Kinotipp «Berge im Kopf» Kopfsache ohne Vernunft

Mächtige Schneegipfel, einsame Biwaks, steile Abschüsse: Bergliebhaber kommen im Schweizer Dokumentarfilm «Berge im Kopf» auf ihre Kosten. Vier Männer erzählen, wie sie mit Extremsituationen und Gefahren umgehen. 
Bergsteigen im Kopf Filmstill
© Berge im Kopf

Stephan Siegrist mit Bergsteigerfreunden im Angesicht des Makalu im Himalaja.

Im Wort Leidenschaft steckt Leiden. Weshalb das so ist, zeigt der Dokumentarfilm «Berge im Kopf». Er begleitet vier Schweizer Bergsteiger auf ihren extrem steilen Wegen. Schade, dass keine Frau zu Wort kommt. Die Schweiz hat auch gute Bergsteigerinnen. Aber gut: Da ist Dani Arnold, der den Geschwindigkeitsrekord in der Besteigung der Eigernordwand hält (2 Stunden 28 Minuten). Viermal hatte er das Projekt in Angriff genommen, dreimal hatte er kurz vorher aufgegeben. Das Scheitern gehört zum Bergsteigen ebenso dazu wie das Erreichen eines Gipfels. Jacques Grandjean hingegen haben es die Bergkristalle angetan. Er ist besessen von der Idee, noch einmal einen ganz grossen Fund zu machen. Seine erste Frau hatte ihn in jüngeren Jahren verlassen, da er immer wieder von ihr weg auf die Berge rannte. Auch Stephan Siegrist lässt seine Frau und seine beiden kleinen Kinder über Wochen allein zurück. Die Chance, dass es nicht aufgeht, bestehe immer, sagt er. Er hofft auch auf Glück. Die letzte Figur schliesslich ist Werner Munter, ein etwas komischer Kauz mit langem Bart. Er stellte Berechnungen zum Lawinenrisiko auf und unterscheidet zwischen gutem und schlechten Risiko – Risikofreiheit gibt es nicht. «Berge im Kopf» zeigt neben fantastischen Landschaften und schwindelerregenden Höhen auf, wie klein und schicksalsergeben der Mensch ist. Eine Kopfsache ist der absolute Wunsch, die Berge zu bezwingen, wohl, mit Vernunft hat es längst nicht immer etwas zu tun. «Wenn die Berge nur schön wären, wäre ich nicht Bergführer geworden», so Werner Munter. 

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