Sounds der Woche Samaris, FM Belfast, Ojba Rasta & Snorri

Island. Man muss aufpassen, dass man bei dem Thema nicht in leises Schwärmen gerät. Ein Schwärmen, das mit Ausrufen wie «Hach!» und «Seufz!» versetzt ist. Denn: Ein paar Tage in dieser quasi aus Versehen besiedelten Inselrepublik zu verbringen, tut wirklich gut. Das Vulkangestein erdet einen. Man merkt: Bäume werden überbewertet und Grösse ist etwas völlig Relatives. Und ausserdem: Die Schweiz könnte sich in punkto Selbstvertrauen und kultureller Selbstverwirklichung eine dicke Scheibe von diesem kraterigen Planeten mit der wunderbaren Musikszene abschneiden. Ein klitzekleiner Ausflug. 

Album der Woche Samaris «Samaris»
Mitten in Reykjavik gibt es einen gut bestückten Plattenladen namens 12 Tónar. Da verkaufen sehr nette Menschen in gemütlicher Wohnzimmer-Atmosphäre gute Musik (und kaum hält man sich länger als fünf Minuten im Laden auf, wird einem auch schon ein Kaffee angeboten). Mehrheitlich Jazz und Klassik, aber auch sehr viel Isländisches und Elektronisches aus dem Indie-Bereich. Gleichzeitig ist das Ganze ein Label (stolz prangen einige Goldalben an der Wand – für 5000 in Island abgesetzte Exemplare). 2013 ist dort unter anderem das Album von Samaris erschienen (es vereint zwei EP’s und mehrere Remixe). Feinfühliger, nebelschwadiger, teils sehr modern getakteter Indie Pop mit Gesang von dieser Getragenheit und behauchten Ernsthaftigkeit, die man auch von der bekanntesten isländischen Sängerin kennt. Anspieltipp: «Góda Tungl»

FM Belfast «We Are Faster Than You»
Keine Ahnung, wie diese Reykjaviker Band zu ihrem Namen kommt. Wichtig ist nur: Das hier ist ein kleiner, fröhlicher Hit. Und die Band, berüchtigt für schweisstreibende Performances, hat noch mehr davon. 

Ojba Rasta «Einhvern veginn svona»
Ja, auch die Isländer kennen Babylon: Ojba Rasta ist eine zehnköpfige Reggae- und Dub-Kombo. Und sie machen das mit der nötigen Portion Selbstironie. Sagen wir’s so: Das scheinen ganz gemütliche Typen zu sein, die sich gerne Spiegeleier mit Gesichtern kochen und Bier trinken.

Snorri «River»
Und hier – als kleiner Bonus (Sie merken: Wir werden leicht übermütig beim Thema Island) – noch ein Beispiel für die Art von Musik, die man vielleicht am ehesten erwarten würde. Folk, mit akustischer Gitarre, Mundharmonika und Strickpulli. Snorri Helgason singt auf Englisch und hat ein paar Songs geschrieben, die ihn in den meisten europäischen Innenstädten zu einem höchst erfolgreichen Schnorrer machen würden. Ach, und bitte genau hinschauen: Plötzlich fliegt da was durch die Luft!



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