Kinotipps «Nymphomaniac 1» & «Das finstere Tal» Kein Skandal und ein echter Western

Die Katholiken hierzulande sind mit Fasnacht-Feiern beschäftigt, alle andern sollten sich Zeit nehmen für zwei tolle Filme: den als Skandal angekündigten «Nymphomaniac» und ein waschechten Alpen-Western, «Das finstere Tal».
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© Ascot Elite

Auf Männerjagd im Zug: Sophie Kennedy Clark als B und Stacy Martin als Joe.

«Nymphamaniac»

Über Lars von Triers neuen Film hat man schon so viel gehört, er sei ein Skandal, ein Porno, eine Provokation. Wer nun des vielen Gedöns und harten Sex wegen ins Kino rennt, wird enttäuscht. Es gibt zwar viel Sex, aber eher erzählten als praktizierten, und auch da nichts, was einem schockieren würde. «Nymphomaniac 1» zeigt nicht viel mehr Fleisch als jeder Fernseh-Krimi. Er ist eher eine melancholisch gefärbte Komödie, mehr ein Kammerspiel als ein Porno – krassen Sex gibt’s erst im Teil zwei im Mai. In Teil 1 geht es um die erwachende Sexualität eines Kindes und einer Pubertierenden (grossartig: Stacy Martin), erzählt in der Retrospektive der Erwachsenen (Charlotte Gainsbourg). Die taucht, schwer angeschlagen und blau geprügelt, eines Nachts aus dem Nichts auf, ein Rentner (Stellan Skarsdard) nimmt sich ihrer an, päppelt sie auf, die geprügelte Joe erzählt ihm ihre Lebens- und Liebesgeschichte, er vergleicht alles mit Fliegenfischen. Köstlich, heiter, streckenweise urkomisch. Etwa dann, wenn eine betrogene Ehefrau (Uma Thurman) mitsamt ihren Kindern bei Joe auftaucht und ihrem untreuen Ehemann eine Szene der unerwarteten Art macht. Mit von der Partie ist auch Shia LaBeouf, der unseren Verdacht, nämlich dass da ein ernstzunehmender Schauspieler heranreift, einmal mehr erhärtet. 

«Das finstere Tal»

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© X Verleih AG

Clemens Schick als Luis Brenner in Das finstere Tal.

Weit krasser als bei Lars von Trier geht’s da in dem Western aus Österreich zu. Da wird kaum geredet, aber viel geschossen und dreingeschlagen. So schweigsam, rau und erbarmungslos wie die winterliche Alpenlandschaft sind die Menschen, die hier zuhause sind. Eines Tages taucht ein Fremder (der brillante Brite Sam Riley aus «Control» und «On the road») auf, ein Fotograf aus dem fernen Amerika, der ein paar Brocken Deutsch spricht. Was der Eigenbrötler hin im finsteren Tal will, weiss niemand, er selber schweigt eisern. Wie in jeden guten Western kommt es zum Kampf zwischen den Einheimischen und dem Fremdling, es wird geritten, geschossen, geblutet, gerächt, das Gute stellt sich im Duell gegen das Böse. Erfrischend unsentimental erzählt, stimmungsvoll inszeniert, famos gespielt – ein Western so derb, echt und unverfälscht wie ein blutiges Steak. Guten Appetit!

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