Buchtipp Christopher Brookmyre «Die hohe Kunst des Bankraubes»

Sie mögen keine Krimis lesen? Zu üble Figuren, zu derbe Handlung, zu fern von Literatur? Der Schotte Christopher Brookmyre beweist mit «Die hohe Kunst des Bankraubes» (Verlag Galiani Berlin) das Gegenteil. Lassen Sie sich von ihm anfixen!
Christopher Brookmyre, «Die hohe Kunst des Bankraubs», Galiani Berlin
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Christopher Brookmyre, «Die hohe Kunst des Bankraubs», Verlag Galiani Berlin.

Und lassen Sie sich ja nicht von den ersten Seiten abschrecken, da lobpreist nämlich eine üble Gaunerfigur ausführlich die Freuden und Vorteile von Blowjobs.  Dann wechselt das Nivau, der Ton und der Schauplatz, wir springen von der mexikanischen Pampa nach Glasgow, der Heimat des Autors.  Hier unterhält eine Gauklertruppe in Clownmasken gekonnt die Passanten, bevor sie eine Bank betritt und verlauten lässt: «Herzlich willkommen, meine Damen und Herren, Sie nehmen teil an einem Banküberfall.» Was jetzt folgt, ist eines der höflichsten, kultiviertesten und verblüffendsten Verbrechen zwischen Buchdeckeln. Die Räuber überbrücken die Zeit mit Ratespielen und Szenen aus «Warten auf Godot», der charmant-charismatische Kopf der Bande startet einen Flirt mit der Polizistin, die zu Verhandlungen mit den Räubern in die Bank geschickt wird. Die ist erst sauer, weil sie ein Spiel ihrer Lieblingsmannschaft, den Glasgow Rangers, verpasst und zudem die Krise schiebt, weil sie Geburtstag hat, den dreissigsten. Christopher Brookmyre praktiziert zwischen den Kapiteln die hohe Kunst des Cliffhangens, abrupter Schnitte an den spannendsten Stellen. Seine Figuren sind so echt und sympathisch, dass man ihnen die Daumen drückt, dass sie das Geld kriegen, und Liebe obendrein. Und noch ein Lob: an Hannes Meyer für die kongeniale Übersetzung von Brookmyres flotter, eleganten Stil.
Und wer nach diesem famosen Buch mehr will vom Kunst-Krimi-Autor aus Schottland, ziehe sich gleich den zweiten ins Deutsch übersetzte Krimi rein: «Wer schlafende Hunde weckt», ebenfalls im Verlag Galiani Berlin erschienen. Wir hoffen auf weitere Krimi-Perlen aus Glasgow!

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