Sounds der Woche Jay-Z, Janelle Monáe und Trixie Whitley

Just wenn man dachte, der HipHop-Sommer sei für J. Cole und Kanye West reserviert, kommt plötzlich Sean Corey Carter alias Jay-Z um die Ecke und stellt schnell alles auf den Kopf.

Album der Woche: Jay-Z «Magna Carta Holy Grail»
Der Grund: Die Veröffentlichung seines zwölften Albums «Magna Carta Holy Grail». Was durch die schnelle Werbeattacke wie aus der Hüfte geschossen wirkte, ist in Wahrheit ein ausgeklügeltes Werk. Gemeinsam mit seinen alten Hofproduzenten Timbaland, Pharrell Williams und Swizzbeatz hat der 43-Jährige ein dichtes, wandelbares Album geschaffen, auf dem die rauen HipHop-Beats - ohne je einzuknicken - von majestätischem Pop unterspült werden. Und was textlich erst wie ein endloser materialistischer Freudentanz klingt, ist in Wahrheit das Abstecken seiner Identität. Er ist immer noch der gleiche listige Versli-Schmied. Einer, der nun auch noch Windeln wechselt. 

Janelle Monae «Dance Apocaliptic»
Der Moderator sagt es zu Beginn des Videos in seiner Ansage: Diese Frau hat schon Männer einzig mit ihrem Augenaufschlag ausser Gefecht gesetzt. Mit einem grossen Knalle enterte Janelle Monae, die hochtalentierte Sängerin, Tänzerin und Entertainerin aus Atlanta,  vor drei Jahren die grossen Bühnen. «Tightrope» hiess die Single und der Tanz, mit dem die Dame im schwarzen Anzug in unser Bewusstsein steptanzte. Für die Aufwärmrunde zu ihrem Anfang September erscheinenden Album «Electric Lady» hat sie nun zwar die Uniformierung, nicht aber den Sinn für den guten Groove abgelegt: «Dance Apocaliptic» fährt direkt in die Beine und steht der ersten Single «Q.U.E.E.N.» mit funky Erykah Badu auch in punkto Styling nur wenig nach.

Trixie Whitley «Breathe You In My Dreams»
Wenn sie singt, zieht’s einem die Socken aus: In der Brust der belgisch-amerikanische Sängerin Trixie Whitley, Tochter des verstorbenen Singer/Songwriters Chris Whitley, wohnt eine alte, geschundene Seele. Dabei ist sie erst 26 – und gilt immer als Geheimtipp. Wahrlich absurd, wenn man sich ihr im Frühjahr veröffentlichtes Album «Fourth Corner» anhört oder sich in ihr aktuelles Video anschaut. Die Bezeichnung R&B, also «rhythm and blues», stand eigentlich einst für solche Musik. Und nicht für Chris Brown oder Rihanna.

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