Kinotipp «Lovely Louise» Von Müttern und Söhnen

Mit der zauberhaften Komödie «Herbstzeitlosen» (2006) hat die Filmemacherin Bettina Oberli die Herzen im Sturm erobert. Nach dem düsteren «Tannöd» (2009) kehrt sie nun mit «Lovely Louise» ins heitere Fach zurück.
Einst die «Lovely Louise», heute eine bärbeissige Lady (Annemarie Düringer).
© Frenetic Films AG

Der neue Film von Bettina Oberli (ab heute im Kino) dreht sich um ein Thema, das uns alle angeht: vom verzwickten Verhältnis Eltern-Kinder. Je älter alle Beteiligten werden, desto komplizierter wird es. Mit diesen emotionalen Komplikationen muss sich der Taxifahrer André (Stefan Kurt) tagtäglich herumschlagen, denn er lebt noch bei seiner achtzigjährigen Mutter Louise (Annemarie Düringen) in einer kleinen Mietwohnung. Er begleitet sie zum Aqua-Fit-Kurs, föhnt danach ihre Haare, fährt sie in ihr Lieblings-Café und abends ins Theater, wo Louise noch immer auf der Bühne steht. Dem seltsamen Kerl, der nach der Aufführung mit Blumen ebenfalls an Künstlereingang auf die alte Dame wartet, begegnet André mit grossem Misstrauen. Der vermeintliche Galan (Stanley Townsend)  stellt sich als etwas ganz anderes heraus: als der andere Sohn aus Amerika. Und Bill zieht gleich noch bei Louise und André ein. Louise lebt auf, geniesst es, den «verlorenen» Sohn wieder bei sich zu haben, André wäre den Bruder Leichtfuss am liebsten sofort wieder los. 

André (Stefan Kurt) will den plötzlich aufgetauchten Bruder Bill (Stanley Townend) sofort wieder loswerden.
© Frenetic Films AG

André (Stefan Kurt) will den plötzlich aufgetauchten Bruder Bill (Stanley Townend) sofort wieder loswerden. 

Mit viel Sympathie für ihre Figuren und mit Augenzwinkern nimmt die Filmemacherin die Beziehungen zwischen Mutter und Söhnen, Bruder und Bruder ins Visier. Bis der Haussegen wieder hergestellt ist, müssen die Protagonisten emotionale und veritable Achterbahnfahrten überstehen, ihr Verhältnis zueinander neu definieren.  Herausgekommen ist ein charmanter, leichter Film über ein schwieriges Thema - nicht zuletzt dank der Spielfreude aller Protagonisten.

Filmemacherin Bettina Oberli, 41.

Filmemacherin Bettina Oberli, 41. 

Das grosse Interview mit der Filmemacherin Bettina Oberli lesen Sie in der aktuellen SI Style.

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