Sounds der Woche India.Arie, Is Tropical und Fiona Apple

Der Asphalt kocht, die Seen werden langsam zu Suppentöpfen, das Hirn läuft höchstens mit 25 Prozent Leistung. Höchste Zeit Urlaub zu machen und die lauen Abende mit gespritztem Weisswein und guter Musik zu begehen. Musik, die für einmal sanft und sinnlich sein darf. Wie die von India.Arie.

Album der Woche: India.Arie «Songversation»
«Ich bin nicht eine dieser Mädels aus den Musikvideos», sang die US-Amerikanerin India Arie Simpson vor Jahren über einen höchst infizierenden R&B-Beat und landete damit einen Riesenhit. Ihr Wert definiere sich nicht über den Preis ihrer Klamotten, einem Mode- und Verhaltensdiktat werde sie sich nicht unterordnen, betonte sie nachdrücklich. Dieser Haltung ist die 37-Jährige auch auf «Songversations», ihrem kürzlich erschienen, fünften Album, treu geblieben.  Das heisst: Butterweicher, unmittelbarer Gesang und die elegante Paarung von akustischen Klängen wie Gitarre und Perkussion, runden Melodien und strammen Rhythmen. Swing und Soul in Hülle und Fülle.Ab und zu trägt Gute in Sachen Beseeltheit, Gemeinschaftsgefühl und Spiritualität ein paar Schichten zu viel auf. Man fühlt sich gebettet wie auf Wolken, eingecrèmt mit «Cocoa Butter», umgeben von Heiligkeit. Der Entspannung ist das jedoch nicht abträglich. Anspieltipp: «Brothers’ Keeper»

Is Tropical «Lover’s Cave»
Es fing mit dem Clip «Blurred Lines» von Robin Thicke an: Neben Sänger Thicke, Produzent Pharrell und Rapper T.I. tanzten da plötzlich einige nackte Schönheiten durchs Bild. Wohlgeformte Brüste wohin das Auge blickte. Dann zog Justin Timberlake mit dem Video zu «Tunnel Vision nach. Und jetzt zeigen Is Tropical – auf dem auch nach Jahren immer noch hippen Pariser Label Kitsuné unter Vertrag – wie man da noch einen draufsetzt. Scheinbar unbekümmert musizieren die drei langhaarigen Typen an einer WG-Party, während Pobacken vorbeiflanieren und Damen aller Formen und Grössen ihre unbekleideten Körper schütteln. Dazu: Schön verzerrter Indie-Pop.

Fiona Apple «Hot Knife»
Fiona Apple ist eine der grossen Geheimnisvollen der Popwelt. Alle paar Jahre taucht sie kurz auf, veröffentlicht ein grandioses Album und verschwindet dann wieder. Man sagt, sie sei eine, die gerne einfach rumsitzt und sich langweilt. Ihre Musik langweilt nie. Und ihre Videos, meist umgesetzt von ihrem Ex-Freund Paul Thomas Anderson («Boogie Nights», «Magnolia», «The Master»), unterstützen ihre Songs hervorragend. Erkennt man da zwischendurch ein Schmunzeln in den Mundwinkeln dieser schönen Frau? Alles was zusätzlich passieren würde, wäre Humbug.

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