Sounds der Woche Mayer Hawthorne, The Weeknd und David Bowie

Wenn man den ehemaligen DJ und HipHop-Produzenten Andrew Mayer Cohen als Soulsänger Mayer Hawthorne auf der Bühne bewundert, stellt man sich immer wieder kurz die Frage: «Junge, mutest du dir da nicht ein bisschen viel zu?» 

Album der Woche: Mayer Hawthorne «Where Does This Door Go»
Denn schliesslich versucht sich der hellhäutige 34-Jährige Mann aus Ann Arbor im Staate Michigan mit seiner teilweise etwas wackeligen Falsettstimme in einer Sparte, in der Legenden wie Curtis Mayfield, Isaac Hayes und Smokey Robinson vorgelegt haben. Allerdings merkt man bald: Niemandem ist das so bewusst wie Mayer Hawthorne selbst. Seine Songs sind humorvolle, teils romantisch-kitschige Hommagen an seine Vorbilder. Und sie rollen echt gut. Anspieltipp: Das von Pharrell produzierte «Reach Out Richard».

The Weeknd «Belong To The World»
Der kanadische Sänger Abel Berihun Tesfaye alias The Weeknd löste mit seinem Auftauchen vor gut zwei Jahren einen riesigen Hype aus. Wie ein Lauffeuer verbreiteten sich seine zärtelig gesungenen, antarktisch unterkühlten Songs voller Exzesse, Enttäuschungen und Abgründe im Netz. So ein Soundbild hatte vor ihm noch niemand präsentiert. Bei seinem bislang einzigen Schweizer Auftrtitt am Caprices Festival in Crans-Montana ging er dann samt vielköpfiger Band sang- und klanglos unter. Die Umwandlung in herkömmlichen R&B entzog seinem Sound jegliches Blut. Er scheint gelernt zu haben: Für sein aktuelles Video besinnt er sich wieder seiner Stärken. Starke Bilder, softe Stimme, artifizielle Stimmung beherrschen das in Tokio gedrehte «Belong To The World». Für den Herbst wird ein neues Album erwartet.

 
 

David Bowie «Valentine’s Day»
Nach zwei aufwändigen Videos voller Maskerade, Storytelling und Symbolen hat sich das englische Pop-Chamäleon David Bowie für seine dritte Single-Auskopplung von seinem Rückkehr-aus-dem-Ruhestand-Album «The Next Day» für eine schlichtere Variante entschieden. Kein Problem, wenn man so ein spannendes Gesicht, zwei verschiedenfarbige Augen und einen guten Song mitbringt.  Sonst? Eine perspektivische Flucht, eine kleine Gitarre, ein paar Positionswechsel. Ziggy Stardust käme wohl gar nicht klar mit dieser Schlichtheit. 

Auch interessant