Kinotipps «Philomena» & «The Wolf of Wall Street» Die alte Dame und der junge Wolf

Wer bei der Oscar-Verleihung am 3. März fundiert mitreden will, muss diese Woche zwei Filme sichten und darf sich auf grosse Gefühle freuen. «Philomena» mit Dame Judi Dench geht uns ans Herz (ab 23. Januar), Leonardo DiCaprio in «The Wolf of Wall Street» erhitzt unser Gemüt (jetzt im Kino). 

 

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© Pathé Films

Judi Dench als Philomena Lee und Steve Coogan als Martin Sixsmith in «Philomena».

«Philomena»

Trotz ernstzunehmender Konkurrenz (von Sandra Bullock und Cate Blanchett) sähen wir persönlich am liebsten Judi Dench (seit 1995 James Bonds Chefin «M») am 3. März eine Dankesrede halten zum Oscar-Gewinn. Ein Goldmännchen hat die 79-jährige Dame ja schon, weitere sechs Mal war sie in ihrer langen Karriere nominiert, die dicksten Lorbeeren im Filmgeschäft zu ernten. Für ihre subtile Darstellung als Philomena, einer silberhaarigen Mutter auf der Suche nach ihrem Sohn, wäre ein weiterer Oscar hochverdient.

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© Pathé Films

Auf der Suche nach ihrem Sohn: Judi Dench als Philomena Lee.

Im auf Tatsachen beruhenden Drama spielt sie eine einfache irische Krankenschwester, die als junge Frau wegen einer unehelichen Schwangerschaft in ein Kloster gesteckt wurde. Bei den Nonnen fand Philomena aber keine Barmherzigkeit - im Gegenteil.  Man nahm der jungen Mutter den Sohn weg und gab ihn zur Adoption nach Amerika frei. Fünfzig Jahre später macht sich die beherzte Frau auf und will ihren verschollenen Sohn wiederfinden. Hilfe bei ihrer wenig aussichtsreichen Suche - die Nonnen mauern - leistet ihr der arbeitslose Journalist (Steve Coogan, ebenfalls zu Recht oscar-nominiert), der sie nach Amerika begleitet. Regisseur Stephen Frears serviert uns mit Judi Dench eine Schauspielerin der Extraklasse in Bestform und eine finstere, wahre Geschichte, die uns zu Tränen rührt, ohne kitschig zu sein. 

«The Wolf of Wall Street»

the wolf of wall street leonardo di caprio
© Universal

Leonardo DiCaprio als Jordan Belfort und Jonah Hill als Donnie Azoff in «The Wolf of Wall Street».

Grosse Gefühle weckt auch unser männlicher Oscar-Favorit (für eine Hauptrolle): Leonardo DiCaprio. Zuerst ist da unsere Anerkennung der Leistung: in so eine fiese, zutiefst unsymathische Figur wie den grenzenlos gierigen Jung-Broker zu schlüpfen, so einen Charakterlumpen mit solcher Verve zu spielen, finden wir schon oscar-würdig. Zumal DiCaprio noch keinen hat und uns immer wieder aus den Socken haut mit seinen Leistungen als Darsteller. Wie immer fordert Martin Scorsese von seinen Schauspielern vollen Einsatz, auch körperlich.

the wolf of wall street leonardo di caprio
© Universal

Leonardo DiCaprio als Jordan Belfort.

Wenn Leo DiCaprio alias Jordan Belfort im Drogenrausch lallt, sabbert und am Boden kriecht, bleibt einem im Kinosessel der Atem stocken, vor Bewunderung der Leistung ebenso wie über die Tatsache, dass die Geschichte um den Gierschlund Belfort eine wahre ist. Auch in seinem neuen Streich fordert Martin Scorsese von seinen Zuschauer eine hohe Toleranzgrenze für Gewalt und Verbalinjurien. Wers erträgt, kommt in den Genuss eines wichtigen Films von und mit Meistern ihres Faches. Grandios sind auch Jonah Hill (nominiert als bester Darsteller einer Nebenrolle), Matthew McConaughey und Jean «The Artist» Dujardin als aalglatter Genfer Banker.

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