einem islamischen Fundamentalisten auf offener Strasse ermordet. De Winter macht nun seinen Erzrivalen zu einem der Protagonisten seines neuen, brillanten Romans «Ein gutes Herz» (Diogenes Verlag). Theo van Gogh ist tot und befindet sich quasi im Wartezimmer zum Himmel. Wortgewaltig wie zu Lebzeiten motzt er über die Behandlung da oben, über die Islamisten auf Erden und den unsäglichen Herrn de Winter. In einer raffinierten Vermischung von Fakten und Fiktion lässt de Winter im Roman einen Reigen schillernder Figuren auftreten: den koran-treuen, inhaftierten Mörder van Ghoghs, einen katholischen Priester, der mit dem Zölibat hadert, einen Unterwelt-Geschäftsmann im Ruhestand, fussballspielende Teenage-Terroristen, ein transplantiertes Herz, eine schöne Alleinerziehende, ein Engel in Lichtform, seine Frau Jessica Durlacher, die ihn verlassen hat, weil er zu dick und zu saturiert geworden ist. Wie im richtigen Leben leider nie laufen im klug konstruierten Roman die Fäden der diversen Erzählungen aufs Schönste zusammen. Und nach der Lektüre wissen wir selber etwas genauer, wie die Niederlande die Sache mit der Immigration angehen, nämlich viel liberaler als wir. Offen bleibt die Frage: Funktioniert das wirklich besser? Die Antwort findet man zwischen den Zeilen bei Leon de Winter. 

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